Hinter den Kulissen des Biathlons

Biathlon in Ruhpolding: "Wir mögen es, wenn es richtig knifflig wird"

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Biathlon: DSV-Cheftechniker Andreas Emslander bei der Arbeit

Auch beim Biathlon-Weltcup in Ruhpolding spielt das Material eine zentrale Rolle. chiemgau24.de hat mit dem Cheftechniker des Deutschen Skiverbandes gesprochen.

Ruhpolding - Der Sprint der Herren in Ruhpolding ist vorbei, die deutsche Mannschaft hat einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Doch nicht nur die Athleten auf der Strecke haben an diesem Tag in Ruhpolding ganze Arbeit geleistet, auch das Team im Hintergrund kann auf die erbrachten Leistungen stolz sein. 

Denn ohne schnelle und gut laufende Ski unter den Füßen, wäre selbst der begnadetste Biathlet chancenlos. Grund genug, genauer hinter die Kulissen des deutschen Techniker-Teams zu blicken. Cheftechniker Andreas Emslander spricht im Interview mit chiemgau24.de. 

Herr Emslander, welche Bereiche umfasst ihre Position als Cheftechniker für das Biathlon-Team des Deutschen Skiverbandes?

Andreas Emslander: Ich bin im deutschen Biathlon-Team verantwortlich für das Skimaterial. Aber nicht nur für die Athleten im Weltcup, auch für den Nachwuchs- und Juniorenbereich. Das beinhaltet organisatorische Aspekte wie die Bestellung des Materials, koordinierende Bereiche wie die Testarbeit, die wir das ganze Jahr über durchführen, und in der Wachskabine bin ich dann auch mit dabei und packe mit an.

Wie viele Personen umfasst ihr Team?

Emslander: Wir sind ein Stamm von vier Leuten, die ganzjährig im Deutschen Skiverband beschäftigt sind und sich um das Material der Biathleten kümmern. Hinzu kommen im Winter dann noch zwei freie Mitarbeiter, so dass wir im Winter zu sechst am Werk sind. Bei der Testarbeit auf der Strecke erhalten wir zudem Unterstützung von unseren Trainern.

Wie stellt sich die Arbeit nach der Saison dar?

Emslander: Auch da liegen wir nicht auf der faulen Haut. Im Frühjahr gehen wir gezielt in die Gebiete, in denen noch Schnee liegt. Dann sind wir im Sommer regelmäßig in der Skihalle in Oberhof, dort haben wir auch unseren Stützpunkt und können das ganze Jahr über auf Schnee testen.

Biathlon Weltcup in Ruhpolding: Alle Informationen zum Weltcup im Chiemgau

Wie sieht ein Arbeitstag während eines Weltcups aus?

Emslander: Das hängt davon ab, ob wir an dem entsprechenden Wettkampftag noch Trainingsmöglichkeiten haben. Wenn das der Fall ist, so wie am Mittwoch in Ruhpolding, geht es für uns um 8 Uhr vor Ort los. Zunächst kümmern wir uns um die Trainingsvorbereitung und sorgen dafür, dass die Athleten schon im Training gutes Material unter den Füßen haben. Vier Stunden vor dem eigentlichen Wettkampf beginnt dann die gezielte Vorbereitung auf das Rennen. Wir checken die äußeren Bedingungen, analysieren die Beschaffenheit des Schnees und bereiten die Test-Ski vor. Jeder Athlet bekommt ungefähr sechs Paar mit auf die Strecke, die dann entsprechend getestet werden. Ca. zwei Stunden vor dem Wettkampf geht dann die eigentliche Testphase auf der Strecke los.

Die wie lange andauert?

Emslander: Gut 45 Minuten vor dem Start sollten die Tests beendet sein, damit wir mit dem Präparieren beginnen können. Pro Athlet wird dann ein Paar Ski ausgewählt, das wir ca. 30 bis 40 Minuten präparieren und mit dem der Athlet dann ins Rennen geht. Dabei arbeiten wir in einer Art Fließband-System. Jeder hat seine spezifische Aufgabe, die er bei der Präparierung des Skis entsprechend umsetzt.

Biathlon in Ruhpolding: Cheftechniker Andreas Emslander (Mitte) im Gespräch mit den chiemgau24.de-Reportern Martin Weidner (links) und Tobias Ruf

 

Wann ist der Ski dann fertig?

Emslander: Gut zehn Minuten vor Rennstart sind die Ski im Aufwärmbereich und bereit für das Rennen. 

Gibt es äußere Bedingungen, die Sie besonders mögen?

Emslander: Wir mögen es, wenn es richtig knifflig wird. Wenn es schneit, regnet oder die Bedingungen auf der Strecke nicht gewöhnlich sind, haben wir die Chance, uns von den anderen Nationen abzuheben. Da macht der eine oder andere vielleicht einen Fehler und wir können das zu unseren Gunsten nutzen. Der Reiz von schwierigen Bedingungen ist größer, als wenn perfekte Bedingungen vorherrschen und jeder letztlich fast identisch präpariert.

Wie verfolgen Sie ein Rennen?

Emslander: Wir hängen am Handy oder am Tablet und analysieren die läuferischen Daten. Zudem sieht man oft ja auch im Fernsehbild, ob ein Ski besonders gut läuft oder nicht. Von den Trainern und Betreuern an der Strecke kriegen wir Rückmeldung und bei Wettbewerben, bei denen die Athleten zu unterschiedlichen Zeiten starten, gibt es dann nach den Rennen auch direktes Feedback von den Sportlern, auf das wir noch reagieren können.

Wie fällt ein Feedback aus, wenn ein Ski mal nicht gelaufen ist?

Emslander: Zum Glück immer konstruktiv. Auch wenn man einem Athleten natürlich anmerkt, wenn etwas nicht gepasst hat. Aber wir kommunizieren da sehr offen und sachlich, Ausraster gibt es keine (lacht).

Haben Sie Favoriten unter den Weltcup-Standorten?

Emslander: Dort, wo die Wege zwischen Wachsbereich und Strecke kurz sind, fühlen wir uns am wohlsten. Bei der hohen Anzahl an Material, das wir versorgen, spielen Logistik und Zeit eine sehr wichtige Rolle. Hier in Ruhpolding ist das beispielsweise sehr gut gelöst, auch in Antholz und Nove Mesto ist es für uns Techniker sehr angenehm.

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Biathlon: So reagieren die Techniker auf einen gebrochenen Ski

Wie reagieren Sie, wenn auf der Strecke der Ski eines Athleten bricht? Jüngst gab es ja den Fall, dass bei Johannes Kühn in Annecy nach einem Sturz ein Ski gebrochen war...

Emslander: Darauf sind wir natürlich vorbereitet und haben rund um die Strecke, wo unsere Betreuer und Trainer stehen, Ersatzski positioniert. Die sind aber quallitativ nicht so präpariert wie die eigentlichen Wettkampf-Ski.

Welche Disziplin ist einem Techniker am liebsten?

Emslander: Der Massenstart gefällt mir besonders gut. Dort haben wir den direkten Vergleich zu den anderen Nationen.

Vielen Dank für das Gespräch

Quelle: chiemgau24.de

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