Samstagsinterview: Göttingens Trainer Roijakkers über das Spiel gegen die Bayern und die Basketball-Bundesliga

„Zwölf Siege sind nicht normal“

Spielmacher unter sich: Münchens Anton Gavel (links) und Göttingens Khalid El-Amin treffen morgen im Rückspiel der Basketball-Bundesliga in der S-Arena aufeinander. Foto: dpa

Göttingen. Am Sonntag erwartet die BG Göttingen den amtierenden Deutschen Basketball-Meister FC Bayern München (17 Uhr, Sparkassen-Arena). Das Hinspiel hatten die Göttinger sensationell gewonnen. Im Interview blickt der aus den Niederlanden stammende BG-Trainer Johan Roijakkers auf dieses Spiel und zieht schon einmal eine kleine Bilanz.

Herr Roijakkers, können Sie sich noch an den 19. Oktober 2014 erinnern?

Johan Roijakkers: Das muss das Spiel gegen die Bayern gewesen sein oder nicht?

Es war das Spiel gegen die Bayern. Da hat Ihr Team völlig überraschend 95:81 gewonnen. Beschreiben Sie doch noch mal, wie das geklappt hat.

Roijakkers: Ich denke, dass die Bayern einen schlechten Tag und wir einen Supertag hatten. Wir haben einige gute Sachen gemacht mit der Zonenverteidigung. Damit hatte Bayern das ganze Spiel über Probleme gehabt.

Am Sonntag kommt Bayern jetzt zum Rückspiel. Ist da womöglich wieder ein Sieg für die BG möglich?

Roijakkers: Im Hinspiel war die Chance ein Prozent. Man muss ehrlich sein. Wenn man gegen die Bayern spielt, hat man eigentlich keine Chance. Wenn aber die Bayern wieder einen schlechten, wir aber wieder einen Supertag haben – warum nicht?

Sie haben mal gesagt: Wir haben Boakye und Onwuegbuzie auf der Bank, die Bayern Nationalspieler…

Roijakkers: Die beiden sitzen bei uns immer noch auf der Bank. Das macht den Unterschied im Etat aus.

Das führt zu einer weiteren grundsätzlichen Frage: Sind Klubs wie Göttingen, Hagen oder Bayreuth nicht hoffnungslos unterlegen?

Roijakkers: Normal ja. Wenn wir mit 150 Prozent spielen, und die Bayern machen das auch, dann kann man so ein Spiel nicht gewinnen. Bayern hat einfach eine tiefere Bank.

Wie sehen Sie insgesamt die Basketball-Bundesliga? Gibt es eine Zwei- oder sogar Drei-Klassen-Gesellschaft?

Roijakkers: Wir haben mit Alba Berlin, Bayern und Bamberg drei Topteams in dieser Liga, ein Mittelfeld mit Bonn, Ulm, Artland, Ludwigsburg, Braunschweig, Oldenburg. Das sind die, die um die Playoffs kämpfen. Wir gehören derzeit auch zum Mittelfeld. Wir müssen aber wissen, dass wir noch immer um den Klassenerhalt spielen.

Kommen wir zur BG: Wie beschreiben Sie die Situation des Teams?

Roijakkers: Ich bin bisher super zufrieden. Ich hatte bis zum Saisonende mit sechs Siegen gerechnet. Und jetzt haben wir schon zwölf Siege. Ich denke, es ist nicht normal, was wir bisher erreicht haben. Das wird im nächsten Jahr wohl so nicht mehr passieren. Darauf müssen wir alle vorbereitet sein. Das wäre normal. Darauf stelle ich mich ein. Wenn ich das tue, können wir nicht enttäuscht sein.

Warum läuft es punktemäßig auswärts bisher besser als zuhause?

Roijakkers: Ich denke, dass es da keinen Unterschied gibt. Wir haben am Anfang Spiele zuhause verloren, die wir jetzt nicht mehr verlieren würden wie gegen Trier oder den MBC.

Dass der Klassenerhalt mit zurzeit zwölf Siegen im Prinzip schon geschafft ist, ist doch schon einmal ein Riesenerfolg. Wird bereits über neue Ziele nachgedacht?

Roijakkers: Nein, erst einmal müssen wir den Klassenerhalt auch rechnerisch geschafft haben.

Wo sehen Sie die Stärken und Schwächen in Ihrem Team?

Roijakkers: Wir spielen offensiv sehr gut zusammen. El-Amin, Ruoff und Morgan sind drei Klassespieler. Sie gehören zur absoluten Spitze in dieser Liga. Die anderen wissen darum und verstehen ihre ebenso wichtigen Rollen in unserem Team. Wenn sie das nicht verstehen würden, würden die anderen drei nicht so gut funktionieren. Wir haben eine sehr gute Mischung. Unsere Schwäche liegt darin, dass wir kein besonders großes Team sind, nicht so athletisch. Die Preisqualität unserer Bank halte ich für sehr, sehr stark.

Können diese Ausnahme-Spieler wie Khalid El-Amin, Raymar Morgan oder auch Alex Ruoff für die nächste Saison gehalten werden?

Roijakkers: Da muss viel Extra-Geld kommen. Natürlich wird es schwierig, Khalid halten zu können. Er spielt vielleicht noch ein, zwei Jahre und kann sicherlich woanders mehr verdienen als hier.

Die Zuschauer-Entwicklung muss auch Sie stolz machen. Gegen den FC Bayern ist das neunte von 14 Heimspielen ausverkauft.

Roijakkers: Wenn jedesmal die Halle ausverkauft ist, muss man etwas richtig gemacht haben. Wir haben sicher nicht so viele Marketing-Möglichkeiten wie andere Bundesliga-Städte, unsere Marketing-Kampagne findet auf dem Spielfeld statt. Die Spieler verkaufen die BG sehr gut, sie sind mit ihren tollen Leistungen dafür verantwortlich, dass die Halle immer voll ist. (gsd)

Von Walter Gleitze und Helmut Anschütz

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