Vor dem Formel-1-Saisonauftakt

Hamilton und Vettel schieben sich Favoritenrolle zu

+
v.l.: Lewis Hamilton (Mercedes), Daniel Ricciardo (Red Bull) und Sebastian Vettel (Ferrari) bei der Pressekonferenz vor dem Großen Preis von Australien 2017.

Melbourne - Das große Tiefstapeln in der Formel 1 geht weiter. Mercedes-Star Lewis Hamilton schiebt Ferrari vor dem Saisonstart die Favoritenrolle zu. Sebastian Vettel macht dieses Spiel nicht mit.

Eine Spitze gegen seinen früheren Teamkollegen Nico Rosberg wollte sich Lewis Hamilton dann doch nicht verkneifen. "Für mich macht es keinen Unterschied, ob der amtierende Weltmeister da ist oder nicht. Jede Saison bedeutet einen Neustart", sagte der exzentrische Star der Formel 1 am Donnerstag in Melbourne.

Das Erstaunliche und Hamilton-Untypische dabei: Trotz seiner drei WM-Titel und 53 Grand-Prix-Siege wollte der sonst so selbstbewusste Mercedes-Pilot von seiner eigenen Favoritenrolle im Kampf um den vakanten Formel-1-Thron rein gar nichts wissen.

"Noch kein Team hat vor und nach einer Regel-Revolution die Formel 1 dominiert", sagte Hamilton. 51 Mercedes-Siege aus 59 Rennen seit 2014, so wollte der Brite zu verstehen geben, könnten bei den breiteren, aggressiveren neuen Autos schneller zu einer schönen Erinnerung verblassen als den Silberpfeilen lieb sein kann.

Hamilton: „Ferrari ist hier der Favorit“

Und so bemühte sich der 32-Jährige vor dem Auftaktrennen der neuen Saison (Sonntag, 7.00 Uhr MESZ) auch nach Kräften, sein Team nach drei WM-Titeln in Folge aus dem Fokus zu nehmen und Ferrari mit dem viermaligen Champion Sebastian Vettel in das Licht desjenigen Teams zu rücken, das es zu schlagen gilt.

"Ferrari war im Winter am schnellsten, sie sind hier die Favoriten. So fühlt es sich an. Auch die Daten sagen das. Ich hoffe, dass wir zumindest dicht dran sein können", sagte Hamilton bei der Pressekonferenz und versuchte den ebenfalls ungewohnt stillen Vettel ein wenig zu kitzeln: "Sebastian gibt sich normalerweise mehr der Euphorie hin. Er versucht natürlich, die Erwartungen kleinzuhalten."

Vettel: „Mercedes für alle der Favorit“

Tatsächlich hat Ferrari mit fünf Tagesbestzeiten und beeindruckenden Rennsimulationen bei den Testfahrten in Barcelona einen überaus starken Eindruck hinterlassen. Doch nach einer Saison 2016 ohne einen einzigen Sieg will sich Vettel nicht in die Favoritenrolle drängen lassen. "Mercedes war in den vergangenen drei Jahren in einer extrem starken Form. Obwohl wir nun andere Regularien haben, glaube ich, dass Mercedes für alle der Favorit ist", sagte der Heppenheimer.

Die Autos und Fahrer der Formel 1 in der Saison 2017 im Überblick

Der neue Silberpfeil hört auf den wenig klanghaften Namen „Mercedes F1 W08 EQ Power+“.
Der neue Silberpfeil hört auf den wenig klanghaften Namen „Mercedes F1 W08 EQ Power+“. © AFP
Der erste Fahrer und auch große Favorit auf den WM-Titel ist Lewis Hamilton.
Der erste Fahrer und auch große Favorit auf den WM-Titel ist Lewis Hamilton. © AFP
Ihm zur seite steht mit Valtteri Bottas ein großes Talent. Er wird sich Hamilton aber wohl eher unterordnen als sein Vorgänger.
Ihm zur seite steht mit Valtteri Bottas ein großes Talent. Er wird sich Hamilton aber wohl eher unterordnen als sein Vorgänger. © AFP
Deutlich weniger kompliziert ist der Name des neuen Bolidens von Red Bull: „Red Bull RB13“
Deutlich weniger kompliziert ist der Name des neuen Bolidens von Red Bull: „Red Bull RB13“ © AFP
Wir bereits in der vergangenen Saison sitzt Daniel Ricciardo im Cockpit für die roten Bullen.
Wir bereits in der vergangenen Saison sitzt Daniel Ricciardo im Cockpit für die roten Bullen. © AFP
Sein Teamkollege ist Max Verstappen.
Sein Teamkollege ist Max Verstappen. © AFP
Mit der neuen „roten Göttin“ will Ferrari wieder einen ernsthaften Angriff auf den WM-Thron wagen. Der „Ferrari SF70-H“ wird gesteuert von...
Mit der neuen „roten Göttin“ will Ferrari wieder einen ernsthaften Angriff auf den WM-Thron wagen. Der „Ferrari SF70-H“ wird gesteuert von... © AFP
... Sebastian Vettel, der in seinem dritten Jahr bei der Scuderia nun auch ganz oben stehen wird.
... Sebastian Vettel, der in seinem dritten Jahr bei der Scuderia nun auch ganz oben stehen wird. © AFP
Weltmeisterlich ist auch sein Teamkollege: Kimi Räikkönen.
Weltmeisterlich ist auch sein Teamkollege: Kimi Räikkönen. © AFP
Seit inzwischen neun Jahren mischt Force India in der Formel 1 mit. Der „Force India VJM10“ soll dabei helfen, sich noch weiter oben zu etablieren.
Seit inzwischen neun Jahren mischt Force India in der Formel 1 mit. Der „Force India VJM10“ soll dabei helfen, sich noch weiter oben zu etablieren. © dpa
Gesteuert wird der Renner von Esteban Ocon und Sergio Pérez.
Gesteuert wird der Renner von Esteban Ocon und Sergio Pérez. © dpa
Deutlich länger dabei ist dagegen der Williams-Rennstall. Das Traditionsteam schickt in der Saison 2017 den „Williams FW40“ ins Rennen.
Deutlich länger dabei ist dagegen der Williams-Rennstall. Das Traditionsteam schickt in der Saison 2017 den „Williams FW40“ ins Rennen. © AFP
Felipe Massa will mit dem Renner in seiner diesmal endgültig letzten F1-Saison noch einmal den Jungspunden die Auspuffrohre zeigen.
Felipe Massa will mit dem Renner in seiner diesmal endgültig letzten F1-Saison noch einmal den Jungspunden die Auspuffrohre zeigen. © AFP
Einer dieser jungen Talente ist der Kanadier Lance Stroll, der sich von seinem erfahrenen Teamkollegen einiges abschauen kann.
Einer dieser jungen Talente ist der Kanadier Lance Stroll, der sich von seinem erfahrenen Teamkollegen einiges abschauen kann. © AFP
Ein Hingucker ist der „McLaren MCL32“ des Rennstalls McLaren Honda. 
Ein Hingucker ist der „McLaren MCL32“ des Rennstalls McLaren Honda.  © AFP
Die Piloten könnten unterschiedlicher kaum sein: Fernando Alonso hat in der höchsten Rennklasse schon so ziemlich alles erlebt, davon will auch der junge Belgier Stoffel Vandoorne profitieren.
Die Piloten könnten unterschiedlicher kaum sein: Fernando Alonso hat in der höchsten Rennklasse schon so ziemlich alles erlebt, davon will auch der junge Belgier Stoffel Vandoorne profitieren. © AFP
Das zweite Team mit dem roten Bullen im Logo ist Toro Rosso (italienisch für Red Bull). Der „Toro Rosso STR12“ ist eine Eigenentwicklung und wird von einem Renault-Motor angetrieben.
Das zweite Team mit dem roten Bullen im Logo ist Toro Rosso (italienisch für Red Bull). Der „Toro Rosso STR12“ ist eine Eigenentwicklung und wird von einem Renault-Motor angetrieben. © AFP
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr sind beide keine Neulinge mehr im Rennzirkus.
Daniil Kwjat und Carlos Sainz jr sind beide keine Neulinge mehr im Rennzirkus. © dpa
Das US-amerikanische Haas-Team startet mit dem „Haas VF-17“ in seine zweite Formel-1-Saison.
Das US-amerikanische Haas-Team startet mit dem „Haas VF-17“ in seine zweite Formel-1-Saison. © AFP
Die Fahrer: Romain Grosjean und Kevin Magnussen.
Die Fahrer: Romain Grosjean und Kevin Magnussen. © AFP
Das Renault-Team gibt es in der F1 schon länger. Mit dem „Renault R.S.17“ soll an alte Erfolge angeknüpft werden.
Das Renault-Team gibt es in der F1 schon länger. Mit dem „Renault R.S.17“ soll an alte Erfolge angeknüpft werden. © AFP
Entscheidend dafür ist natürlich ein gutes Abschneiden der beiden Fahrer Nico Hülkenberg und Jolyon Palmer.
Entscheidend dafür ist natürlich ein gutes Abschneiden der beiden Fahrer Nico Hülkenberg und Jolyon Palmer. © dpa
Last but not least: Das Schweizerische Sauber-Team schickt mit dem „Sauber C36“ einen von einem Ferrari-Motor angetriebenen Wagen ins Rennen.
Last but not least: Das Schweizerische Sauber-Team schickt mit dem „Sauber C36“ einen von einem Ferrari-Motor angetriebenen Wagen ins Rennen. © AFP
Die Fahrer bei Sauber: Der Deutsche Pascal Wehrlein...
Die Fahrer bei Sauber: Der Deutsche Pascal Wehrlein ... © dpa
... und Marcus Ericsson aus Schweden.
... und Marcus Ericsson aus Schweden. © AFP

"Viele Leute sprechen in hohen Tönen von uns, aber das waren nur Wintertests, da ist es sehr einfach, die falschen Eindrücke zu erhalten", meinte Vettel und versuchte, die Erwartungen an die Scuderia herunterzuspielen. Es ist beinahe schon eine Tradition, dass die Formel 1 kurz vor dem Saisonstart gegen ihre Grundsätze handelt. In dieser Hochleistungsgesellschaft, in der die Top-Teams jährlich mehrere hundert Millionen Euro in die Titeljagd investieren, will zumindest am Anfang niemand der Favorit sein.

Ferrari-Pilot Sebastian Vettel schrieb am Donnerstag nach seiner Ankunft am Albert Park Circuit in Melbourne fleißig Autogramme.

Immerhin: Bei allem Tiefstapeln bleibt Hamilton dann doch ein bisschen er selbst. Er befinde sich körperlich in der Form seines Lebens, versicherte der von Rosberg 2016 knapp geschlagene Vize-Weltmeister und schob hinterher: "Ich bin hungriger denn je auf diesen vierten Titel." Geht doch.

Formel 1: Die 20 Rennstrecken der Saison 2017 im Überblick 

 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik
 © dpa Infografik

Lesen Sie auch: Aufregung bei Mercedes: Warum ist die Schumi-Botschaft weg?

SID

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.