Siebenkampf am Wochenende

Leichtathletik-WM: Daumen drücken für Carolin Schäfer

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Hofft auf eine schöne Kür in Peking: Siebenkämpferin Carolin Schäfer.

Kassel. Die Siebenkämpferin aus Bad Wildungen startet am Wochenende bei der Weltmeisterschaft in Peking und hofft auf einen Coup.

So etwas passiert nicht alle Tage. Ein Sportler aus der Region startet bei einer Weltmeisterschaft. Und nicht nur das: Dieser Sportler darf sich berechtigte Hoffnungen machen, die internationale Elite weiter aufzumischen. In diesem Fall dreht es sich um eine Sportlerin, nämlich Carolin Schäfer. Die Leichtathletin aus Bad Wildungen greift an diesem Wochenende im Siebenkampf an. Von daher heißt es: Daumen drücken!

Am Samstag geht es im Stadion von Peking, das seit den Olympischen Spielen 2008 nur Vogelnest genannt wird, mit den 100 Meter Hürden los. Die Disziplinen Hochsprung, Kugelstoßen und 200 Meter komplettieren den ersten Teil des Mehrkampfes. Am zweiten Tag folgen Weitsprung, Speerwurf und der abschließende 800-Meter-Lauf. Sie wolle ein Wörtchen um die Medaillen mitreden, sagte Schäfer. Zuzutrauen ist es der sympathischen Athletin allemal. Ein Coup ist drin - vorausgesetzt, sie kann ihre Leistung von Götzis bestätigen.

Drei Favoritinnen

TV-Tipp

Samstag, ZDF, ab 12.20 Uhr

Sonntag, ARD, ab 5.30 Uhr

Mit ihren 6547 Punkten beim Mehrkampf-Klassiker Ende Mai hatte die 23-Jährige nicht nur eine persönliche Bestmarke, sondern gleich mal zu Beginn der Freiluftsaison ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. In diesem Jahr ist weltweit nur die WM-Zweite Brianne Theisen-Eaton besser gewesen. Die Kanadierin gehört wie die Britin Jessica Ennis-Hill, Olympiasiegerin 2012, und deren Landsfrau Katarina Johnson-Thompson zum Kreis der Favoritinnen.

Brianne Theisen-Eaton

Spätestens mit ihrem Auftritt in Götzis ist Schäfer in der Weltspitze angekommen. Den Durchbruch im Seniorenbereich schaffte die Polizeikommissar-Anwärterin bereits im vergangenen Sommer, als sie bei der EM in Zürich wie Phönix aus der Asche auf dem vierten Platz landete und nur knapp die Bronzemedaille verpasste. Fortan rückte Schäfer, die seit Januar wieder für ihren Heimatverein TV Friedrichstein startet, in den Mittelpunkt des Interesses.

Auf einmal war da jemand. Eine junge Athletin, die nicht nur wegen des Erfolgs, sondern auch dank ihrer unbekümmerten Art als Aushängeschild taugt. Von diesem Kaliber gab es in der deutschen Leichtathletik zuletzt nicht viele. Es gehört zu den Leistungen Schäfers, dass der vierte Platz von Zürich keine Eintagsfliege blieb. Ihre Entwicklung ist enorm. Dabei hat sie mit ihren 23 Jahren noch lange nicht das beste Mehrkampfalter erreicht.

Ein Schicksalsschlag

Den größten Kampf hatte die Frau mit dem einnehmenden Lächeln aber fernab der Tartanbahn zu bestreiten. Als im Februar Schäfers Lebensgefährte, der Bundesliga-Volleyballer Dennis Hefter, tödlich verunglückte, rechneten nicht wenige damit, dass die Leichtathletin erst mal kürzer treten würde. Doch Schäfer kam zurück. Ernsthafter. Nicht mehr so unbekümmert. Aber irgendwie gestärkter. Sie würde ihren Gemütszustand einfach auf die Bahn bringen, sagte sie nach Götzis. Es war das einzige Mal, dass sie sich zu diesem Schicksalsschlag äußerte.

Auf ihrer Facebook-Seite verkündet Schäfer nun, dass die Vorbereitung für Peking sehr gut verlief. Sie wolle bei der WM eine möglichst schöne Kür auf die Bahn bringen. Es gibt wohl niemanden, der ihr das nach diesem bewegten Jahr nicht gönnen würde.

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