Ski-WM in Lahti

Der "ewige Hermann": Weltmeister-Macher Weinbuch weint wieder Gold-Tränen

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Der Trainer der deutschen Kombinierer Hermann Weinbuch im Sessellift auf dem Weg zum Training auf der Normalschanze.

Lahti - Hermann Weinbuch ist der Meistermacher der deutschen Kombinierer - und das schon seit 1996. Genug hat der 56-Jährige noch lange nicht.

Und wieder kullerten die Tränen: Hermann Weinbuch stand mit nassen Augen im Schnee und betrachtete die Jubeltraube seiner Jungs nach dem Staffeltriumph von Lahti. Der grandiose WM-Erfolg der deutschen Kombinierer lässt sich vor allem am Gesicht ihres Bundestrainers messen - einen halben Kaffeebecher salziger Freude dürfte Weinbuch schon zusammengeweint haben. 

"Das ist alles so emotional", sagte der Meistermacher, ohne den die Karrieren von Johannes Rydzek und Eric Frenzel nicht denkbar wären. "Hermann hat einen unglaublich großen Anteil, er ist der Grundstein unseres Erfolgs" sagte Rydzek, in Lahti mit Gold aus Einzel und Staffel dekoriert, dem SID: "Er hat über Jahre die Strukturen geschaffen, um die Kombination so lange erfolgreich zu machen." In Lahti winkt ein Erfolgsergebnis für die Ewigkeit: Im Einzel-Wettbewerb am Mittwoch und im Teamsprint am Freitag wäre alles andere als ein deutscher Sieg eine mittlere Sensation, viermal Gold in vier Wettbewerben hat noch keine Kombi-Nation geschafft. "Es läuft besser, als wir uns das in unseren kühnsten Träumen vorgestellt hätten", sagte der 56-Jährige Weinbuch dem SID. 

Die Konstante: Weinbuch

Seit 21 Jahren ist Weinbuch im Amt, mittlerweile gehört der charismatische Oberbayer zur Riege der "ewigen" Bundestrainer, die Ikonen wie Sepp Herberger, Fecht-Gründervater Emil Beck oder Ruderprofessor Karl Adam bilden. Saison für Saison schafft es Weinbuch dabei, die Erfolge eines Vorjahres noch einmal zu überbieten. Rydzeks Einzel-Titel und der triumphale Sieg im Team waren das elfte und zwölfte große Gold - bei insgesamt 40 Medaillen - in der Ära Weinbuchs, der die deutsche Kombination 1996 in Trümmern liegend übernommen und zurück an die Weltspitze geführt hatte. Weinbuchs sportliche Karriere war kurz, dafür umso erfolgreicher. 1985 wurde er in Seefeld Doppel-Weltmeister, 1987 holte er in Oberstdorf Team-Gold, trat danach mit 27 Jahren zurück. Ohne Weinbuch wurde das DSV-Team 1988 in Calgary zwar Olympiasieger, der folgende Niedergang aber war dramatisch. Bei den sechs Weltmeisterschaften von 1989 bis 1999 holte Deutschland eine einzige Bronzemedaille. 

Weinbuch war als Sportler aber auch ein schwieriger Typ, eigenwillig, kantig, aufbrausend. Dass er damit der richtige Chefcoach sein könnte, schien dem Verband unwahrscheinlich - dementsprechend zog sich die Berufung des einstigen Top-Athleten, die letztlich zum unwahrscheinlichen Glücksfall werden sollte. Weinbuch krempelte den Laden komplett um. Knapp fünf Jahre brauchte es, bis die Reformen fruchteten, dann schossen die Erfolge durch die Decke. 2001 wurde Marko Baacke Weltmeister, seitdem holten die DSV-Kombinierer bei jedem Großereignis Medaillen. 

Ein Ende der Ära Weinbuch war in Sicht, ist nun aber wieder in weite Ferne gerückt. Eigentlich hatte er nach Olympia 2014 aufhören, mehr Zeit mit der Familie verbringen und seine Aufgaben in die fähigen Hände seines Assistenten Ronny Ackermann legen wollen. Nun muss gar Olympia 2018 nicht das Ende sein. "Wenn die noch Spaß mit mir haben, kann ich mir vorstellen, das eine oder andere Jahr dranzuhängen", sagt Weinbuch. Der DSV sollte über die Anschaffung eines Träneneimers für den Chef nachdenken.

sid

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