Finne muss Teamkollege vorbei lassen

Bottas in Bahrain zum Wasserträger degradiert

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Trotz Platz drei beim Großen Preis von Bahrain machte Valtteri Bottas bei der Siegerehrung keinen glücklichen Eindruck.

Sakhir - Vom Pole-Setter zum bemitleidenswerten Statisten: Valtteri Bottas hat in Bahrain die volle Bandbreite erlebt. Der Druck auf den Finnen ist schon nach dem dritten Rennen für Mercedes immens.

Valtteri Bottas hoffte beim Großen Preis von Bahrain auf seinen ersten Formel-1-Sieg, stattdessen wurde der Pole-Setter in aller Öffentlichkeit zum Wasserträger degradiert. "Halt' Lewis nicht auf", funkte Mercedes-Renningenieur Tony Ross dem Finnen zehn Runden vor Rennende ins Ohr - der Ton ging über das TV-Signal um die Welt.

Hinter der Aufforderung an Bottas, seinem Teamkollegen Lewis Hamilton Platz zu machen, steckte eine nachhallende Botschaft: Wenn einer es mit dem 2017 bärenstarken Ferrari von Sebastian Vettel aufnehmen kann, dann ist es nach Dafürhalten des Weltmeisterteams der dreimalige Champion aus England - und nicht der hektisch gesuchte Nachfolger des zurückgetretenen Weltmeisters Nico Rosberg.

"Das ist wahrscheinlich das Härteste, was man als Rennfahrer hören kann. Aber ich verstehe das Team komplett. Ich bin ein Teamplayer und würde mich einer Order nie verschließen", sagte ein sichtlich geknickter Bottas nach dem Rennen, in das er erstmals in der Königsklasse von der Pole Position gegangen war.

Zu Beginn des Rennens sah Valtteri Bottas (l.) Sebastian Vettel und Lewis Hamilton noch in seinen Rückspiegeln.

Sein Sprung auf Startplatz eins war ein viel beachteter Husarenstreich, eine Ansage an die als WM-Favoriten ausgemachten Hamilton und Vettel. Doch im Rennen blieb der 27-jährige Bottas trotz gewonnenen Starts den Beweis von Extraklasse schuldig. Während Hamilton nach dem Platztausch sprichwörtlich mit Siebenmeilenstiefeln tatsächlich noch Druck auf Spitzenreiter Vettel ausübte, konnte Bottas, der früh über Probleme mit den Reifen klagte, nur noch Rang drei absichern.

Wolff: "Solch eine Ansage will man nicht machen"

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, der jahrelang auch im Management des Finnen tätig war, versuchte anschließend, die harte Entscheidung des Kommandostandes zu relativieren. "Solch eine Ansage will man nicht machen. Hätte Valtteri in Führung gelegen und Lewis wäre Zweiter gewesen, hätten wir sie gegeneinander fahren lassen", sagte der Österreicher.

Allerdings habe man keine andere Möglichkeit gesehen, Vettel an diesem Tag zu schlagen: "Wenn der Moment kommt, an dem man erkennt, dass man das Rennen verlieren wird, wenn man nichts ändert, muss man unpopuläre Entscheidungen treffen."

Der WM-Stand nach drei von 20 Rennen legt mehr als nur nahe, dass die WM zwischen Australien- und Bahrain-Sieger Vettel (68 Punkte) und China-Triumphator Hamilton (61) entschieden wird. Dauerdruck aus dem eigenen Team, wie er ihn in vier gemeinsamen Jahren mit Rosberg gewohnt war, hat Hamilton von Bottas (38) wohl nicht zu erwarten. "Bottas ist nicht Rosberg - und das ist eine schlechte Nachricht für Mercedes", analysierte die spanische Sportzeitung Marca.

SID

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