Formel 1 in Russland

Vettel muss Bottas Vortritt lassen - WM-Führung ausgebaut

Mercedes-Pilot Valtteri Bottas (l) gewann vor Sebastian Vettel. Foto: Sergei Grits
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Mercedes-Pilot Valtteri Bottas (l) gewann vor Sebastian Vettel. Foto: Sergei Grits
Der finnische Sieger Bottas mit dem Siegerpokal. Foto: Pavel Golovkin
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Der finnische Sieger Bottas mit dem Siegerpokal. Foto: Pavel Golovkin
Sebastian Vettel (l) gratulierte dem Sieger auf dem Podium auf seine Weise. Foto: Pavel Golovkin
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Sebastian Vettel (l) gratulierte dem Sieger auf dem Podium auf seine Weise. Foto: Pavel Golovkin
Der britische Mercedes-Pilot Lewis Hamilton verpasste das Podium. Foto: Sergei Grits
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Der britische Mercedes-Pilot Lewis Hamilton verpasste das Podium. Foto: Sergei Grits
Ferrari-Pilot Vettel forderte seine Reifen. Foto: Sergei Grits
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Ferrari-Pilot Vettel forderte seine Reifen. Foto: Sergei Grits
Romain Grosjean (l) wurde in der ersten Runde von Renault-Pilot Jolyon Palmer abgeräumt. Foto: Sergei Grits
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Romain Grosjean (l) wurde in der ersten Runde von Renault-Pilot Jolyon Palmer abgeräumt. Foto: Sergei Grits

Sebastian Vettel war nah dran. Doch wieder hat es in Sotschi nicht zum Sieg gereicht. Der viermalige Formel-1-Weltmeister muss Mercedes-Mann Valtteri Bottas den Vortritt lassen und wird Zweiter. Immerhin: WM-Rivale Lewis Hamilton verliert wichtige Punkte.

Sotschi (dpa) - Nach der erneut verpassten Siegpremiere in Russland herrschte bei Sebastian Vettel alles andere als schlechte Laune.

Alle waren schon aus der TV-Mixed-Zone im Formel-1-Fahrerlager von Sotschi verschwunden, da redete der viermalige Weltmeister noch immer bereitwillig über die verpasste Chance trotz der ersten Pole Position seit 588 Tagen und einer Alles-oder-Nichts-Reifentaktik. Vettel erkannte den ersten Grand-Prix-Sieg von Valtteri Bottas im Mercedes einfach an.

"Im ersten Moment beißt man sich in den Hintern. Unterm Strich können wir aber am besten einschätzen, wie man am Lenkrad drehen muss, und er hat das super gemacht. Er ist ganz klar der Mann des Rennens, auch wenn es einem selbst stinkt", sagte der WM-Spitzenreiter. Vettel konnte seinen zweiten Platz in dieser Saison vor allem auch aus einem Grund gut verkraften: WM-Verfolger Lewis Hamilton kam nicht über Platz vier hinaus. Noch zwischen die beiden Titelrivalen schob sich Vettels Ferrari-Kollege Kimi Räikkönen.

Die Entscheidung zu Ungunsten Vettels fiel direkt zu Beginn des vierten Saisonlaufs. "Wir haben das Rennen am Start verloren. Ich habe alles versucht, ihn einzuholen", gestand der Heppenheimer. Nach 52 Runden lag Bottas letztlich nur 0,617 Sekunden vor Vettel. Die letzte Chance, den 27 Jahre alten Finne noch näher zu kommen, raubte Felipe Massa dem Deutschen, als er im Williams beim Überrunden nicht direkt Platz machte.

Trotz des verpassten Russland-Triumphs baute Vettel seine Führung in der Gesamtwertung aus. Er kommt auf 86 Punkte, Hamilton hat nur 13 weniger (vorher 7). Bottas ist Dritter mit 23 Punkten Rückstand.

Der scherte den Finnen nach seinem Sieg aber nicht. "Es hat über 80 Rennen gedauert. Die Warterei hat sich definitiv gelohnt", sagte Bottas. "Valtteri hat gegen die Übermacht Vettel nur wegen seiner eigenen Leistung gewonnen", lobte Mercedes-Team-Aufseher Nikki Lauda, ehe vor dem Finnen die Kappe zog und ihn herzlichst in den Arm nahm. "Er ist die coolste Socke auf dem Grid. Unter diesen Bedingungen, mit dem Vettel im Genick, das ist eine unglaubliche Leistung", sagte Lauda.

Nico Hülkenberg kam als Achter ins Ziel und schaffte sein bestes Ergebnis seit seinem Wechsel zu Saisonbeginn zu Renault. Pascal Wehrlein wurde im Sauber 16. und Letzter. Vier von 20 Piloten waren ausgeschieden.

Das Rennen begann etwas verspätet. Fernando Alonso schaffte nicht einmal die Formationsrunde und stellte seinen dauerhaft maladen McLaren-Honda nach erneuten technischen Problemen wenige hundert Meter vor seiner Startbox ab.

Als das Rennen richtig losging, war Vettel seine Spitzenposition schnell los. Erstmals seit 2015 hatte der Heppenheimer wieder von ganz vorn starten dürfen, neben ihm stand sein finnischer Teamkollege Räikkönen - die erste Doppel-Pole für die Scuderia seit 2008.

Doch Bottas machte den Ferrari-Vorteil mit einem Traumstart zunichte. Er schoss an seinem Landsmann und an Vettel vorbei und setzte sich nach vorn. Damit blieb es zunächst dabei: In allen Rennrunden seit der Premiere in Sotschi 2014 war ein Mercedes an der Spitze gefahren.

Hinten im Feld knallte es zwischen Romain Grosjean im Haas und Hülkenbergs Teamkollegen Jolyon Palmer. Die Folge: Das Safety Car musste schon in der ersten Runde raus, um die Crash-Teile aufzusammeln. Als das Rennen nach drei Runden wieder freigegeben wurde, blieb alles beim alten.

Bottas fuhr vorn, gefolgt von Vettel. Dahinter versuchte Räikkönen, Mercedes-Mann Hamilton hinter sich zu halten. Das Quartett setzte sich mehr und mehr vom Rest des Feldes ab. Nach etwa einem Drittel des Rennens klagte Hamilton, dass sein Wagen überhitze. Über Funk versuchte der Kommandostand ihn zu beruhigen. Auch andere hätten das Problem, hieß es. Ein schwacher Trost für den Briten, konnte er doch nicht wie gewünscht attackieren.

Dann wurde es spannend: Mercedes holte in der 27. Runde Bottas zum Reifenwechsel an die Box. Vettel übernahm als erster Nicht-Mercedes-Pilot die Führung auf dem Autodrom. "Hol alles raus", feuerte ihn sein Kommandostand an. Vettel fuhr auf seinen alten Reifen weiter und baute Runde für Runde seinen Vorsprung aus. Nach 35 Durchgängen wurde er endlich an die Box geordert. Mit 3,4 Sekunden fiel die Standzeit aber zu lang aus.

Vettel kehrte hinter dem wieder führenden Bottas auf die Strecke zurück. Der Vorsprung des Silberpfeil-Piloten: 4,6 Sekunden. Der Heppenheimer gab nicht auf, kämpfte sich heran. In den letzten beiden Runden wurde es dramatisch, doch der Deutsche kam nicht mehr auf Schlagdistanz. Entscheidend dann, als Bottas Felipe Massa überrundete und anschließend der Brasilianer den Weg für Vettel zu spät freimachte. Der Sieg für Vettel war dahin.

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