Noch nie so wenig Punkte 

Ein Super Bowl zum Abgewöhnen: Augen zu und durch

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Eigentlich gar nicht zum Heulen: Julian Edelman (links) und Tom Brady von den New England Patriots waren die Gesichter des Erfolgs beim Sieg im Super Bowl 53 gegen die Los Angeles Rams. 

Zeitweise kommt das Gefühl auf, US-Amerikaner können nicht ohne Superlativ. Alles muss größer, besser, anders werden. Beim Super Bowl am Sonntag war es dieses Jahr anders.

In den vergangenen drei Jahren standen stets die New England Patriots im Super Bowl. Zweimal gewannen sie die Vince-Lombardi-Trophy, den Pokal, den es für einem Sieg im Endspiel gibt. Vor zwei Jahren legte das Team um Star-Quarterback Tom Brady die größte Aufholjagd der Geschichte hin. 2018 dann die dramatische Niederlage gegen Philadelphia um Vertretungs-Quarterback Nick Foles. Nun also der 13:3-Sieg gegen die Los Angeles Rams. Es war der Super Bowl mit den wenigsten Punkten, die jemals erzielt wurden.

16 Zähler insgesamt, zur Pause stand es gerade einmal 3:0 für das Team aus Foxborough im Bundesstaat Massachusetts. Bislang war der Super Bowl 1973 zwischen den Miami Dolphins und den Washington Redskins der punktärmste gewesen (14:7). Dieser Superlativ wurde nun abgelöst.

Doch woran lag es? Zum einen hatten beide Quarterbacks keinen guten Tag. Auch der große Brady nicht, der nun sechsmal diesen prestigeträchtigen Titel mit seinen Patriots gewonnen hat. Das Team schloss zu Rekordsieger Pittsburgh auf. Noch ein Superlativ. Doch vor allem Jared Goff, 24 Jahre alt und von den Rams, war der Situation offensichtlich nicht gewachsen.

Und dann kam die Defense dazu. Besonders bitter für das Team aus Kalifornien, denn die eigene legte ein starkes Spiel hin – es nützte nur nichts, weil die Offense um Goff rein gar nichts zustande brachte. Goffs Pässe eierten durch die Luft und erinnerten dabei an die des alternden Superstars Peyton Manning. Nur ärgerten den damals die Nerven im Rücken. Goff scheiterte an seiner Nervenschwäche.

So wurde dieses riesige Spektakel zu einem schläfrigen Gedöse. Der erste Touchdown fiel im vierten Viertel – so spät wie noch nie. Endlich wieder ein Superlativ. Das Einzige, was an diesem Abend neben der Verteidigung wirklich funktionierte, war in der Offensive das Zusammenspiel zwischen Brady und seinem Passempfänger Julian Edelman. Die Saison von Edelman begann mit einer Dopingsperre und endete mit der Auszeichnung zum wichtigsten Spieler des Finals. Der 32-Jährige fing zehn Zuspiele und sorgte für einen Raumgewinn von 141 Yards. Keiner hatte am Ende mehr.

Dieses Video ist ein Inhalt der Videoplattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Und keiner konnte da so wirklich mithalten. Aus diesen Gründen wurde der Super Bowl 53 in Atlanta zu einem für die Football-Fachleute. Ex-Profi Björn Werner, der für Pro Sieben als Experte tätig war, hatte an der Abwehrschlacht seine helle Freude.

Doch wer den Sport sonst selteneverfolgt und nur für den Super Bowl die Nacht zum Tag macht, für den war es schwere Kost. Augen zu und durch. Bei manchen blieben sie sicher schon früh einfach geschlossen. Daran konnte auch der eine oder andere Superlativ nichts ändern.

Bestmarken in der Geschichte des Super Bowls

Die wenigsten Punkte, der späteste Touchdown: Der Super Bowl 53 hat neue Bestmarken gesetzt – wenn auch eher negative. Wir blicken auf weitere Superlative.

  • Sechs Touchdown-Pässe warf Quarterback Steve Young 1995 für seine San Francisco 49ers beim 49:26-Sieg gegen San Diego. Niemand schaffte mehr. 
  • Im vergangenen Jahr warf Tom Brady gegen Philadelphia Pässe für 505 Yards Raumgewinn. Gewonnen haben die Patriots nicht. 
  • Patriots-Coach Bill Belichick gewann sechs Super Bowls mit den Patriots und zwei als Assistenz-Trainer mit den New York Giants. 
  • Der 55:10-Erfolg von San Francisco gegen Denver 1990 war der höchste jemals in einem Super Bowl. 
  • Der 20:19-Sieg von den Giants gegen die Buffalo Bills 1991 war der knappste in der Geschichte.

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