Fußball: Kevin und Marvin Siebert von der SG Heisebeck/Fürstenhagen im HNA-Doppelinterview

„Am liebsten gegen Weser“

Zwei Mal Schalke, zwei Mal Dortmund - vier Mal TSV Fürstenhagen: Bei Familie Siebert (Marvin, Charline, Vater Jens und Kevin) nimmt der Fußball einen hohen Stellenwert ein. Foto: osx

Heisebeck. Bei der SG Heisebeck/Fürstenhagen in der 1. Fußball-Kreisklasse sorgt das Brüderpaar Kevin und Marvin Siebert seit Jahren mit seinen zahlreichen Toren für Furore. Wir haben uns mit den beiden mal ein bisschen unterhalten.

Kevin Siebert, am Saisonende stehen die Zeichen auf Abschied von der SG. Was ist da los?

Kevin Siebert: Wenn ich daran denke, wird mir schon etwas mulmig. Es fällt mir unheimlich schwer, mich aus unserer verschworenen Gemeinschaft zu verabschieden. Es wird sicher einige feuchte Augen geben. Aber der Schichtdienst lässt für mich einfach keinen geregelten Trainings- und Spielbetrieb zu. Ich werde mich in meinem Wohnort Lüchtringen dem Sportverein anschließen.

Marvin Siebert, gibt es denn für Sie als Fußballfachwart des TSV Fürstenhagen keine Möglichkeit, ihren Bruder noch umzustimmen?

Marvin Siebert: Es hat ja ausschließlich berufliche Gründe. Das müssen wir akzeptieren. Unsere intensive Beziehung bleibt ja bestehen. Aber er wird mir nicht nur als Bruder, sondern natürlich auch als Mitspieler fehlen. Schließlich kicken wir schon seit ewigen Zeiten miteinander.

Aktuell läuft es für die SG Heisebeck/Fürstenhagen gut. Nicht zuletzt dank ihrer Treffer hat der Verein möglicherweise die Chance, per Relegation in die Kreisliga aufzusteigen.

Kevin Siebert: Das wäre ein toller Erfolg für die Mannschaft, wenngleich es in der Kreisliga sehr schwer werden dürfte. Wenn ich einen Wunsch hätte, wäre das, in der Relegation gegen den FC Weser zu spielen.

Woher kommt eigentlich die Leidenschaft zum Fußball?

Kevin Siebert: Wir kommen aus einer alten Fußballerfamilie. Unser Großvater Heinz und unser Vater Jens, der als 50-Jähriger im ersten Spiel in dieser Saison in Ellierode bei uns im Tor stand, sind leidenschaftliche Fußballer. Das haben wir wohl geerbt.

Marvin Siebert: Richtig Feuer drin ist bei uns mit Blick auf die Bundesliga. Kevin und ich sind Dortmund-Anhänger, der Rest des Familie - inklusive unserer 17-jährigen Schwester Charline - schwört dagegen auf Schalke 04. Größere Rivalität geht ja gar nicht. Schlimm waren die Jahre für uns beide, als Schalke über Dortmund stand. Aber am Ende der Diskussionen ist immer alles gut.

Welchen Anteil hat denn Vater Jens an ihrer Fußballerlaufbahn?

Kevin Siebert: Seit wir angefangen haben mit dem Fußball ist er Trainer, Förderer, Motivator und Kritiker. Er hat als Trainer aller Mannschaften stets Disziplin und Einsatzbereitschaft gefordert. Da gab es für uns als Söhne keine Sonderstellung. Aber er hat auch gelobt.

Marvin Siebert: An dieser Vorbildfunktion unseres Vaters hat sich bis heute nichts geändert. Er duldet keinen Schlendrian, findet für alles eine Lösung und steht immer mit Rat und Tat zur Seite.

Und wie sieht das Verhältnis zwischen kleinem und großem Bruder aus?

Kevin Siebert: Das passt prima. Wir helfen uns gegenseitig, wo wir können. Und auf dem Fußballplatz leistet Marvin oft die Vorarbeit zu meinen Toren.

Wie reagieren die Mannschaftskameraden darauf?

Marvin Siebert: Da gibt es keinen Neid oder sowas. Kevin und ich schießen zwar die meisten Tore, aber wir funktionieren als Einheit. Da erfüllt jeder seine Aufgabe. Am Ende ist der Erfolg der Mannschaft wichtig.

Sie wohnen ja beide nicht in Fürstenhagen, spielen aber dort Fußball. Wie klappt das?

Kevin Siebert: Marvin arbeitet in Melsungen, pendelt also hin und zurück 180 Kilometer. Ich bin in Holzminden tätig und fahre etwa 90 Kilometer. So ist auch jedes Heimspiel für uns quasi ein Auswärtsspiel.

Gibt es besondere Erlebnisse in der bisherigen Laufbahn?

Marvin Siebert: In der A-Jugend habe ich im Jahr 2009 vor einer stattlichen Zuschauerkulisse aus 50 Metern gegen den FC Weser mit Torhüter Jan Schlieper den 3:2-Siegtreffer geschossen. Das hat unseren Gegner um Meisterschaft und Aufstieg gebracht. Dabei war zu dieser Zeit im Gespräch, dass beide Teams in der folgenden Saison zusammengeschlossen werden sollten. Das war dann vom Tisch. Es war lange Eiszeit zwischen den Vereinen angesagt. Das hat lange nachgewirkt.

Kevin Siebert: Einen bitteren Moment habe ich erlebt, als wir in der Saison 2009/10 am letzten Spieltag durch ein umstrittenes Tor zum 2:2 in Verliehausen dem TSV Edemissen den Meistertitel überlassen mussten. Unsere Fans hatten schon alles für die Meisterfeier organisiert. Das tat natürlich weh. Einen Glücksmoment erlebte ich erst kürzlich in Uslar, als ich in der Nachspielzeit einen Freistoß aus fast 40 Metern zum 2:1-Siegtreffer in den Torwinkel gesetzt habe.

Von Ottmar Schirmacher

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