Die Geschichte des FC Büsingen

FC Büsingen: Dieser Ort beschäftigt die Fifa

+
Blick auf die Bergkirche St. Michael: Büsingen gehört zu Deutschland, ist aber nur über die Schweiz zu erreichen.

Kassel. Wenn das gebeutelte Exekutivkomitee des Fußball-Weltverbandes Fifa Anfang Dezember in Zürich zusammenkommt, dann geht es nicht nur um die Aufarbeitung von Skandalen, um mögliche Reformen und um die Weltmeisterschaften 2018 und 2022.

Nein, es wird dann auch um den FC Büsingen gehen, um das Kleine im Großen.

Der Fussballclub Büsingen. Gegründet 1924, 240 Mitglieder, die erste Mannschaft spielt in der vierten Liga. Das klingt sehr normal, aber es gibt ein Problem: Der FC ist als deutscher Fußballverein dem schweizerischen Fußballverband angeschlossen, was mit der Besonderheit Büsingens zu tun hat – einem deutschen Ort am Hochrhein im Landkreis Konstanz, der nur über die Schweiz zu erreichen ist.

Elias Meier

Nun aber will der örtliche FC auch zum Deutschen Fußball-Bund zählen – doppelte Verbandsangehörigkeit quasi. Die Fifa soll das Ansinnen absegnen. Büsingen blickt daher gebannt nach Zürich. Vereinsvorsitzender Elias Meier sagt, warum: „Es geht um Zuschüsse. Aus der Schweiz bekommen wir kaum etwas, weil wir ein Verein in Deutschland sind. Und aus Deutschland bekommen wir nichts, weil wir Mitglied im Schweizerischen Fußball-Verband sind.“ Es ist verzwickt.

Dabei ist der Klub dringend angewiesen auf Unterstützung von außen. Der Bau eines Vereinsheimes ist geplant, auch ein Kunstrasenplatz soll entstehen. Der Verein aber benötigt Geld, damit sich die Zustände ändern: „Derzeit müssen die Spieler zum Platz noch durchs halbe Dorf fahren, nachdem sie sich umgezogen haben“, erzählt Meier, der mit 27 Jahren auch in der ersten Mannschaft spielt.

Meier sagt, der Südbadische Fußball-Verband habe bereits zugestimmt, der Deutsche Fußball-Bund auch, die Europäische Fußball-Union ebenso – jetzt fehle nur noch das Okay der Fifa für die Aufnahme im DFB. Dann könnte der FC Büsingen ein wenig sorgenfreier in die Zukunft schauen.

So oder so bleibt er ein außergewöhnlicher Fußballklub in einer außergewöhnlichen Gemeinde, die nicht nur 1300 Einwohner hat, sondern auch zwei Postleitzahlen und zwei Telefonzellen direkt nebeneinander: eine deutsche und eine schweizerische.

Wie sich Büsinger fühlen

Die Büsinger führen ein Leben im Dazwischen, wie Meier sagt. Oft kommt ein Elternteil aus Deutschland und eines aus der Schweiz. Für viele sei die Existenz in der Exklave nicht einfach: Sie müssen Steuern nach deutschem Recht abführen und zugleich die höheren Lebenshaltungskosten der Schweiz aushalten. Viele würden daher in die Nähe ziehen – und das bedeutet: in die Schweiz. Sie blieben dann aber in Büsinger Vereinen aktiv.

Auch Elias Meier kommt aus Schaffhausen, aus der Schweiz. Eine letzte Frage an ihn: Fühlen sich die Büsinger eigentlich eher als Deutsche oder eher als Schweizer? Meier überlegt nicht lange, er sagt: „Die Büsinger fühlen sich als Büsinger.“

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.