Fußball

Bezirksliga 4: Kaum Vorgaben von den Trainern in der Zwangspause

+
Das vorerst letzte Nachbarschaftsderby in der Fußball-Bezirksliga: Weendes Steffen Claassen (Mtte) versucht, sich gegen Bovendens Lukas Hillebrecht (links) und Manuel Jerzyk durchzusetzen. Der SCW gewann mit 3:1. 

Seit dem 17. November 2019 hat es in der Fußball-Bezirksliga 4 keinen vollständigen Spieltag mehr gegeben. Und seit dem 15. März 2020 liegen die Bälle völlig ungenutzt im Schrank, da – mitten in der Saison – der Spiel- und der Trainingsbetrieb vollständig ruhen. Für Trainer eine so noch nicht erlebte Situation. Die HNA wollte wissen, wie sie damit umgehen. Und was sie glauben, wie es weitergehen kann.

SCW Göttingen

Das Weender Trainer-Duo Lukas Eiffert und Alexander Krüger hat seine Spieler ohne individuelle Trainingspläne in die Zwangspause entlassen. „Wir machen da keine Vorgaben“, sagt Eiffert, der stattdessen von den Spielern Eigeninitiative erwartet: „Die Spieler organisieren das unter sich selber!“ Eiffert und Krüger wollen ihre Entscheidung regelmäßig überprüfen und je nach Entwicklung der Lage überdenken. Von der Entwicklung der Lage hänge auch ab, wie es mit der Saison weitergehen könne. „Wichtig ist, dass der Verband eine Regelung findet, die für alle Amateurspielklassen gilt“, fordert Eiffert.

Natürlich sei es am besten, wenn man die Saison zu Ende spielen würde, „aber das“, so befürchtet der Trainer, „ist wohl utopisch“. Und so scheine die beste Lösung, „wir beenden die Saison mit dem Stand der Hinrunden-Abschlusstabelle“. Klar ist für den SCW-Coach: „Wenn die Saison weitergeht, dann brauchen die Spieler aller Vereine einen zweiwöchigen Vorlauf, denn ohne neuerliche Vorbereitung ist das gesundheitliche Risiko viel zu hoch.“

Sparta Göttingen

Diese Überzeugung teilt auch Sparta-Trainer Enrico Weiß: „Sollte die Saison wieder aufgenommen werden, brauchen die Spieler nach dieser langen Zwangspause eine Vorbereitungsphase.“ Für die jetzige Zeit des Untätigseins hat Weiß keine speziellen Hausaufgaben an seine Spieler verteilt: „Jeder Einzelne muss versuchen, so fit wie möglich zu bleiben. Gemeinsames ist nicht geplant, denn der Kampf gegen Corona hat klaren Vorrang vor dem Sport.“ Wie es weitergehen könnte, wenn es denn tatsächlich weitergehen kann, ist für ihn in zwei Varianten denkbar: „Wenn der Verband den 30. Juni als Schlusstermin nicht aufgeben will, dann bietet sich für die laufende Saison eine Modus-Änderung an: Die ersten acht der aktuellen Tabelle spielen im K.o.-System den Meister aus, die letzten acht im K.o.-System die Absteiger. Die zweite Möglichkeit wäre, über den 30. Juni hinaus zu spielen und dafür auf die Sommerpause zu verzichten. Dann kann man im Spätsommer die neue Runde starten. Doch wozu auch der Verband sich entscheidet, es wird immer Verlierer geben.“

Bovender SV

Als Verlierer sieht Bovendens Coach Thomas Rusch im Moment den ganzen Fußball: „Was da passiert ist, ist ein Desaster. Aber es musste wohl so sein, denn wir müssen helfen zu verhindern, dass Corona sich nach dem Schneeball-System ausbreitet.“ Den Spielern hat er Trainingsanweisungen in die Pause mitgegeben: „Ausdauerläufe, Intervallläufe und Stabilisierungsübungen stehen für alle auf dem Programm.“ Ob das allerdings viel Sinn macht, weiß Rusch auch nicht so recht, da der weitere Saisonverlauf ja völlig im Dunkeln liegt. „Realistisch“, sagt er, „ist wohl der Abbruch der Saison. In dem Falle wäre ich dafür, dass der derzeitige Tabellenführer auf- und keiner absteigt.“ Ihm selber wäre es lieber, die laufende Saison würde auf Null gestellt und im kommenden August neu gestartet, denn: „Spielen wir die Saison einschließlich einer Vorbereitungsphase bis zum 30. Juni zu Ende, dann bekommt wegen der englischen Wochen mancher Kader Probleme. Verlängern wir aber die Saison, dann gibt es Probleme mit den Verträgen und den Wechselfristen.“

SG Lenglern

Ähnlich wie Rusch sieht auch Thomas Hellmich, der für die SG Lenglern verantwortlich zeichnet, die Lage im Bezirksliga-Fußball: „Was die laufende Saison angeht, so hängt alles vom Zeitpunkt ab, an dem die Spiele wieder aufgenommen werden können. Geschieht das bis Anfang Mai, sehe ich noch eine Chance, die Saison zu Ende zu bringen, auch wenn die vielen Mittwochsspiele für Amateure eine Belastung darstellen. Möglich wäre in meinen Augen, unter diesen Umständen nur einen Meister auszuspielen und auf die Absteiger zu verzichten. Kommt der Fußball aber erst später als Anfang Mai wieder in Gang, dann reicht meiner Meinung nach die Zeit nicht mehr. Da ich aber ein Streichen der Saison für die schlechteste aller Lösungen halte, bliebe dann nur ein Weg: die Spielzeit über den 30. Juni hinaus zu verlängern. Diese Entscheidung muss aber auf Verbandsebene fallen.“

Was nun aber das Training anbetrifft, so hat Hellmich seinen Akteuren „grobe Handlungsanweisungen“ in diese Zwangspause mitgegeben. Für Detailliertes sei die Situation individuell dann doch zu unterschiedlich.

FC Grone

Wie die Lenglerner so haben es im Prinzip auch die Groner gehalten: Spartenleiter Jozo Brinkwerth, der darauf hinweist, dass „schon im Januar jeder Spieler einen auf ihn zugeschnittenen Plan zur Verbesserung seiner Leistungsfähigkeit erhalten“ habe, schränkt aktuell die Umsetzung dieser Vorgabe allerdings leicht ein: „Wir werden Spieler, die in der augenblicklichen Lage nicht ins Freie gehen wollen, dazu auch nicht drängen. Gesundheitliche Überlegungen gehen vor.“ Was die Frage, wie es denn weitergehen könnte, betrifft, vertritt Brinkwerth die Auffassung, man solle die Saison, wenn es denn irgend möglich ist, zu Ende spielen. „Wir müssen natürlich abwarten, was nach dem 19. April geschieht, aber ich denke, wir können die Spielzeit mit ausreichend englischen Wochen bis zum 30. Juni durchziehen. Das wäre nicht das erste Mal, dass wir im Frühjahr Sonntag - Dienstag - Freitag - Sonntag spielen.“ Anders als andere hält der Groner selbst bei einem so belastenden Endspurt eine zweite Vorbereitung nicht für zwingend geboten, schließlich sei eine Grundkondition vorhanden. zdz Foto: Hubert Jelinek/gsd-nh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.