Fitnessaktion 06:30 ist zurück in der City-Squash-Halle Kassel

Aufwärmen muss sein: Trainer Christian Tripp bereitet seine Frühsportler auf 30 Minuten Intervalltraining vor. Foto: Mona Linke

Kassel. Frühes Aufstehen tut gut, heißt es immer wieder. Aber gilt das auch für einen nasskalten Novembermorgen? Allem Anschein nach ja.

Denn von den Frühsportlern, die sich an diesem Dienstagmorgen um 6.30 Uhr zum Trainieren in der Kasseler City-Squash-Halle versammelt haben, scheint es niemand zu bereuen, vor Sonnenaufgang das Bett verlassen zu haben. Was bei Minus zwei Grad und Schneeregen erstaunlich ist. Umso besser, dass das Training drinnen stattfindet. Und spätestens dann, wenn Trainer Christian Tripps impulsive Stimme über das Squash-Feld hallt und die Matten ausgerollt sind, muss sich auch der letzte Morgenmuffel damit abfinden, dass es jetzt kein Zurück mehr gibt.

„Das ist einfach ein tolles Gefühl“, sagt Lothar Schneider. Der 61-Jährige ist heute zum dritten Mal bei der Frühsportaktion dabei. Und „total begeistert“, wie er sagt. „Ich kann hier duschen und direkt zur Arbeit fahren.“

Ein Freund des frühen Aufstehens ist hier aber noch lange nicht jeder: „Ich freue mich, wenn ich es um halb sechs geschafft habe aufzustehen“, sagt Stefan Diegler. Früher habe er sich so etwas nicht getraut, Sport in der Gruppe, vor anderen. Aus Angst zu versagen. Heute sei das anders: „Wenn mir eine Übung zu anstrengend ist, schalte ich einfach einen Gang runter“, erklärt der 55-Jährige. Und das ist richtig so. „Jeder, wie er kann“, lautet das Credo von Christian Tripp. Die Teilnehmer können selbst entscheiden, mit welcher Intensität sie eine Übung ausführen.

Coach Tripp kippt schnell noch einen Espresso herunter, dann geht die Musik an. Wie immer stehen Kraft- und Ausdauereinheiten auf dem Programm, die sich mit nichts als dem eigenen Körpergewicht bewerkstelligen lassen. Darunter auch „die Krabbe“, wie der Personal Trainer freudig verkündet. Etwas animalisch, wie eine Krabbe eben, bewegen sich die Teilnehmer dabei über den Hallenboden. Das mag auf den ersten Blick etwas befremdlich aussehen. Allerdings werden dabei Muskeln beansprucht, von denen man bislang nicht wusste, dass sie überhaupt existieren. Wer nach knapp 25 Minuten noch nicht genug hat, kommt spätestens bei der letzten Ausdauerübung mächtig ins Schwitzen.

„Das macht einfach Spaß“, meint Gitti Stückrath, die seit mehreren Jahren Stammgast bei 06:30 ist. Zweimal die Woche kommt sie zum Frühsport in die Squash-Halle, oft mit dem Fahrrad. Auch sie hätte sich heute Morgen gut noch einmal umdrehen können, so sei es nicht. Letztendlich habe sie sich dann doch überwunden. Warum? Die Kasselerin weiß, was die Bewegung mit ihr macht: „Ich gehe das ganze Jahr nicht zum Arzt“, erklärt sie. Gitti Stückrath ist 76. Ihren Sportkollegen aber steht sie in nichts nach. Ein schmerzverzerrtes Gesicht haben sie früher oder später alle. An Aufgeben aber denkt niemand. „Ich könnte das nicht, den ganzen Tag auf dem Sofa sitzen“, sagt die Kasselerin beim Rausgehen.

Von Mona Linke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.