Frauen schreiben im Vierer Geschichte

Deutsche Bobs stark in Calgary

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Im Vierer: Francesco Friedrich Jan Speer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis. Foto: Mike Sturk

Calgary - Mit drei zweiten Plätzen überzeugten die deutschen Bob-Sportler auch beim Weltcup in Calgary - für Aufsehen sorgte aber vor allem der erste direkte Vergleich zwischen Männern und Frauen im Vierer.

Der nächste Schritt aus der Krise wurde fast zur Randnotiz. Angeführt von Weltmeister Francesco Friedrich sorgten die deutschen Bob-Sportler auch beim zweiten Weltcup der Saison mit vier Podestplätzen in drei Rennen für Furore, die schwachen Olympischen Spiele sind langsam vergessen - alle Augen richteten sich an diesem Wochenende im kanadischen Calgary jedoch auf zwei Frauen, die Sportgeschichte schrieben.

Olympiasiegerin Kaillie Humphries aus Kanada und die Sotschi-Zweite Elana Meyers aus den USA starteten als erste Pilotinnen im Viererbob, in der Königsdisziplin des Sports sorgten sie damit für den ersten direkten Weltcup-Vergleich zwischen Frauen und Männern. „Wir stehen am Anfang eines langen Weges“, sagte Humphries anschließend, belagert von zahlreichen Journalisten, „es wird mich noch Zeit kosten, ich muss viel lernen. Das Ziel ist es aber, in den kommenden Wochen ein paar der Jungs zu schlagen.“

Wie schwer das allein aufgrund des Erfahrungsvorsprungs der männlichen Weltklasse-Konkurrenz wird, zeigte die Premiere im großen Schlitten. Humphries belegte, angeschoben von drei Männern, mit 1,03 Sekunden Rückstand auf Sieger Oskars Melbardis (Lettland) den 15. und damit vorletzten Platz, Meyers (1,68 Sekunden zurück) wurde Letzte.

Bundestrainer Christoph Langen wiederholten dann auch seine Zweifel an den Mixed-Teams im Vierer, die der Weltverband FIBT seit diesem Sommer ohne weitere Richtlinien erlaubt. „Das ist ein Mischmasch, ein bisschen was und nichts“, sagte der 52-Jährige im Ersten: „Man könnte einen Mixed-Vierer machen, in dem zwei Frauen und zwei Männer fahren, oder auch einen Frauen-Vierer, jeweils mit eigener Weltcup-Wertung - aber so ist das von der FIBT nicht zuende gedacht.“

Mit den Leistungen seiner Athleten konnte Langen derweil erneut sehr zufrieden sein. Zehn Monate nach den ersten medaillenlosen Spielen seit 50 Jahren zeigte vor allem Friedrich, dass er in der WM-Saison wieder zu den Topfavoriten gehört. Nach seinem Auftaktsieg vor einer Woche in Lake Placid holte der Zweier-Weltmeister in Calgary nun den zweiten Platz im kleinen Schlitten, nur der Lette Melbardis war schneller. „Wir sind leider sehr schlecht in den ersten Lauf gestartet, daher war es am Ende nur der zweite Platz“, sagte Friedrich, der nun punktgleich mit Melbardis den Zweier-Weltcup anführt.

Für eine Überraschung sorgte der Oberbärenburger dann im Vierer. Mit Rang zwei hinter Melbardis war Friedrich schneller als der drittplatzierte Maximilian Arndt (Oberhof), aktueller Weltmeister im großen Schlitten. Nico Walther (Riesa) rundete zudem als Fünfter das starke Ergebnis aus deutscher Sicht ab. In der Vierer-Gesamtwertung liegt Arndt, der den Auftakt vor einer Woche gewonnen hatte, nun punktgleich mit Melbardis an der Spitze.

Im Zweier der Frauen bescherte Anja Schneiderheinze (Erfurt) den deutschen Bob-Pilotinnen zudem den ersten Podestplatz der Saison. Die Olympia-Zehnte belegte den starken zweiten Platz hinter Meyers, Rang drei ging an Humphries. Anders als die beiden Nordamerikanerinnen hegt Schneiderheinze keine Ambitionen auf Starts im Vierer. „Die sollen das ruhig machen“, sagte die 36-Jährige: „Ich gucke mir das erstmal an.“

sid

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