Trainer Matthias Weise hat einen ungewöhnlichen Glücksbringer – Belastungstest seit sechs Jahren

Kiste ist in Gimte unverzichtbar

Immer wieder dieselbe Kiste: Matthias Weise, der hier auch noch eine alte „Glücksbringerhose“ trägt, will sich nicht nur auf seine Spieler verlassen. Foto: Brandenstein

Hann. Münden. Eigentlich hat sie die vergangenen sechs Jahre ganz gut überstanden. Es gab nur ein paar Schrammen – und natürlich Druckstellen. Dafür hat es „die Kiste“ beim Tuspo Weser Gimte zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Als einzige Wasserkiste, die noch niemals den Rückweg in ein - meist übel riechendes - Getränkelager antreten musste, weil sie zum Maskottchen wurde.

Zumindest für Gimtes Trainer Matthias Weise ist „Kiste“ unentbehrlich. Was in erster Linie mit einer Marotte zu tun hat, die im Amateurfußball eher selten ist, bei den Profis aber unabdingbar scheint. Kurz gesagt: Es geht um Aberglauben. An der Leistungsspitze, dort wo sich Profifußballer nun mal tummeln, kann nach Meinung der Spieler jeder noch so kleine Vorteil entscheidend sein. Also wird vor den Spielen gebetet, der rechte Schuh zuerst geschnürt, das Spielfeld immer als Letzter betreten, oder es muss vor dem Anstoß der Rasen berührt werden. Den Versuch, das Schicksal günstig zu stimmen, hat sich Weise, einst für Hannover in der 2. Liga aktiv, bewahrt.

„Die Kiste muss immer dabei sein“

Matthias Weise

„Die Kiste muss immer da sein, auch bei Auswärtsspielen; da bin ich schon abergläubig“, gibt der 48-Jährige zu. Vor sechs Jahren, als Weise beim Tuspo begann, besorgte er die blaue Kiste im Getränkemarkt. Seitdem werden nur noch die einzelnen Flaschen ausgetauscht; das Behältnis selbst kehrt stets nach Gimte zurück. Kein Wunder, dass „Kiste“ fast schon zu einem Mitglied der Mannschaft geworden ist. Sie versprüht vertraute Gewohnheit. Wenn „Kiste“ am Rande des Rasens steht, ist alles in Ordnung. Mit ihrer Hilfe spielt der Tuspo seit sechs Jahren in der Bezirksliga oben mit. Selbst die unüberlegten Tritte eines nach einem Gegentor ausflippenden Trainers steckt sie stoisch weg - ganz im Stile eines Routiniers, der weiß, was alles passieren kann. Dass sie nebenbei dem Trainer als Stuhl dienen muss, ist für sie schon keiner Rede mehr wert.

Yannik Nüsse ist einer jener Spieler, die sich um „Kiste“ schon mal kümmern mussten – natürlich ganz nach den Vorstellungen des Trainers. Nüsse berichtet: „Sechs Flaschen müssen immer in der Kabine bleiben, die anderen kommen mit ans Spielfeld. Es gibt auch eine bestimmte Reihenfolge, wie die restlichen Flaschen in der Kiste platziert werden müssen.“ Diese Reihenfolge ist Nüsse mittlerweile entfallen; wer will sich schon länger als nötig mit dem Fimmel eines Mitmenschen beschäftigen? Aber die Anordnung hat angeblich immer etwas mit dem vorausgegangenen Spielergebnis zu tun.

Als der Tuspo einst schon in der Halbzeit mit 0:2 zurücklag, hatte Matthias Weise den Grund dafür mit einem Blick auf „Kiste“ schnell gefunden. Lautstark monierte er den offensichtlichen Fehler im Flaschensystem, der ja auch den Wirrwarr auf dem Platz hervorgerufen haben musste.

Ein anderes Mal, es muss nach einem Spiel in Göttingen gewesen sein, bemerkte das Gimter Team erst wieder in der Heimat, dass man „Kiste“ dort vergessen hatte. Jeder andere Verein wäre schnell zum Supermarkt gefahren, hätte ganz einfach eine neue Kiste gekauft. Aber nicht die Gimter. Im Eiltempo ging es zurück – knapp 40 Kilometer auf die Zietenterrassen. Für „Kiste“ ist halt kein Weg zu weit.

Wann „Kiste“ mal in Rente gehen darf, ist nicht abzusehen. Vermutlich erst dann, wenn der Tuspo mal gegen den Abstieg spielt. Aber das kann ja bei korrekter Flaschenanordnung gar nicht passieren – oder?

Von Manuel Brandenstein

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