Vor Ort beim ehemaligen Fußball-Manager

Calli zu Besuch auf der Königsalm in Nieste

Gute-Laune-Bär im Schunkelparadies: Reiner Calmund spricht über Kompetenz, Leidenschaft und Erfolg. Foto: Fischer

Nieste. Reiner Calmund soll an diesem Mittag einen Vortrag halten über Kompetenz, Leidenschaft und Erfolg.

Zunächst aber steht bei diesem Energie-Frühschoppen für Geschäftskunden der Eon Energie Deutschland ein kleines Gespräch mit dem Moderator der Veranstaltung an. Dessen zweite Frage an Calmund hat mit der Wok-WM zu tun, bei der TV-Entertainer Stefan Raab Prominente einen Eiskanal in einem Wok hinuntersausen lässt.

Calmund, dieser 66 Jahre alte Koloss von Mensch, hat einst daran teilgenommen. Er sagt, das sei eine Riesengeschichte gewesen – und fortan erzählt er diese Riesengeschichte von Anfang an. Sie beginnt bei seiner Kindheit, sie handelt über eine Gehacktesbestellung im Blumenladen, sie enthält Kraftausdrücke und Selbstironie, wenn er von der dicksten Fasssäule der Welt spricht, und endet bei Kurve sieben im Eiskanal von Altenberg. Calmund erzählt drei Minuten, vier Minuten, fünf Minuten, er umarmt zwischendurch den Moderator, er fuchtelt mit den Händen und wippt mit dem Körper. Und es fragt sich, ob das schon der Vortrag über Leidenschaft ist.

Ist es nicht.

Wobei: Bei Calmund lässt sich das nie so genau sagen, wo etwas anfängt und wo etwas aufhört. Er hat nicht nur die Gabe, alles zu sein: Fußball-Manager außer Dienst, studierter Betriebswirt, Moderator, Buchautor, Wok-Fahrer, Entertainer. Er hat zugleich die Gabe, die Welt in einem Bandwurmsatz zu erklären – da braucht es eigentlich kein Thema.

An diesem Tag referiert er auf der Königsalm in Nieste vor 200 Menschen, die Brezeln essen, Bier oder Wasser trinken. Er ist da so etwas wie die Stimmungskanone, der Gute-Laune-Bär im Schunkelparadies. Seinen Vortrag beginnt Calmund mit einem Lob für den Wirt, nachdem er sich vor der Veranstaltung schon über den ordnungsgemäßen Zustand der Toilette überzeugt hat: „Wenn der Lokus sauber ist, ist auch die Küche sauber.“

Reiner Calmund auf der Königsalm in Nieste

Calmund spricht dann über Kompetenz, Leidenschaft und Erfolg, und seine Schlussfolgerung ist, dass Erfolg hat, wer vor allem Leidenschaft mitbringt. Das ist keine neue Erkenntnis, Calmund aber bringt sie unterhaltsam rüber. Er erzählt über den mittlerweile verstorbenen Fußballtrainer Udo Lattek, der gern Wodka-Feige getrunken hätte – „am liebsten ohne Feige“. Er behauptet über den ehemaligen Bayern-Trainer Louis van Gaal: „Wo andere Männer zwei Eier haben, hat der nen ganzen Hühnerstall.“ Und er sagt: „Du kannst nur Erfolg haben, wenn du positiv bekloppt bist.“ Er ist der lebende Beweis für diese Aussage.

Calmund hat Bayer Leverkusen zu Vizekusen gemacht. Er hat es zu einer Marke geschafft, die der Masse ein X für ein U vormachen kann, und sagt, die Stimmung sei das A und O. Sein Vortrag soll eine Stunde dauern. Nach 70 Minuten sagt er: „Noch fünf Minuten.“ Nach einer weiteren Viertelstunde spricht er davon, dass er in drei Minuten fertig sei.

Nach weiteren fünf Minuten ist er tatsächlich fertig. Die Frage kommt auf, ob es noch eine Zugabe gibt. Das ist die Vorlage für die letzte Pointe von Calli auf der Königsalm. Er sagt: „Nee, ich will doch auch was essen.“

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