Enttäuschende Bilanz nach zehntem Bezirksligajahr

Tuspo Weser Gimte steigt wieder in die Kreisliga ab

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Matthias Weise (vorn) trat nach acht Jahren in Gimte zurück.

Hann. Münden. Im Jahr des 100-jährigen Vereinsjubiläums ging es für die Fußballer des Tuspo Weser Gimte wieder in die Kreisliga zurück. Es gab mehrere Gründe für den Abstieg.

Der Substanzverlust

Der Verlust von sechs Stammspielern war eine zu große Bürde. Die Talente aus dem eigenen Nachwuchs enttäuschten keinesfalls und berechtigen sogar zu großer Hoffnung. Aber letztlich bekamen sie nicht die Zeit, um den Sprung zu den Männern erfolgreich zu gestalten. Nach der vorausgegangenen Negativbilanz bei den Transfers war es letztlich ein Abstieg mit Ansage.

Die Offensivschwäche

Mit Kai Armbrust und Leon Fromm war dem Tuspo sein erfolgreiches Sturmduo abhanden gekommen. Trainer Weise setzte als Ersatz aus den eigenen Reihen auf den jungen Robin Blumenstein und Christopher Hayn aus der zweiten Mannschaft. Beide hatten Verletzungspech und erzielten keinen einzigen Treffer. Ab dem Spätherbst gab es keinen gelernten Stürmer mehr im Aufgebot. In der Endabrechnung gelang dem Tuspo nur etwas mehr als ein Treffer pro Begegnung – auf eigenem Platz sogar noch ein Tor weniger als in der Fremde (siehe Tabellen). Und das lag nicht an zu wenigen Torchancen. Letztlich fehlte oft einfach die Abgeklärtheit. Die besten Schützen waren: Ervin Glogic (7), Dennis Behrens (6), Nils Quentin (4) und Andreas Kilian (3).

Ausfälle und Abgänge

Die Liste jener Spieler, die länger als vier Wochen oder sogar für den Rest der Saison ausfielen, ist lang. Blumenstein, Kraft, Drüke, Hayn, Wedel und Bock gehörten dazu. Dabei fiel dem Trainer nicht nur sein Sturmduo aus, sondern auch die mit Kilian und Drüke geplante Innenverteidigung. Der talentierte Nachwuchsmann Jannik Drüke schaffte den Sprung in die Bezirksliga problemlos, fiel aus gesundheitlichen Gründen für die Rückrunde aber aus. Mit Andreas Kilian meldete sich zudem im Winter ein wichtiger emotionaler Faktor der Mannschaft aus privaten Gründen ab. Nicht zu vergessen: Im defensiven Mittelfeld hatte Routinier Bernd Abeln die vielleicht beste Hinserie während seiner Gimter Zeit gespielt. Mitten in der Saison zog es ihn aus beruflichen Gründen in eine andere Stadt.

Schwierige Rückserie

Jetzt musste der Tuspo an allen Fronten improvisieren. In der Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte kamen mit Timo Bülte und Ahmet Demirtas nur zwei Neue ohne große Bezirksliga-Erfahrung hinzu. Plötzlich war der Tuspo auch zu etwas gezwungen, das er in den vielen Bezirksligajahren zuvor noch nie hatte tun müssen: gleich mehrere Akteure aus der drei Ligen tiefer spielenden zweiten Mannschaft nach oben zu ziehen. Allen war klar, dass es eines Wunders bedurfte, um den 13. Rang nach der Hinserie zu halten. Letztlich verspielte das Team trotz eines herausragenden Torhüters Daniel Hartje seine drei Punkte Vorsprung auf Bremke und Groß Ellershausen und sogar sechs Zähler auf die SVG Einbeck.

Fehlende Konstanz

Je zwei Ereignisse aus der Hin- und Rückserie verdeutlichen das Dilemma: Einem tollen Erfolg folgte umgehend eine Enttäuschung: Im Herbst gewann der Tuspo das lebenswichtige Match in Bremke 2:1 und verlor anschließend gegen Osterode zu Hause mit 0:1. Ein halbes Jahr später bejubelten die Zuschauer ein 5:2 gegen Bremke. Sofort danach ging man 4:6 in Osterode unter. Pech war natürlich auch dabei: So verlor der Tuspo bei elf seiner 20 Niederlagen mit nur einem Tor Unterschied.

Schwacher Endspurt

Aus der Vorgabe, angesichts von neun Heimspielen während der Rückserie eine Art Rattwerder-Festung aufzubauen, wurde nichts. Die abschließenden Heimniederlagen gegen die zuvor mehrfach enttäuschenden Groner und besonders Schlusslicht SVG Einbeck waren deutlich zu wenig, um auch das elfte Jahr in Folge Bezirksliga spielen zu können.

Ende einer Trainer-Ära

Matthias Weise sollte sich für den Tuspo Weser Gimte als Volltreffer erweisen. Er hatte den lokalen Bezug, wohnte bereits im Ort und spielte in der Jugend für den Tuspo. Und er lebte seinen Spielern sportliche Tugenden vor. Außerdem hatte er als Trainer der SVG Göttingen höherklassig Erfahrung gesammelt.

Fünfmal in seinen acht Jahren beim Tuspo platzierte sich die Mannschaft unter den besten Vier. Immer wieder gelang es ihm zusammen mit den Klub-Verantwortlichen, Spieler an Land zu ziehen, die dem Verein eine Perspektive eröffneten. So war es in seiner ersten Saison mit Ruslan Wagner (25 Saisontore) und David Sumera (16), deren Treffer zur überraschenden Vizemeisterschaft hinter dem FC Grone beitrugen. Der Gruße Wurf dann in der folgenden Spielzeit: Die Gimter errangen bereits vor dem letzten Spieltag die Meisterschaft und waren nach 13 Jahren Pause die erste Altkreismannschaft in der Landesliga. Trotz sieben Siegen und sechs Unentschieden in 30 Spielen war der Abstieg aber nicht zu verhindern.

In der Bezirksliga blieb der Tuspo oben dran. 2016 feierte man als Vizemeister schon den Aufstieg, ehe Meister FC Grone sich mit einer Woche Verspätung doch noch für die Landesliga entschied – neben dem Bezirksliga-Abstieg wohl Weises bitterster Moment in seiner Gimter Zeit. Zum Schluss waren Abnutzungserscheinungen zwischen Team und Trainer wohl vorhanden. Und die Erfolge gerieten zum Fluch. Denn andere Klubs wurden auf Gimter Spieler aufmerksam und schwächten den Kader entscheidend. Im Nachhinein könnten sich die acht Jahre unter Matthias Weise, der in wenigen Tagen 50 wird, als die erfolgreichsten des Tuspo erweisen.

Der Tuspo auf Bezirksebene (Platzierungen und Trainer) 

2009/10: 6. Platz (Andjelkovic) 

2010/11: 9. Platz (Andjelkovic/Spöhr) 

2011/12: 2. Platz (Weise) 

2012/13: 1. Platz (Weise) 

2013/14: 15. Platz (Landesliga/Weise) 

2014/15: 3. Platz (Weise) 

2015/16: 2. Platz (Weise) 

2016/17: 4. Platz (Weise) 

2017/18: 7. Platz (Weise) 

2018/19: 16. Platz (Weise/Gracic)

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