Im Tor zu ähnliche Spielertypen

Europameisterschaft: Deutsche Handballer bauen auf starke Abwehr

Hat die personellen Problemen gut in den Griff bekommen: Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Foto: Fischer

Kassel. Das Duell Deutschland gegen Slowenien beschäftigt seit Wochen viele Sportfans – sofern sie Anhänger des Skispringens sind: Mal gewinnt Severin Freund, meist Peter Prevc. Bei der Handball-Europameisterschaft in Polen wird es dieses Kräftemessen auch geben.

Und dem Aufeinandertreffen in der Vorrunde zwischen der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) und den Slowenen kommt gehörige Bedeutung zu.

„Die Mannschaften sind in unserer Gruppe C vom Niveau her ähnlich“, sagt Neu-Kapitän Steffen Weinhold, „die Spanier sind wahrscheinlich etwas drüber. Aber es werden immer Kleinigkeiten entscheiden.“ Gegen Spanien muss das DHB-Team am Samstag ab 18.15 Uhr (live im ZDF) in der Halle am Spielort in Breslau ran. Die Entscheidung über den Einzug in die Hauptrunde fällt in den Begegnungen mit Schweden (Montag, 18. Januar, 20.30 Uhr, ARD) und eben jenen Slowenen (Mittwoch, 20. Januar, 17.15 Uhr, ZDF). Was für und gegen ein erfolgreiches Abschneiden der Schützlinge von Bundestrainer Dagur Sigurdsson spricht:

DIE STÄRKEN

Die Unberechenbarkeit: Im deutschen Kader tauchen Namen auf, die die meisten Menschen bei einer Befragung in der Fußgängerzone nicht annähernd dieser Sportart zuordnen würden – falls es nicht gerade die Innenstädte von Wetzlar, Lübbecke und Gummersbach sind. Doch auch Spieler wie Jannik Kohlbacher, Niclas Pieczkowski und Julius Kühn besitzen die nötige Klasse für ein solches Turnier.

Die Variabilität: Sigurdsson muss einige verletzungsbedingte Ausfälle verkraften: Abwehrchef Patrick Wiencek fehlt, Spielführer Uwe Gensheimer fehlt, dazu die Außen Patrick Groetzki und Michael Allendorf sowie Rückraummann Paul Drux. Aber dem Isländer ist es gelungen, diese Probleme in den Griff zu bekommen. „Wir haben viele Möglichkeiten“, stellt Sigurdsson erfreut fest. Beispielsweise können zwei Linkshänder im Rückraum agieren: Steffen Weinhold auf der Mitte, Fabian Wiede oder Kai Häfner auf Halbrechts.

Das Bollwerk: Deutschland hat zwei Deckungssysteme im Repertoire: eine 6:0- und eine 5:1-Abwehr. Beide Formationen zeichnen sich durch große Stabilität aus. Dafür sorgen vor allem drei Spieler, von denen keiner älter als 24 ist: Hendrik Pekeler, Finn Lemke und Erik Schmidt.

Der Superschütze: Manchmal wirft Christian Dissinger auch in die zweite Etage. Aber zurzeit schlagen seine Bälle im Regelfall unhaltbar in den Ecken der gegnerischen Gehäuse ein. Der 24 Jahre alte Kieler könnte zu einem Topspieler dieses Turniers werden. Da er zudem durch den ebenfalls wurfgewaltigen Nebenmann Steffen Fäth entlastet wird, werden sich die Kontrahenten hüten, ihn kurz zu decken.

DIE SCHWÄCHEN

Die Unerfahrenheit: Für viele Akteure in der DHB-Auswahl ist es das erste große Turnier ihrer Karriere. Sie sind zwar aus der Bundesliga große körperliche Anstrengungen gewohnt, aber die psychische Belastung ist bei einer EM noch mal eine andere. So viele Interviews wie in den diesen Tagen geben einige Handballer sonst nicht in einer ganzen Saison.

Die Torwartposition: Nicht, dass man es falsch versteht: Genauso wie es Routinier Carsten Lichtlein, der in der Vergangenheit bei Europa- und Weltmeisterschaften wiederholt nur zuschauen durfte, verdient hat, als Nummer eins nominiert zu werden, hat es sich der Wetzlarer Andreas Wolff verdient, seine EM-Premiere zu feiern. Allerdings sind sich die beiden Schlussleute sehr ähnlich. Der Berliner Silvio Heinevetter – vor dem die Schützen der Gegner ohnehin viel Respekt haben – hätte durch seine eher unorthodoxe Spielweise punktuell einiges bewegen können.

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