Alwin Wagner will mit deutlichen Worten aufklären

Melsunger Diskuswerfer geht offen mit Dopingvergangenheit um

Deutliche Worte: Der Nordhesse Alwin Wagner ist in Sachen Doping derzeit wieder ein gefragter Mann. Foto:  Lipke

Doping ist in diesen Tagen wieder ein großes Thema. Auch im Fußball soll systematisch gedopt worden sein. Wer schon seit Jahrzehnten auf die Problematik aufmerksam macht, ist Alwin Wagner aus Melsungen.

Weil der ehemalige Top-Diskuswerfer offen zu seiner Dopingvergangenheit steht, ist er derzeit ein gefragter Mann.

Die Vergangenheit ruht nicht für Alwin Wagner, schon gar nicht in diesen Tagen. Der ehemalige Top-Diskuswerfer aus dem nordhessischen Melsungen macht keinen Hehl daraus, dass er in den 70er- und 80er-Jahren mit verbotenen Substanzen nachhalf. Der 64-Jährige nimmt kein Blatt vor den Mund und stellt das komplette damalige Sportsystem im Westen an den Pranger – und damit auch Mediziner der Freiburger Uniklinik. Jene Einrichtung, deren Treiben von einer unabhängigen Kommission derzeit aufgearbeitet wird.

Durch seine offenen Worte weckte Wagner das Interesse überregionaler Medien. Auslöser war ein Interview im Südwestrundfunk (SWR) vor gut zwei Wochen. „Ein Redakteur meldete sich, weil er wusste, dass ich die Dinge beim Namen nenne“, erklärt der Hüne, der früher mehrfach beim umstrittenen Sportmediziner Armin Klümper im Wartezimmer saß. „Ich wusste nicht, was er spritzt. Wir nannten es nur Klümper-Cocktail.“ In der Freiburger Praxis hätte er damals alles gesehen, was Rang und Namen im Sport hatte, sagt Wagner. Über den aktuellen Verdacht gegen Fußball-Bundesligisten kann er daher nur schmunzeln – nach dem Motto: Wusste ich doch schon lange.

Nach dem Interview im SWR war er ein gefragter Mann. Bild-Zeitung, Süddeutsche Zeitung, HR, Rheinische Post und, und, und – Wagners Telefon stand nicht still. Sich selbst sieht der mehrfache Deutsche Meister als Mahner. Wagner will aufklären. „Mir geht es darum, junge Sportler zu warnen vor gesundheitlichen Risiken des Dopings.“

Er weiß, wovon er spricht. Der ehemalige Leichtathlet kämpft gegen Blasenkrebs. Ein Hirntumor wurde vor Jahren erfolgreich behandelt. Obwohl keine Zusammenhänge nachgewiesen werden können, führt er seine Erkrankung auf den Dopingmissbrauch zurück. Zumal viele Weggefährten seiner Diskus-Clique ebenfalls an Krebs erkrankten. Manche sind bereits tot. „Jeder nahm etwas, jeder bekam etwas angeboten. Wer ablehnte, war raus“, sagt Wagner. Er meint damit die Athleten aus dem Wurfbereich.

Als erster und bis heute einziger aktiver Sportler ging Wagner Anfang der 80er-Jahre an die Öffentlichkeit. Als Folge startete eine „Hexenverfolgung. Nicht gegen das System, sondern gegen mich“, sagt er. Wagner war der Nestbeschmutzer, sogenannte Freunde wendeten sich ab, er wurde als Lügner abgestempelt. Es sei eine schwierige Zeit gewesen, „aber ich stand drüber“. Und er rebellierte trotzdem. Schrieb Briefe an Verbände. Ohne Erfolg.

Groll empfindet Wagner heute nicht. Weder gegen seinen Trainer Karlheinz Steinmetz noch gegen Klümper, „den Guru, den Trainer im weißen Kittel“. Wagner wünscht sich klare Aussagen der Beteiligten. Ein Ende der Scheinheiligkeit. Für seine Offenheit im SWR bekam er positive Rückmeldungen via Facebook. Eine Bestätigung für Wagner, auch in Zukunft zu mahnen und zu warnen.

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