Welche Rolle spielt Sebastian Vettel?

Massas Rücktritt vom Rücktritt beendet Hickhack um Rosberg-Nachfolge

+
Sollte Felipe Massa (r.) in die Formel 1 zurückkehren, wäre der Weg für Valtteri Bottas zu Mercedes frei.

München - Das Personalkarussell in der Formel 1 könnte noch vor Weihnachten zum Stehen kommen: Angeblich hat Felipe Massa den Weg für den Wechsel von Valtteri Bottas als Rosberg-Nachfolger zu Mercedes freigemacht.

Geht bei der Nachfolge von Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg nun doch alles ganz schnell? Laut britischen Medien hat Felipe Massa den Weihnachtsmann für Valtteri Bottas gespielt: Laut britischen Medien soll der frühere Vize-Weltmeister mit seiner Vertragsunterschrift bei Williams für 2017 den Weg für den Wechsel des Finnen zum Weltmeisterteam Mercedes freigeräumt haben.

Doch auch der Name Sebastian Vettel hält sich hartnäckig im Dunstkreis der Silbernen - erst recht, nachdem Ferrari-Präsident Sergio Marchionne den viermaligen Weltmeister unter Druck gesetzt und Vettels Zukunft in Maranello über 2017 hinaus infrage gestellt hat. Der große Verlierer im Poker um das Mercedes-Cockpit wäre Mercedes-Junior Pascal Wehrlein, dessen Karten mit jedem verstrichenen Tag seit Rosbergs Rücktritts-Knall am 2. Dezember schlechter wurden.

Verschiebt Massa sein Karriereende um ein Jahr?

Laut den Fachmagazinen Autosport und motorsport.com ist Massas Rückkehr zum Williams-Rennstall beschlossene Sache. Damit könnte das Geschachere um die Rosberg-Nachfolge noch vor Weihnachten ein Ende finden, weil die wichtigste Auflage für einen Wechsel von Bottas (Vertrag bis 2018) zu Mercedes aus dem Weg geräumt wäre. Die stellvertretende Teamchefin Claire Williams jedenfalls hatte die Freigabe ihres Top-Piloten in der Vorwoche vor allem an die Bedingung geknüpft, dass "eine erfahrene, gute Alternative für uns verfügbar ist - wie Felipe Massa".

Dessen im Dezember auslaufender Vertrag war zunächst nicht verlängert worden, stattdessen fiel die Wahl auf den 18 Jahre alten Rookie Lance Stroll (Kanada), dessen Formel-1-Einstieg von seinem milliardenschweren Vater alimentiert wird. Mit Routinier Massa könnte Williams auf Umwegen den Verlust von Punktegarant Bottas (27) auffangen, für dessen Freigabe Mercedes seinem Kundenteam einen Rabatt auf Motorenlieferungen in zweistelliger Millionenhöhe in Aussicht gestellt haben soll.

Lauda: Entscheidung womöglich erst Ende Januar

Sollte es noch in diesem Jahr zu einer Einigung in der Frage der Rosberg-Nachfolge kommen, wäre das durchaus eine Überraschung. Nachdem Mercedes in der Vorwoche nämlich mitgeteilt hatte, die Entscheidung falle nicht vor Anfang Januar, sprach Team-Aufsichtsratschef Niki Lauda am Montag bei Servus TV gar davon, die Personalie werde aufgrund der "komplizierten Verhandlungen" womöglich erst "Ende Januar" geklärt.

Nach Rosbergs Rücktritt galt zunächst Wehrlein (22) als Favorit für das vakante Cockpit beim Branchenführer. Zuletzt deutete aber immer mehr auf Bottas als Wunschkandidat hin, auch weil Top-Piloten wie die Ex-Weltmeister Sebastian Vettel und Fernando Alonso (Spanien/McLaren) sowie Megatalent Max Verstappen (Niederlande/Red Bull) vertraglich gebunden sind.

Das sind die Kandidaten für die Rosberg-Nachfolge bei Mercedes

In den Stunden nach Rosbergs Verkündung wurden bereits unzählige Namen gehandelt - große, komplizierte Lösungen scheinen möglich, vielleicht bekommt aber auch die einfachste Idee den Zuschlag. Wir blicken auf mögliche Kandidaten.
In den Stunden nach Rosbergs Verkündung wurden bereits unzählige Namen gehandelt - große, komplizierte Lösungen scheinen möglich, vielleicht bekommt aber auch die einfachste Idee den Zuschlag. Wir blicken auf mögliche Kandidaten. © dpa
Pascal Wehrlein (22, Deutschland, zuletzt bei Manor, noch kein Vertrag für 2017)
Pascal Wehrlein (22, Deutschland, zuletzt bei Manor, noch kein Vertrag für 2017): Das deutsche Toptalent wäre die einfachste und irgendwie auch logische Lösung. Wehrlein gehört seit Jahren zu Mercedes, er absolvierte unzählige Testrunden für den Rennstall, kennt das Auto und das Team in- und auswendig. Zudem hat der 22-Jährige nach seiner Rookie-Saison bei Manor noch keinen Vertrag für 2017. © dpa
Pascal Wehrlein (22, Deutschland, zuletzt bei Manor, noch kein Vertrag für 2017)
Doch für Mercedes wäre es auch ein Wagnis: Wehrlein würde vom Ende des Feldes an den Anfang springen und müsste gleich hart um die WM kämpfen. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff bezeichnete den Worndorfer "natürlich" als Option. Geschenkt bekommt er das Cockpit aber nicht. © dpa
Esteban Ocon (20, Frankreich, zuletzt bei Manor, bis 2018 Vertrag bei Force India)
Esteban Ocon (20, Frankreich, zuletzt bei Manor, bis 2018 Vertrag bei Force India): Der Franzose Ocon ist noch einmal zwei Jahre jünger als Wehrlein, allerdings hat er den Deutschen vor wenigen Wochen im Kampf um das Cockpit bei Force India ausgestochen. Dieser Vertrag beim Kundenteam dürfte für die Silberpfeile kein großes Problem darstellen, eher stellt sich auch hier die Frage: Ist Ocon schon bereit für den Kampf um Siege und Titel? © picture alliance / dpa
Fernando Alonso (35, Spanien, 2017 Vertrag bei McLaren)
Fernando Alonso (35, Spanien, 2017 Vertrag bei McLaren): In der kommenden Saison könnte das neue Reglement Mercedes die bislang deutliche Dominanz kosten. Da darf sich das Weltmeisterteam keine Blöße geben, muss beide Cockpits mit Siegfahrern besetzen. Und Alonso wäre so einer. Auch mit 35 Jahren gilt der zweimalige Weltmeister als einer der Besten im Feld, ein kurzfristiger Ausstieg beim seit Jahren enttäuschenden McLaren-Team scheint machbar. © dpa
Fernando Alonso (35, Spanien, 2017 Vertrag bei McLaren)
Doch es spricht eigentlich zu viel gegen diese Lösung: Alonso wäre angesichts seines Alters nur eine Übergangslösung, noch viel schwerer wiegt seine schwierige Beziehung zu Lewis Hamilton. Das gemeinsame Jahr 2007 bei McLaren war ein großes Missverständnis. Kaum vorstellbar, dass Mercedes sich ein Teamduell der beiden Alpha-Tiere antut. © dpa
Sebastian Vettel (29, Deutschland, 2017 Vertrag bei Ferrari)
Sebastian Vettel (29, Deutschland, 2017 Vertrag bei Ferrari): Auch Sebastian Vettel wäre eine ganz große Lösung für Mercedes, doch sie ist sehr unwahrscheinlich. Toto Wolff bezeichnete den viermaligen Weltmeister bereits als "nicht verfügbar" - wie übrigens auch die beiden Red-Bull-Piloten. Vettel selbst wies am Sonntag öffentlich darauf hin, dass er im kommenden Jahr bei den Roten einen Vertrag hat. © dpa
Sebastian Vettel (29, Deutschland, 2017 Vertrag bei Ferrari)
Damit Ferrari sich die Blöße gibt, den Deutschen zum großen Konkurrenten ziehen zu lassen, müsste ohnehin schon sehr viel Geld nach Maranello überwiesen werden. Die italienische Presse spekuliert zwar über eine leistungsbezogene Ausstiegsklausel. Doch vermutlich hätte Ferrari in diesem Jahr noch etwas schlechter abschneiden müssen, um eine solche Vertragsauflösung möglich zu machen. © dpa
Max Verstappen (19, Niederlande, bis 2018 Vertrag bei Red Bull)
Max Verstappen (19, Niederlande, bis 2018 Vertrag bei Red Bull): In diesen Tagen dürfte es Mercedes noch etwas mehr schmerzen, dass das niederländische Supertalent sich früh Red Bull anschloss. Um nichts in der Welt, so scheint es, würde der frühere Weltmeister-Rennstall den Shootingstar der Königsklasse zu Mercedes ziehen lassen. "Denkt gar nicht erst über unsere Piloten nach", schrieb Red-Bull-Teamchef Christian Horner an Niki Lauda und Mercedes. © dpa
Max Verstappen (19, Niederlande, bis 2018 Vertrag bei Red Bull)
Und Verstappen selbst sagt: "Für mich ist das alles überhaupt nicht interessant." Denn Red Bull macht sich berechtigte Hoffnung, im kommenden Jahr wieder ganz vorne mitzufahren. © AFP
Daniel Ricciardo (27, Australien, bis 2018 Vertrag bei Red Bull)
Daniel Ricciardo (27, Australien, bis 2018 Vertrag bei Red Bull): "Irgendjemand wird ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk bekommen, das hat Nico gut hingekriegt", sagte der Australier am Freitag in Wien grinsend. An sich selbst hat er dabei mit ziemlicher Sicherheit nicht gedacht. Auch Ricciardo wäre für Mercedes eine traumhafte Lösung, aber Red Bull wird das wohl nicht zulassen. © AFP
Valtteri Bottas (27, Finnland, 2017 Vertrag bei Williams)
Valtteri Bottas (27, Finnland, 2017 Vertrag bei Williams): Der Finne gehört zu einer Riege von Piloten, die eine reizvolle Mischung bieten: Viel Talent, viel Erfahrung und ein Arbeitgeber, der sich nicht quer stellen dürfte. Der Williams-Pilot fuhr zuletzt mit dem schwachen Boliden der Engländer zwar nur hinterher, doch er gilt noch immer als Toptalent - und hat zudem enge Verbindungen zu Toto Wolff: Der Mercedes-Sportchef gehörte zum Management des Finnen, als dieser zu Williams in die Formel 1 aufstieg. © picture alliance / dpa
Valtteri Bottas (27, Finnland, 2017 Vertrag bei Williams)
Allerdings würde sein Abgang bei Williams ein tiefes Loch hinterlassen. Bottas soll 2017 eigentlich den 18 Jahre alten Neuling Lance Stroll (Kanada) anführen. © dpa
Sergio Perez (26, Mexiko, 2017 Vertrag bei Force India)
Sergio Perez (26, Mexiko, 2017 Vertrag bei Force India): Auch der Mexikaner ist ein nachweislich starker Fahrer, der aus überschaubaren Möglichkeiten schon viel gemacht hat. Derzeit ist er an Force India gebunden, ein Kundenteam von Mercedes. Wenn die Silberpfeile wollten, dann würden sie ihn wohl bekommen. © picture alliance / dpa
Carlos Sainz Jr. (22, Spanien, 2017 Vertrag bei Toro Rosso)
Carlos Sainz Jr. (22, Spanien, 2017 Vertrag bei Toro Rosso): Für die spanische Presse gehört der Sohn der Rallye-Ikone zu den Favoriten. Doch auch objektiv betrachtet, ist Sainz gar nicht so unwahrscheinlich. Bei Toro Rosso liefert er sehr gute Ergebnisse, steckt aber gewissermaßen in einer Karriere-Sackgasse: Die Cockpits beim großen Red-Bull-Team sind wohl auf Jahre hinaus vergeben, ein Aufstieg ist nicht absehbar. © dpa
Nico Hülkenberg (29, Deutschland, zuletzt bei Force India, ab 2017 Vertrag bei Renault)
Nico Hülkenberg (29, Deutschland, zuletzt bei Force India, ab 2017 Vertrag bei Renault): Hülkenberg genießt großes Ansehen in der Formel 1, und angeblich soll Mercedes schon angefragt haben. Das zumindest berichtet Auto Bild Motorsport. Hülkenbergs künftiger Arbeitgeber Renault habe demnach aber gleich abgeblockt. © picture alliance / dpa
Jenson Button (35, Großbritannien, zuletzt bei McLaren, 2017 kein Cockpit)
Jenson Button (35, Großbritannien, zuletzt bei McLaren, 2017 kein Cockpit): Der Ex-Weltmeister hat in Abu Dhabi seine Karriere eigentlich für beendet erklärt - allerdings mit Hintertür. Formal will Button 2017 und 2018 bei McLaren weiter im Hintergrund wirken und dem Team als Ersatzfahrer im Fall der Fälle zur Verfügung stehen, doch ein Siegauto könnte den Briten noch einmal reizen. Zudem bewies Button von 2010 bis 2012, dass er und Hamilton als Teamkollegen "funktionieren". © dpa
Romain Grosjean (30, Frankreich, 2017 Vertrag bei Haas)
Romain Grosjean (30, Frankreich, 2017 Vertrag bei Haas): Der Franzose wäre ein schneller und zugleich wohl für kleines Geld verfügbarer Kandidat. Gerade zu Beginn der Saison fuhr Grosjean für Formel-1-Einsteiger Haas herausragende Ergebnisse ein. © picture alliance / dpa

Allerdings könnte Bottas zu einer Art Platzhalter für Vettel werden, dessen Vertrag bei Ferrari 2017 ausläuft. Ferrari-Präsident Sergio Marchionne deutete am Dienstag mehr als nur an, dass eine Verlängerung mit dem Heppenheimer für den Rennstall aus Maranello nach 27 Rennen ohne Sieg nicht mehr an erster Stelle stehe.

Man werde sich personell "für die Zukunft umschauen, indem wir die Situationen der anderen sorgfältig analysieren", sagte derweil Marchionne. Konkret auf Vettel bezogen erklärte der Fiat-Sanierer: "Wir müssen zuerst wissen, ob er sich 2017 wohl bei uns fühlt. Wir müssen ihm ein siegfähiges Auto geben. Ansonsten ist es sinnlos, über eine weitere Zukunft zu reden."

SID

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.