Korbachs Torschütze im Hessenpokal

Agon Gashi und ein Treffer, der Fußballern Gänsehaut macht

Junger Fußballer dreht nach Treffer jubelnd ab, Ball im Tor, davor zwei gegnerische Abwehrspieler.
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Der spezielle Augenblick: Agon Gashi hat im Hessenpokal das 1:0 für den TSV Korbach erzielt und dreht jubelnd ab.

Agon Gashi war am Samstag gefeierter Spieler einer gefeierten Mannschaft. Er erzielte das Tor zum 1:0-Sieg der A-Junioren des TSV Korbach über den VfB Marburg im Hessenpokal.

Korbach – Es ist ein gutmütiger Scherz, den Volker Schnatz macht, als er Agon Gashi zum Telefon ruft. Der Trainer sagt was von DFB und Jogi, die am Apparat seien, und vielleicht wird Agon ihn mit einem Augenrollen oder einem Lächeln bedacht haben. Am Apparat ist die Zeitung. Der 17 Jahre alte Fußballer, unser „Kopf der Woche“, sagt Hallo und nach der Bitte um ein Gespräch sofort zu.

„War geil“, sagt Agon über den Moment in der 49. Minute, als er den Ball volley im Kasten des Verbandsligisten aus Marburg versenkte. Es war der besondere Augenblick in einem besonderen Spiel. „Wir hatten uns sehr gut vorbereitet, jeder wollte gewinnen, wir waren voll konzentriert“, sagt Agon. Die alte David-Goliath-Sache, bei der der Außenseiter, hier: der Gruppenligist gewinnt.

Beim Anpfiff dann so viele Zuschauer wie sonst in der Gruppenliga eigentlich nie. Eine erste Halbzeit mit drei, vier versemmelten Torchancen. Eckball kurz nach der Halbzeit, der Treffer. „Es war unbeschreiblich“, sagt Agon, „alle jubeln, alle kommen auf dich zugelaufen.“

Mehr Vorbereiter als Torjäger

Welcher junger Spieler stellt sich solche eine Szene nicht x-mal vor? Danach die Spannung, ob der Vorsprung hält. Es ist gutgegangen, und die Korbacher wünschen sich in der zweiten Runde noch mal so eine Partie.

Agon Gashi ist eigentlich kein Torjäger. Zwar trifft er bisher zuverlässig in jedem Liga-Spiel, aber seine Sache ist mehr die Torvorbereitung. In der C-Jugend wechselte er unter seinem damaligen Trainer Dirk Emde von der Innenverteidigung auf die Außenbahn, vorzugsweise rechts. Agon fand sich dort besser aufgehoben. Zurecht. In der Vorsaison in der Verbandsliga der B-Jugend lieferte er für 14 der insgesamt 20 Korbacher Treffer die Vorlagen, vier Tore erzielte er selbst.

Zur Person

Agon Gashi (17) spielt seit dem Alter von sechs Jahren Fußball - erst beim SC Blau-Gelb Korbach, seit vier, fünf Jahren beim TSV. Der gebürtige Korbacher, dessen Familie aus dem Kosovo stammt, geht noch zur Schule und will das Fachabitur machen. Sein ganz großes Ziel, mit dem Fußball Geld zu verdienen, hat er nicht aus den Augen verloren.

Seine Stärken sieht er bei Tempo, Technik und Schussvermögen. Noch eine Eigenschaft bringt er mit, für die ihn jeder Trainer loben wird: „Ich lasse mich nie hängen, selbst wenn wir 3:0 hinten liegen, gebe ich nicht auf.“

Für Agon Gashi ist Fußball das Ding. Früher sei er ein Spaß gewesen, heute seine Leidenschaft. „Ich habe immer den Fokus auf Fußball“, sagt er. „Ich habe immer Vorfreude, wenn es in die Saison geht.“

„Nicht zu spät für eine Fußballkarriere“

Der TSV Korbach soll nicht das Ende seiner Möglichkeiten sein, wünscht er sich. Doch, er sei zufrieden, verstehe sich gut mit dem Trainer und den Mitspielern. „Ich bin mit der halben Mannschaft befreundet.“ Trotzdem würde er ohne zu zögern der Hauer den Rücken kehren.

„Nicht, weil ich den TSV nicht mag.“ Er habe immer noch den Traum, bei einem großen Team zu spielen und ins Internat eines Erst- oder Zweitligisten zu wechseln. Fußball ganz und gar. Groß, das wäre in seinen Augen etwa der SC Paderborn, die Frankfurter Eintracht, aber auch die A-Jugend-Bundesliga mit dem KSV Hessen Kassel wäre ein hohes Ziel.

„Es ist noch nicht zu spät“, sagt Agon Gashi überzeugt. Er googelt diese Sachen, schaut sich Videos an und stößt auf Fußballer, die es relativ spät noch geschafft haben. Sie stimmen ihn manchmal zuversichtlich.

Die andere Option ist eine normale berufliche Laufbahn. Gerade probiert Agon sie aus, für sein Fachabitur lernt er in der Praxis den Ausbildungsberuf des Kaufmans für Versicherungen und Finanzen kennen. Im Büro von Volker Schnatz. Der ist aktuell nicht nur sein Trainer, sondern auch sein Chef. Und wer weiß, vielleicht ruft er ihn eines Tages ans Telefon und am anderen Ende ist wirklich ein Mann wie Jogi.

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