Erinnerung an Jamaika-Bob von 1988

„Cool Runnings“ auf afrikanisch: Nigeria ist erstmals bei Olympischen Winterspielen vertreten

Sie schreiben Geschichte: Die Bobfahrerinnen Seun Adigun, Ngozi Onwumere und Akouma Omeoga (von links) nehmen mit Nigeria an den Olympischen Winterspielen 2018 teil. Es ist der erste Auftritt überhaupt für die Afrikaner. Screenshot: Twitter

Kassel. Es ähnelt einer Neuauflage von „Cool Runnings“, dem Film über das Bob-Team aus Jamaika, das 1988 an den Olympischen Winterspielen in Calgary teilnahm. Denn auch bei den kommenden Wettkämpfen geht eine Nation an den Start, die nicht gerade für Wintersport und kalte Temperaturen bekannt ist: Nigeria.

Es ist die erste Teilnahme für das Land, für das der Olympische Gedanke „Dabei sein ist alles“ wohl wörtlich zu verstehen ist. Das Bob-Team aus Afrika dürfte, ähnlich wie die Vorbilder aus Jamaika 1988, keine Chancen auf Medaillen haben. Allerdings kommt eines der Fahrerin Seun Adigun, der Anschieberin Ngozi Onwumere und der Ersatzfrau Akouma Omeoga zugute: Sie kennen die Wettkampfsituation im Spitzensport. Alle kommen ursprünglich aus der Leichtathletik. Pilotin Adigun startete für Nigeria sogar bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London, damals über 100 Meter Hürden.

Doch dort schied sie im Vorlauf als Vierte aus. Als sie merkte, dass es für den Sprung an die Weltspitze nicht reicht, spezialisierte sie sich 2014 auf den Bobsport. Zwei Jahre später stießen die beiden anderen Läuferinnen hinzu. Seitdem bereiten sie sich auf ihr Projekt Olympia vor. „Zusammen können wir beweisen, dass mit Glauben, ein wenig Hilfe und Ausdauervermögen nichts unmöglich ist“, sagten sie damals der englischen Zeitung „Daily Mail“. Und für ihr Projekt arbeiten sie hart. Die Bedingungen dafür sind deutlich besser als die, die Jamika in den 80er-Jahren hatte. Die Afrikanerinnen leben in den USA, wo es sich dank 75 000 Dollar an Spenden sowie mehreren Sponsoren prima trainieren lässt.

Die guten Voraussetzungen machten sich bei der Qualifikation schon bezahlt. Um die Starterlaubnis für die Winterspiele zu erhalten, mussten die Frauen fünf Rennen erfolgreich absolvieren. Nachdem die Bobfahrerinnen bereits in Utah und in Whistler gestartet waren, schlossen sie die Qualifikation in Calgary ab - ausgerechnet dort, wo auch die jamaikanischen Kollegen einst starteten.

„Das ist ein großer Meilenstein für den Sport in Nigeria“, erklärte die Steuerfrau Adigun gegenüber „Kwesé ESPN“. „Unser Ziel ist es jetzt, die beste Repräsentation für Afrika zu sein, die die Winterspiele je erlebt haben“, fügte sie hinzu.

Die bisher beste Platzierung eines afrikanischen Landes bei den Winterspielen stellten 1960 zwei Südafrikaner auf. Das Paarlauf-Duo Marcelle Matthews und Gwyn Jones landete in Squaw Valley auf Platz 13. Aber auch wenn die Frauen im Zweierbob der Konkurrenz nur hinterherfahren sollten: Einen Platz in den Geschichtsbüchern haben die drei schon jetzt sicher.

Hintergrund: Exoten bei Winterspielen

Die Bob-Teams aus Jamaika und Nigeria sind nicht die einzige Exoten in der Geschichte der Olympischen Winterspiele:

• Michael Edwards begeisterte als „Eddy the Eagle“ bei den Spielen 1988 in Calgary im Skispringen. Er war der erste Brite, der bei den Spielen antrat - auch, wenn er mit Abstand Letzter wurde.

• Philip Boit trat mehrfach für Kenia im Skilanglauf an. Vor seinem ersten Einsatz bei den Wettkämpfen 1998 hatte er noch nie Schnee gesehen.

• Hubertus Prinz zu Hohenlohe gründete auf eigene Faust den Mexikanischen Skibund und nahm 1984 zum ersten Mal an den Winterspielen teil. Der Skirennläufer und gebürtige Mexikaner trug dabei ein buntes und schrilles Kostüm.

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