Fragen und Antworten

Zu Beginn der Vierschanzentournee: Die Adler wecken Hoffnung

Eines der prestigeträchtigsten Ereignisse des Skispringens beginnt heute: die Vierschanzentournee. Bis zum 6. Januar springen die Athleten um Bestweiten und Haltungsnoten. Der Tourneesieger erhält ein Preisgeld von 20 000 Schweizer Franken (rund 18 440 Euro).
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Eines der prestigeträchtigsten Ereignisse des Skispringens beginnt heute: die Vierschanzentournee. Bis zum 6. Januar springen die Athleten um Bestweiten und Haltungsnoten. Der Tourneesieger erhält ein Preisgeld von 20 000 Schweizer Franken (rund 18 440 Euro).

Am heutigen Montag beginnt in Oberstdorf die 69. Vierschanzentournee. Zuschauer dürfen in diesem Jahr nicht dabei sein. Ein Überblick:

Der Höhepunkt in der Skisprung-Saison steht an: die Vierschanzentournee. Seit 1953 findet sie jährlich in Deutschland und Österreich statt. Fragen und Antworten vor dem Auftakt in Oberstdorf:

Inwieweit ist Corona vor der Tournee ein Thema?
Der frisch gekürte Skiflug-Weltmeister Karl Geiger wurde Mitte Dezember bei einem Routine-Test positiv auf das Virus getestet. Der 27-jährige Oberstdorfer erhielt nun von Bundestrainer Stefan Horngacher einen Startplatz. Ob er aber auch schon in seiner Heimat starten kann, bleibt abzuwarten. Ein späterer Einstieg in die Tournee ist möglich. Geiger würde dann zwar nicht mehr um den Tournee-Sieg springen, könnte aber wichtige Weltcup-Punkte sammeln. Auch der beste bulgarische Skispringer, Vladimir Zografski, ist Covid-19-positiv. Seine Teilnahme ist fraglich. Zwischenzeitlich wurde die österreichische Mannschaft durch das Virus gebeutelt. Inzwischen gelten alle Teammitglieder aber als genesen.
Welche deutschen Teilnehmer sind dabei?
Horngacher hat für die Tournee sechs Plätze für den A-Kader und sechs für die nationale Gruppe. Gemeldet wurden Moritz Baer (Gmund-Dürnbach), Markus Eisenbichler (Siegsdorf), Richard Freitag (Aue), Severin Freund (Rastbüchl), Martin Hamann (Aue), Kilian Märkl (Partenkirchen), Pius Paschke (Kiefersfelden), Luca Roth (Meßstetten), David Siegel (Baiersbronn), Constantin Schmid (Oberaudorf), Andreas Wellinger (Ruhpolding) und eben Geiger. Der Willinger Stephan Leyhe verzichtet nach überstandenem Kreuzbandriss in dieser Saison auf einen Weltcup-Start.
Wie steht es um das einstige deutsche Erfolgstrio Wellinger, Freitag und Freund?
Noch vor wenigen Jahren waren Wellinger, Freitag und Freund die Erfolgsgaranten für die deutschen Adler. Inzwischen haben andere ihnen den Rang abgelaufen. Olympiasieger Wellinger und Freitag haben noch keine Weltcup-Punkte auf dem Konto, Freund steht immerhin bei 56.
Was macht den Reiz der Tournee aus?
Anders als bei sonstigen Weltcup-Springen wird der erste Wertungsdurchgang im K.o.-Modus ausgetragen. Die 50 qualifizierten Starter werden in 25 Paare eingeteilt, die gegeneinander antreten müssen.
Wie ist der Zeitplan?
Heute beginnt um 16.30 Uhr die Qualifikation für das Auftaktspringen in Oberstdorf. Der Wettkampf startet am Dienstag um 15 Uhr mit einem Probedurchgang und um 16.30 Uhr mit dem ersten Wertungsdurchgang. In Garmisch-Partenkirchen findet am 1. Januar ab 14 Uhr das Neujahrsspringen statt, für das sich die Athleten tags zuvor ab 14 Uhr qualifizieren. Die Qualifikation (13.30 Uhr) von der Bergisel-Schanze in Innsbruck ist für den 2. Januar angesetzt. Am Sonntag, 3. Januar, springen die Männer ab 13.30 Uhr um den dritten Etappen-Sieg. Das Dreikönigsspringen in Bischofshofen beginnt am 6. Januar um 16.45 Uhr. Die Quali dafür ist tags zuvor zur gleichen Zeit.
Wo wird die Tournee übertragen?
Rund fünf Millionen Zuschauer verfolgen die Tournee durchschnittlich pro Jahr im Fernsehen. Auch in diesem Jahr werden die Wettkämpfe live übertragen. Qualis und Springen des Auftaktwettkampfes in Oberstdorf und des Dreikönigsspringen in Bischofshofen werden jeweils vom Sender ZDF übertragen. Die ARD überträgt Qualis und Wettkämpfe vom Neujahrs- und Bergiselspringen. Auch Eurosport und Dazn zeigen jedes Springen live.
Welchen Einfluss hat Corona?
Wegen der Pandemie sind keine Zuschauer zugelassen. In den vergangenen Jahren kamen bei den Wettbewerben insgesamt rund 100 000 Zuschauer an die vier Schanzen.

Das sind die Topfavoriten

Halvor Egner Granerud, Norweger: Halvor Egner Granerud geht als Topfavorit mit dem gelbem Trikot in die Vierschanzentournee. Der 24-Jährige gewann zuletzt fünf Weltcups in Folge und liegt mit 600 Punkten in der Gesamtwertung vorn. Er ist der erste Norweger, der fünfmal hintereinander bei Weltcups triumphierte. Dabei war er vor dieser Saison nur eingefleischten Skisprung-Fans ein Begriff. Sein Debüt gab der Osloer schon 2015 bei einem Weltcup. Er wurde damals zusammen mit zwei seiner Landsleute wegen eines illegalen Anzugs disqualifiziert.

Dawid Kubacki, Pole: Den Titelverteidiger Dawid Kubacki sollte man auf der Liste haben – obwohl der 30-Jährige zuletzt nicht seine Top-Leistungen abrufen konnte. Aktuell ist der Pole mit 395 Punkten Rückstand nur Weltcup-Siebter und konnte bisher auch nur zwei dritte Plätze einfahren. Im August gewann er aber die beiden einzigen Grand-Prix-Springen und sicherte sich somit auch den Sieg in der Gesamtwertung. Bei den nordischen Ski-Weltmeisterschaften 2019 in Seefeld wurde Kubacki Weltmeister von der Normalschanze.

Ryoyu Kobayashi, Japaner: In der Saison 2018/2019 gewann Ryoyu Kobayashi alle vier Springen der Vierschanzentournee. Das gelang vor ihm nur Sven Hannawald (2001/2002) und dem Polen Kamil Stoch (2017/2018). Mit seinen Siegen in der Saison wurde Kobayashi der erste Nicht-Europäer, der die Gesamtwertung der Weltcups gewann. Der 24-Jährige kommt aus einer Skisprung-Familie. Sowohl seine beiden älteren Geschwister als auch sein jüngerer Bruder sind in dem Sport aktiv. Bisweilen geriet er in seiner Heimat wegen seines emotionalen Jubels in die Kritik.

Markus Eisenbichler, Deutscher: Der Dauerkonkurrent von Halvor Egner Granerud lag beim letzten Weltcup nur knapp hinter dem Norweger. Markus Eisenbichler ist auch in der Gesamtwertung der Weltcups auf Rang zwei hinter Granerud (463 Punkte). Zwei Weltcup-Siege gehen in dieser Saison auf das Konto des 29 Jahre alten Bayers. Skisprung-Olympiasieger Martin Schmitt, inzwischen TV-Experte, traut Eisenbichler den Tournee-Sieg zu. In der Saison 2018/2019 stand er hinter dem Sieger Ryoyu Kobayashi auf dem Treppchen. Seine Chancen sind dieses Jahr also sehr gut.

Stefan Kraft, Österreicher: Erst fiel Stefan Kraft Ende November wegen einer Corona-Erkrankung aus, dann plagten ihn Rückenschmerzen. Zur Skiflug-WM startete das österreichische Team um Trainer Andreas Widhölzl ohne den 27-Jährigen. Auch die Generalprobe der Vierschanzentournee – der Weltcup im schweizerischen Engelberg – verpasste er wegen Rückenproblemen. Deswegen geht er ohne Weltcup-Punkte in die Vierschanzentournee. Dennoch sollte man die Rechnung nicht ohne den zweimaligen Gesamt-Weltcup-Sieger (2016/2017 und 2019/2020) machen.

Von Sandra Böhm

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