Eine Mutter will die Spiele abschaffen – und tritt eine hitzige Debatte los

Diskussion um die Bundesjugendspiele: Auf die Plätze, fertig – stopp!

Rund fünf Millionen Schüler rennen, turnen und schwitzen jedes Jahr bei den Bundesjugendspielen. Die Sportlichen heimsen Ehren- oder Siegerurkunden ein. Für die weniger Begabten gibt es eine Teilnahme-Urkunde als Trostpreis.

„Heulender Sohn kommt mit Teilnehmerurkunde von den Bundesjugendspielen heim. Erwäge Petition zur Abschaffung selbiger. Ernsthaft“ twitterte Christine Finke, alleinerziehende Mutter von drei Kindern – und entfachte damit eine heftige Debatte, in der sich die Hasser des Spektakels ebenso outen wie Verfechter des Wettbewerbs-Gedankens. Für die einen sind die Bundesjugendspiele eine fröhliche Auszeit vom Unterricht, andere erinnern sich an sportliche Desaster vor den Augen aller Mitschüler.

Ihre Petition „Bundesjugendspiele abschaffen“ hat Finke vor einer Woche auf dem Onlineportal change.org gestartet. Bis gestern Nachmittag unterschrieben bereits 14 000 Unterstützer die Forderung an Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD). „Ich bin sehr überrascht, das scheint ein Riesenthema zu sein“, kommentiert die 49-Jährige die breite Resonanz.

Gegen Bundesjugenspiele: Christine Finke Foto: nh

Die Petition hat Kampagnencharakter, zum Handeln kann sie die Ministerin nicht zwingen. Ein Aus für die Bundesjugendspiele erwartet Finke, die als Journalistin für Online- und Printmedien arbeitet und im Konstanzer Stadtrat sitzt, eher nicht. Doch „wenn dabei herauskommt, dass die Sache freiwillig ist, wäre das schon ein Super-Erfolg.“

Die Bundesjugendspiele in ihrer jetzigen Form demotivierten die Schüler und setzten sie unter sozialen Druck, schreibt Finke in ihrer Petition. Ein Wettkampf, bei dem Einzelne schon vorher wissen, dass sie chancenlos sind, sei sinnlos und unfair. Doch „wenn wir wollen, dass die Kinder gesund sind und sich bewegen, funktioniert das nur über Freude am Sport“, sagte sie gegenüber dieser Zeitung.

Die Kultusministerkonferenz hat die Bundesjugendspiele 1979 für allgemein bildende Schulen zur Pflicht gemacht. Zu seinem 50-jährigen Bestehen 2001 wurde das Sportspektakel aufpoliert: Seitdem können die Schulen neben Leichtathletik – Laufen, Werfen und Springen – auch Geräteturnen und Schwimmen wählen. Zum Wettkampf kamen die eher spielerische Art des Wettbewerbs und der vielseitigere Mehrkampf hinzu. Das spreche dafür, dass wirklich alle Schüler und Schülerinnen Spaß an den Spielen haben könnten, sagt ein Sprecher der Kultusministerkonferenz. Ein Klassiker ist den Spielen auch nach dem Facelifting geblieben: Auf den Ehrenurkunden prangt die gedruckte Unterschrift des Bundespräsidenten.

Christine Finke hat die Papiertrophäes nie errungen: „Ich war jedes Jahr die schlechteste. Aber ich hatte mich daran gewöhnt.“

Interviews mit Petitions-Initiatorin Christine Finke und mit Peter Lautenbach von der Deutschen Sportjugend hören Sie hier.

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