Mehrfacher Boxweltmeister im Schwergewicht kündigt Rücktritt an

Wladimir Klitschko tritt ab: Ende einer grandiosen Karriere

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Volltreffer: Wladimir Klitschko (rechts) holt sich im Oktober 2000 erstmals den Weltmeistertitel im Schwergewicht. Sein Gegner ist Titelverteidiger Chris Byrd (USA).

Kassel. Er sagt, er habe auf sein Bauchgefühl gehört. Wladimir Klitschko, der mit Unterbrechungen 15 Jahre (2000 bis 2015) in mehreren Boxverbänden Weltmeister im Schwergewicht war, hat seine grandiose Karriere gestern für beendet erklärt.

Wladimir Klitschko hatte in seinem Bauch das Gefühl, dass es besser ist, die zweite Lebenshälfte reich und gesund zu verbringen als superreich und krank.

Klitschko ist 41 und damit nicht mehr jung genug, um sich im Boxring zu prügeln. Thomas Pütz, der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, hat Klitschko im Überschwang der Gefühle auf eine Stufe mit Muhammad Ali gestellt. Das ist eine Übertreibung, aber es ist denkbar, dass Wladimir Klitschko bei seiner Entscheidung auch an Ali gedacht hat, der es versäumte, seine Karriere rechtzeitig zu beenden. Wladimir Klitschko in drei Kapiteln.

Das Privatleben

Vermutlich gibt es nicht wenige Menschen, die die Klitschko-Brüder für deutsche Staatsbürger halten, aber Vitali und Wladimir, die in der Sowjetunion geboren wurden, sind seit 1991 Ukrainer. Unbeständig ist Wladimir Klitschko dagegen, wenn es um Frauen geht.

Mit 41 ist Schluss: Wladimir Klitschko boxt nicht mehr.

Mit der Ukrainerin Alexandra war er nur zwei Jahre verheiratet (1996 - 1998), andere Beziehungen waren noch viel schneller beendet. Von Januar 2010 bis Mai 2011 war der Boxer mit der US-amerikanischen Schauspielerin Hayden Panettiere liiert. Nun aber spricht viel für ein Happy End, denn seit 2013 sind die beiden wieder ein Paar und haben eine gemeinsame dreijährige Tochter.

Der Akademiker

Es gibt Boxer, denen man eine wissenschaftliche Laufbahn nicht so ohne Weiteres zutraut. Aber Wladimir Klitschko hat in der Ukraine Sportwissenschaften und Philosophie studiert und 2001 mit dem Thema „Pädagogische Kontrolle im Sport“ promoviert. Sportjournalisten haben sofort die Verbindung zum Boxen hergestellt und den promovierten Schwergewichtler „Dr. Steelhammer“ genannt. Übrigens: Bruder Vitali - ebenfalls Weltmeister im Schwergewicht und promovierter Sportwissenschaftler - trug den Beinamen „Dr. Faust“. Vitali Klitschko ist derzeit Bürgermeister von Kiew.

Seinen ersten spektakulären Erfolg feierte Wladimir Klitschko 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta, wo er sich die Goldmedaille im Schwergewicht holte, die ihm die anschließende Profi-Karriere ebnete. Die hatte im Jahr 2000 ihren ersten Höhepunkt, denn der damals 24-Jährige besiegte in Köln den Titelverteidiger Chris Byrd aus den USA nach Punkten und war damit Weltmeister des Verbandes WBO (World Boxing Organization). Drei Jahre später war Klitschko seinen Titel zwar wieder los, aber es ist das Merkmal der ganz großen Boxer, dass sie wieder zurückkommen. „They will never come back“ gilt zwar längst nicht mehr, aber es zählt zu Klitschkos größten Leistungen, dass er sich den Titel 2006 in Mannheim zurückholte. Und wieder hieß der Gegner Chris Byrd.

Alle Titel für die Klitschkos: 2011 war das beste Jahr für Vitali und Wladimir (rechts).

Das Jahr 2011 aber war das Jahr der Klitschkos. Titelvereinigungskampf hieß der Fight gegen den Briten David Haye, den Wladimir Klitschko in Hamburg nach Punkten gewann. Nun war er Champion der WBO, der IFB (International Boxing Federation) und der WBA (World Boxing Association), während sich sein Bruder Vitali WBC-Champion (World Boxing Council) nennen durfte.

Erst seit 2015 taucht in den Listen der Box-Weltmeister der Name Klitschko nicht mehr auf.

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