Erstes Spiel steigt am Sonntag

DEL-Playoff-Finalserie: Der „Besessene“ fordert den „stillen Don“

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Wer führt sein Team zum Titel: In der Playoff-Finalserie der DEL trifft Don Jackson (l.) mit dem EHC München auf Pavel Gross und die Grizzlys Wolfsburg.

München/ Wolfsburg - Es ist alles angerichtet für die Finalserie in der DEL. Dabei kommt es auf den Trainerbänken zu einem Duell der Gegensätze.

Für Pavel Gross gibt es keine Zweifel. "Er ist der beste Coach der Liga", sagt der Trainer der Grizzlys Wolfsburg vor dem Play-off-Finale über seinen Kontrahenten Don Jackson vom Titelverteidiger Red Bull München. In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sind aber viele anderer Meinung: Für sie ist der Wolfsburger DEL-Dino der wahre Meister seines Fachs.

"Er ist besessen von diesem Sport", charakterisiert Nationaltorwart Felix Brückmann den dienstältesten Trainer der Liga. "Sehr detailverliebt, akribisch, er nimmt sich für die Spieler unheimlich viel Zeit", meint Grizzlys-Sportdirektor Karl-Heinz Fliegauf. In sieben Jahren als Chefcoach hat Taktikfuchs Gross die Niedersachsen mit vergleichsweise bescheidenen finanziellen Mitteln siebenmal in die Play-offs geführt, fünfmal in Folge ins Halbfinale und bereits zum dritten Mal in die Endspielserie, die am Sonntag (16.45 Uhr/Sport1 und Telekom Eishockey) in München beginnt.

München stellt teuerste Mannschaft der Liga

Was dem 48-Jährigen fehlt, hat sein Gegner Jackson zur Genüge: Titel. Sechsmal hat der Amerikaner den DEL-Silberpokal bereits gewonnen, so oft wie kein anderer. Der siebte Streich soll wie im Vorjahr gegen Wolfsburg folgen. Dafür hat der 60-Jährige wieder einmal die teuerste Mannschaft der Liga zur Verfügung - wie schon in seiner Zeit beim Serienmeister Eisbären Berlin.

"Ziel muss immer der erste Platz sein", sagt Jackson gerne und oft. Kein anderer DEL-Trainer formuliert so offensiv seine Saisonerwartungen, niemand erfüllt sie so regelmäßig wie er. Geschätzte 12,5 Millionen Euro lässt sich sein aktueller Arbeitgeber, der zum Imperium des österreichischen Brauseherstellers Dietrich Mateschitz gehört, das Unternehmen Titelverteidigung kosten - mit Garantie. Jackson ist der einzige DEL-Coach in den letzten zehn Jahren, der einen Titelgewinn wiederholte.

Jackson ist kein Freund der lauten Töne

Wie kein Zweiter versteht es der ruhige Amerikaner, aus hervorragenden Einzelspielern ein funktionierendes Ganzes zu machen. Er ist kein Freund der lauten Töne, zumindest nicht öffentlich - dafür schätzen die Spieler den "stillen Don". Umso deutlicher sind seine Ansagen in der Kabine, seine Autorität speist sich auch aus seiner Vergangenheit. Als Verteidiger der Edmonton Oilers gewann er in den 80ern an der Seite von Wayne Gretzky zweimal den Stanley Cup.

Zu Beginn seiner Trainerkarriere war Jackson noch anders. Legendär ist seine Prügelei mit einem Maskottchen, als er 1995 die Cincinnati Cyclones in der unterklassigen IHL coachte. "Sir Slapshot", der Glücksbringer der Atlanta Knights, hatte ihn zur Weißglut getrieben. Jackson kletterte über die zwei Meter hohe Plexiglasscheibe, schlug auf den übergroßen Kopf des Maskottchens ein - und wurde für zehn Spiele gesperrt.

Gross zu Bewährungsstrafe verdonnert

Mit einer Bewährungsstrafe kam dagegen Gross davon, als er im Oktober die DEL-Oberen verärgerte. Der Grizzlys-Coach hatte es gewagt, die neugestaltete Homepage der Liga zu kritisieren - weil er dort nicht die für seine Arbeit notwendigen Statistiken finden konnte.

Mit seiner Meinung hält der gebürtige Tscheche, als Spieler mit Adler Mannheim dreimal deutscher Meister, nicht hinter dem Berg. Auch intern nicht. Immer wieder mahnte er in Wolfsburg professionellere Strukturen an. Trotz schwieriger Bedingungen - und des wegen der VW-Krise auf 7,2 Millionen Euro abgespeckten Budgets - blieb Gross jedoch. Und holte das Maximum raus mit seiner Devise: "Wir sind alle harte Arbeiter."

Vor einem Jahr reichte es nicht zu einem einzigen Sieg in der Finalserie, diesmal will er "eine Schüppe drauflegen. Es sind die letzten zwei Wochen, da müssen wir den Tank richtig leer machen."

sid

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