Die Handballer des Emirats gastierten früher in der Region

Blick zurück: Als WM-Viertelfinalist Katar noch gegen Körle spielte

Katar in der Körler Berglandhalle: Neben den Kataris haben sich die Schiedsrichter Günter Dieling (links) und Peter Fülling aufgestellt. Es folgt das Körler Team (von links): Klaus Fritzschner, Joachim Schmoll, Fritz Kerst, Bernd Rohleder, Uwe Döberitz, Helmar Vaupel, Uwe Lohmann, Stefan Imke, Ulrich Wagener, Frank Griesel, Holger Knaust und Dieter Weingarten. Das Bild entstand 1982. Foto: privat

Die deutschen Handballer treffen heute im WM-Viertelfinale auf Katar – und damit auf ein Team, das schon in der Region auftrat. Der Blick zurück zeigt, wie sich die Mannschaft entwickelt hat.

KLEINE PRINZEN IN KÖRLE

Der 13. August 1982 war ein kleiner Festtag in Körle. Erstmals wurde Sport getrieben in der neuen Berglandhalle. 500 Menschen kamen, und zur Feier des Tages empfingen die Handballer des TSV Rot-Weiss Körle eine echte Nationalmannschaft: die aus Katar. Das Team aus dem Emirat absolvierte damals mit dem deutschen Trainer Helmut Kosmehl ein Trainingslager im Vogelsberg – in einem Leistungszentrum. Von dort aus war es nicht sonderlich weit nach Nordhessen.

Es war ein heißer Tag, erinnert sich Joachim Schmoll (55), der damals als 23-Jähriger im Tor der Körler stand. „Das Wetter kam den Kataris zugute“, sagt er. Sie gewannen 24:23 – mit Ach und Krach gegen den Kreisligisten von Trainer Henner Vaupel. „Körperlich waren sie nicht stärker als wir“, berichtet Schmoll, „es waren halt andere Zeiten.“ Zeiten, in denen das Team Katar ausschließlich aus Kataris bestand.

Das Sportliche war das eine, interessant war aber vor allem das Drumherum. „Die Jungs haben sich schon ein bisschen wie die kleinen Prinzen aus dem Ölscheichtum gefühlt“, erzählt Schmoll. Er berichtet von tollen Uhren und von Goldkettchen, mit denen sich die Gegner schmückten. „Sie haben schon gezeigt, was sie haben.“

Viertelfinale heute ab 16.30 Uhr auf Sky.

Nach dem Spiel ging es noch in die angrenzende Gaststätte, die Körler tranken ihr Bierchen, die Kataris Cola oder Limo. „Es war amüsant und lustig“, sagt Schmoll, dem eines noch ganz besonders in Erinnerung geblieben ist: „Die waren hellauf begeistert von den europäischen Frauen und haben immer ein Auge auf sie geworfen.“

Trotzdem, die Wege trennten sich an diesem Abend wieder. Während die Nationalmannschaft Katars heute im WM-Viertelfinale steht, bildet Körle mit Guxhagen eine Männerspielgemeinschaft, die in der Bezirksoberliga aktiv ist. Zu den Heimspielen kommen weit weniger als damals gegen Katar. Interessant: Heute kann sich keiner mehr erinnern, wie dieses Spiel überhaupt zustande gekommen ist.

TURNIER MIT WÜSTENSÖHNEN 

Knapp zehn Jahre ist es her, dass der Sparkassencup um eine Attraktion reicher war: Erstmals nahm die Nationalmannschaft aus Katar in Rotenburg bei der Veranstaltung mit langer Tradition teil. Sportlich war der Start der Kataris ein einziges Fiasko: 21:42 gegen die MT Melsungen, 19:39 gegen den TBV Lemgo. Selbst gegen die zweitklassigen Isländer von Stjarnan gab es eine 23:28-Niederlage.

Trainingsspiel in Bad Hersfeld: Die HSG Eitra/Oberhaun (hier mit Matthias Kienast im Vordergrund) prüfte im Januar 2006 das Team aus Katar. Archivfoto: Eyert

Die Auswahl aus dem Emirat vom Persischen Golf hatte die Auftritte mit einem Trainingslager in Rotenburg verknüpft. Ziel war es, sich intensiv auf die Asienmeisterschaft vorzubereiten. „Die Kataris haben sich die Reise nach Nordhessen einiges kosten lassen. Schon damals gaben sie viel Geld für den Sport aus“, erinnert sich Thomas Giesler, einer der Macher des Sparkassencups. „200 Euro“, ergänzt der Rotenburger, „konnte man denen deswegen aber auch nicht fürs Zimmer abknöpfen.“ Wichtig sei den Handballern aus dem Scheichtum der Bezug zur Heimat gewesen: ein Raum, in dem ständig Tee gereicht wurde und dem der arabische Sender Al Jazeera zu empfangen war.

UND SEITDEM? 

Im Januar 2006 war die Auswahl aus Katar noch einmal in Rotenburg und gewann ein Trainingsspiel in Bad Hersfeld bei der HSG Eitra/Oberhaun mit 34:21. Zwei Jahre später war die U 21 an der Fulda zu Gast. Einen Test bei der TG Münden entschieden sie sogar mit 41:34 zu ihren Gunsten.

Von Florian Hagemann und Björn Mahr

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