Kaum Applaus für Präsident Hörmann

DOSB stimmt mit überwältigender Mehrheit für Reform

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Werben für die Spitzensportreform: DOSB-Boss Alfons Hörmann (l.) und Sportminister Thomas de Maiziere.

Magdeburg - Der DOSB hat einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Spitzensportreform getan. Dennoch stellt sich Präsident Alfons Hörmann noch auf viel Arbeit ein.

Mit einem eindrucksvollen Zeichen der Einheit hat der Deutsche Olympische Sportbund die richtungweisende Spitzensportreform auf den Weg gebracht. 433 von 439 DOSB-Delegierten stimmten auf der Mitgliederversammlung in Magdeburg für das lange Zeit umstrittene Konzept, das "Sportdeutschland" wieder in die Weltspitze zurückführen soll. Es gab fünf Enthaltungen und nur eine Gegenstimme durch die Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG). Aufbruchstimmung kam dennoch nicht wirklich auf - was auch an Alfons Hörmann lag.

Der Präsident, im vergangenen Jahr bei der Vollversammlung in Hannover noch stürmisch gefeiert, erhielt für seine wenig überzeugende Rede nur spärlichen Applaus. Nach zahlreichen Unstimmigkeiten in den vergangenen Wochen und einer Schlammschlacht mit dem Tischtennis-Funktionär Thomas Weikert vermied Hörmann ein persönliches Wort des Bedauerns oder eine Entschuldigung. Im Gegenteil forderte Hörmann die Mitglieder auf, "eine Fehlerkultur zuzulassen".

"Ich sage Ihnen zu, dass wir uns des Themas annehmen und uns allen gemeinsam selbstkritisch die Frage stellen: Wie schaffen wir es, Fehler zuzulassen und zu akzeptieren?", fragte Hörmann.

Kontroverse Diskussionen stehen an

Er machte deutlich, dass er Wochen und Monaten mit weiteren, kontroversen Diskussionen entgegenblickt. Auch, weil die Spitzensportreform noch in den Kinderschuhen steckt. "Wir sind an einem Punkt, an dem die Konturen des Konzepts ganz klar sind. Die Leitplanken sind gesetzt. Die Details werden wir im Einzelfall festlegen. Wichtig ist: Wir sind nicht am Ziel angekommen, sondern erst am Start. Jetzt zählt's! Die eigentliche Arbeit, die Umsetzung, geht jetzt los", sagte Hörmann, der "Widerstand und Gegenwind" prognostizierte. Es werde eine Phase kommen, "die nichts mit Schönwettersegeln zu tun hat, wir werden auf rauer See unterwegs sein".

Die Reform war von DOSB und Bundesinnenministerium in zäher, zweijähriger Vorarbeit entwickelt worden. Das Konzept sieht im Grundsatz vor, dass aussichtsreiche Verbände und Disziplinen mehr, eher perspektivlose weniger Geld erhalten.

Einschränkungen im Beschlussvorschlag

Da viele Punkte der Reform im Detail noch ebenso unklar sind wie deren Finanzierung, enthält der Beschlussvorschlag Einschränkungen: Das Konzept mache "zugleich deutlich, dass es einer Fortschreibung der Inhalte sowie einer Weiterentwicklung und Spezifizierung der Maßnahmen bedarf", heißt es in dem Beschluss. 2017 und 2018 sollen "Übergangsjahre" zur Einführung der Reform sein.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière stellte dem Sport dazu mehr Geld in Aussicht. "Wenn das Konzept fertig ist, werde ich mich dafür einsetzen, dass der Sportetat substanziell und dauerhaft erhöht wird, damit die Reform erfolgreich sein wird", sagte de Maizière in einer Videobotschaft. Der Minister ließ sich in Magdeburg von seinem Staatssekretär Hans-Georg Engelke vertreten, weil er bei der Beerdigung des ehemaligen Bundestags-Vizepräsidenten Peter Hintze in Bad Honnef weilte.

"Diese Reform war ein hartes Stück Arbeit. Es hat manchmal geknirscht, aber ich denke, das Ergebnis kann sich sehen lassen", sagte de Maizière. Der CDU-Politiker betonte: "Es geht darum, erfolgreich zu sein, aber fair und sauber."

"Transparenz, keine Willkür"

In der Umsetzung kündigte er "Transparenz, keine Willkür" an. Er hob hervor, dass bei aller Erfolgsorientierung auch Verbände mit wenig Potenzial nicht leer ausgehen sollen: "Wir sind in Gesprächen über eine Basisförderung."

Kritik an dem viel diskutierten Potenzialanalysesystem "PotAs" zerstreute Staatssekretär Engelke: "Es sind immer die Menschen, die die Entscheidungen treffen werden." Das gesamte Fördersystem solle "auf Athleten und Trainer" ausgerichtet werden. Konkrete Zuschusszusagen machten weder de Maizière noch Engelke. "Gebt uns eine berechenbare Grundlage, damit wir das nachvollziehen können. Wir sind dem Steuerzahler verpflichtet", sagte Engelke in Richtung der DOSB-Mitglieder.

sid

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