Als die Fans noch Pampers trugen: 20 Jahre Weltcup in Willingen

Sorgten für einen regelrechten Skisprung-Boom: Martin Schmitt (rechts) und sein Teamkollege Sven Hannawald. Foto: dpa

Willingen. 20 Jahre gibt es das Skispringen jetzt schon an der Mühlenkopfschanze in Willingen. Mit Blick auf den kommenden Weltcup haben wir Interessantes aus den zwei Jahrzehnten herausgesucht:

Der Boom

Wo immer damals Sven Hannawald und Martin Schmitt ins Tal segelten, zog es vor allem junge Mädchen an die Schanzen. So natürlich auch in Willingen - vor allem von 2000 bis 2003, als das Stadion noch ausverkauft war und 90 000 Fans ins Stryck pilgerten. Um sechs Uhr morgens standen die ersten im Auslauf. Im Dunkeln, viele Stunden vor Wettkampfbeginn - Hauptsache, ein Platz in der ersten Reihe war gesichert, um von den bewunderten Idolen ein Autogramm zu erhaschen.

Um nicht den in den frühen Morgenstunden ergatterten Platz aufgeben zu müssen, hatten diese Fans ein Geheimrezept: Pampers. Nichts konnte sie damit von ihrem Platz verdrängen. Und wer nicht so früh aus den Federn kam, hielt wenigstens Transparente in die Kameras. Teenager flehten: „Hanni, ich will ein Kind von dir“, und deren Mütter standen ihnen in nichts nach: „Martin, lass’ mich deine Schwiegermutter sein“ oder „Martin, die zarteste Versuchung seit es Skispringer gibt“.

Hannawald war es auch, der 2002 für den ersten deutschen Sieg in Willingen sorgte, das Publikum bebte. Auch 2003 stand der gebürtige Sachse wieder ganz oben auf dem Podest und erreichte sogar die höchste Punktzahl eines Springers in Willingen - 328,2 Zähler. Schmitt hingegen gewann im Upland nie. Er gab dort aber 2014 seinen Rücktritt vom Skispringen bekannt. (frg)

Die Schanze

Die Mühlenkopfschanze stammt in ihrer heutigen Form aus dem Jahr 2000. Allerdings entstand schon 1925 die erste Schanze am Osthang des Mühlenkopfs, die in den folgenden Jahren immer weiter umgebaut wurde. 1983 wurde sie modernisiert. 17 Jahre später, im Jahr 2000, starteten dann die großen Umbauarbeiten: Der alte Anlaufturm wurde abgerissen, und es entstand ein neuer mit Glaskuppel. Außerdem musste auch die kleine Schanze abgerissen werden, weil sie sonst den Umbau der größten Großschanze der Welt behindert hätte. (frg)

Der erste Sieger

Den Sieg bei der Willinger Premiere 1995 sicherte sich der Österreicher Andreas Goldberger. Der pausbäckige Publikumsliebling erreichte mit 125 und 126,5 Metern in beiden Durchgängen Bestweite. „Schon kurz nach dem Absprung im zweiten Versuch wusste ich, dass es für den Tagessieg reicht“, sagte der damals 22-jährige „Goldi“. (frg)

Der Rekord

Der Finne Janne Ahonen stellt 2005 den Schanzenrekord auf: Nach Durchgang eins noch auf Rang sechs zieht der 27-Jährige mit 152 Metern an allen vorbei. Da die Videomessung nur bis auf 150 Meter reicht, sind die Weitenmesser gefragt. Doch keiner ist zur Stelle. „Niemand hatte damit gerechnet, dass es so weit gehen könnte. Der unterste Messer stand bei 150 Metern. Der musste schnell zwei Stufen tiefer klettern, um die Weite anzuzeigen“, sagt Volker Leyhe, einer der 50 Weitenmesser am Mühlenkopf. (frg)

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