Mannheimer haben größten Druck

Eishockey-Helden zurück auf DEL-Bühne: Nur der Coach darf auf die Couch

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Zurück in der Familie – aber nur kurz: Christian Ehrhoff wurde nach der Landung in Frankfurt von seinen Liebsten empfangen.

Eben noch bei Olympia in Pyeongchang, am Mittwoch schon wieder im alltäglichen Punktekampf der DEL: Den deutschen Eishockey-Silberhelden bleibt kaum Zeit zum Luftholen.

Die Klubs, die dem Nationalteam vor Olympia gerade einmal eine Woche zur Vorbereitung zugestanden hatten, hetzen ihre Angestellten nur drei Tage nach dem größten Erfolg der Historie trotz des Jetlags schon wieder auf Eis. Und es geht sogleich richtig rund, kämpfen doch einige Teams an den restlichen drei Spieltagen noch um Playoff-Plätze.

Die Gestressten

„Uns bleibt nur ein einziger Tag mit der Familie. Dann heißt es: Back to business“, sagte Fahnenträger Christian Ehrhoff. Und sein Kölner Kollege Moritz Müller meint: „Es ist viel passiert. Aber jetzt muss man das Erlebte in eine Schublade packen und sich auf den DEL-Alltag konzentrieren. Im Sommer macht man die Schublade noch mal auf und holt die tollen Erinnerungen wieder raus.“

Die Kölner müssen Mittwochabend um 19.30 Uhr mit den Haien bei den Iserlohn Roosters ran. Jeder Punkt zählt, die Kölner können noch Vierter, aber auch noch Zehnter werden.

Noch größer ist der Druck für Kapitän Marcel Goc und vier weitere Olympiastarter der Adler Mannheim, die sogar die Preplayoffs der Teams auf den Plätzen sieben bis zehn noch verpassen können. Als langjähriger NHL-Profi ist Mittelstürmer Goc jedoch viele Spiele in wenigen Tagen gewohnt. „Ich geh’ dahin und zieh mich um, kein Problem“, sagte der 34-Jährige. Und Kollege Marcus Kink erklärte: „Für uns ändert sich von der Einstellung her ja nichts. Wir hatten vier Alles-oder-nichts-Spiele bei Olympia und haben jetzt in der DEL drei weitere.“ Er hofft, „dass uns die Euphorie durch diese Spiele tragen wird“.

Willkommen zu Hause: Auch Kapitän Marcel Goc schloss seine Kinder in die Arme.

Die Entspannten

Aber es gibt auch Spieler, die Zeit bekommen zum Feiern und Erholen. So gönnt Titelverteidiger München, der erneut Rang eins nach der Hauptrunde schon sicher hat, seinen Olympia-Helden einen Kurzurlaub. „Wir haben die Nachricht bekommen, dass wir erst am Sonntag spielen müssen“, berichtete Dominik Kahun. Der Mittelstürmer war einer von sieben RB-Stars in Pyeongchang.

Auch die Eisbären Berlin sind großzügig. „Wir werden den Spielern ein paar Tage frei geben und schauen, wie viel Zeit sie brauchen, den Schalter umzulegen und einen Neustart zu machen“, sagte Trainer Uwe Krupp vom Tabellendritten.

Der Urlauber

Fast wie ein Urlauber kann sich in diesen Tagen nur Medaillenschmied Marco Sturm fühlen. „Ich lehne mich jetzt zurück und gucke mir die Spiele der Jungs auf der Couch an“, sagte der Bundestrainer schmunzelnd. Ein wenig Mitleid hatte er mit seinen Schützlingen aber schon. „Leider ist es so. Aber ich denke, wenn man Silber trägt, ist auch das in Ordnung.“ Das nächste Ziel Sturms ist die Vorbereitung auf die am 4. Mai in Dänemark beginnende Weltmeisterschaft.

Die Funktionäre

Selbst die DEL-Verantwortlichen, die das Projekt Olympia im Vorfeld mit Kosten von fünf Millionen Euro kalkulierten, auch weil wegen der vielen Dienstagspiele deutlich weniger Zuschauer kamen, hoffen nun auf neue Begeisterung, sogar einen Eishockey-Boom – nicht nur schon heute in den Hallen. Geschäftsführer Gernot Tripcke: „Wichtig ist, aus dem Funken der Begeisterung ein Feuer zu entfachen, das mehr Kinder in die Eishallen bringt.“

Von Gerald Schaumburg und Thomas Lipinski

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