SG Werratal: Früher wurden im Januar gern mal die Beine hochgelegt, jetzt arbeitet der Fußball-Bezirksligist so hart wie nie

„Wir fangen nicht mehr bei Null an“

Mit Spaß bei der Sache: Marc Glatter kreiselt auf dem Rücken von Andreas Fuhrmann. Bei der ungewohnten Übung kam bei allen Werrataler Spielern Stimmung auf. Fotos: Schröter

Lippoldshausen. Hammerhart! Dieses eine Wort beschreibt wohl am besten das Wintertraining, das die Fußballer von Bezirksligist SG Werratal derzeit absolvieren.

In der Vergangenheit wurde Training zu Beginn eines neuen Jahres bei den Werratalern nicht gerade groß geschrieben – ganz im Gegenteil. Die Zeit vor dem offiziellen Trainingsauftakt und der damit verbundenen sechswöchigen Vorbereitung auf die Rückrunde wurde von den meisten Spielern vielmehr dazu genutzt, ein wenig Abstand vom Fußball zu gewinnen und vorhandene Wehwehchen auszukurieren. Und auch wenn Trainer Thomas Hellmich sich immer gewünscht hatte, dass sein Jungs die trainingsfreie Zeit dazu nutzen, sich selbst fit zu halten oder sich sogar noch fitter zu machen, hatte er ihnen auch in diesem Jahr für den Januar frei gegeben.

Programm selbst auferlegt

Umso erfreuter dürfte Hellmich gewesen sein, als er erfuhr, dass sich die Spieler selbst für den Januar ein hochintensives Trainingsprogramm auferlegt haben. Initiator und Übungsleiter ist Sören Heß, der im August vergangenen Jahres als Physiotherapeut bei der SG angefangen hat. „Zu Beginn der Winterpause hat sich die Mannschaft mit mir zusammengesetzt und besprochen, was man tun kann“, erzählt er. Jeder einzelne Spieler sei daraufhin von ihm aufgefordert worden, seine persönlichen Ziele zu definieren. „Dann habe ich für jeden gezielt einen eigenen Trainingsplan mit Kräftigungs- und Dehnübungen entwickelt, die er täglich zu Hause ausführen soll.“

Was den laufenden Monat für die Werrataler aber tatsächlich so hammerhart macht, sind die gemeinsamen Trainingseinheiten. Seit dem 2. Januar treffen sich jeweils rund 15 Spieler immer freitags in Lippoldshausen, um zunächst zusammen zehn Kilometer zu laufen. Als wäre das nicht schon anstrengend genug, schließt sich daran ein zweieinhalbstündiges Kraftausdauertraining an, bei dem Sören Heß die Jungs an ihre Grenzen bringt. Dabei sind es vor allem die ungewohnten Kräftigungsübungen für die kleinen Muskeln, die die Spieler regelmäßig aufstöhnen lassen. Etwa wenn sie bei jedem Roxanne im gleichnamigen Police-Song aus dem Liegestütz heraus einen Streck-sprung machen müssen – genau 36 Mal in drei Minuten. Oder wenn sie beim „Propeller“ auf dem Rücken eines am Boden kauernden Mitspielers eine komplette Drehung um die eigene Längsachse machen müssen, ohne dabei den Boden zu berühren.

„Das ist mal etwas völlig Anderes“, sagt Boris Schuster, während ihm der Schweiß nur so in Strömen von der Stirn rinnt. Schuster, der sich im letzten Spiel der Vorsaison einen komplizierten Knöchelbruch zugezogen hatte und erst seit kurzem wieder Sport treiben kann, freut sich über das zusätzliche Trainingsangebot. „Das wird diejenigen, die regelmäßig teilnehmen, auf jeden Fall fit machen“, sagt er.

Genauso sieht es auch Routinier Sebastian Lehne. „Wenn wir Anfang Februar ins reguläre Mannschaftstraining einsteigen, fangen wir definitiv nicht wie in den vergangenen Jahren bei Null an“, sagt er. Ob so eine elfwöchige Vorbereitungsphase am Ende den erwünschten Erfolg bringen wird oder ob der eine oder andere Spieler sich damit eventuell sogar körperlich übernimmt, werde sich zeigen müssen. „Das wird auf jeden Fall interessant“, so Sebastian Lehne.

Von Per Schröter

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