Mit Hessen Kassel zurück in Regionalliga

Brian Schwechel: Vom Aufstieg per Handy erfahren

Brust raus: Brian Schwechel hat viele neue Erfahrungen in der vergangenen Saison gesammelt und er will in der Regionalliga davon profitieren.
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Brust raus: Brian Schwechel hat viele neue Erfahrungen in der vergangenen Saison gesammelt und er will in der Regionalliga davon profitieren.

Unverhofft kommt oft. Wie der Regionalliga-Aufstieg für Brian Schwechel mit Hessen Kassel. Er erfuhr davon per Handy, sagt er im Interview.

Freienhagen/Kassel – Wenn jemand vor einem halben Jahr Brian Schwechel gesagt hätte, er wird in dieser Saison mit Hessen Kassel aufsteigen, dem hätte der 21-Jährige mit Elternhaus in Freienhagen vermutlich den Vogel gezeigt. Über Corona-Umwege geht es für die Löwen nun tatsächlich als Rangzweiter der Hessenliga in die Regionalliga Südwest. 

Damit endet eine saisonale Achterbahnfahrt für den nordhessischen Traditionsclub und Schwechel hat sich mit seiner Leistung dieser holprigen Tour angepasst. Er erlebte Hochs und Tiefs und erstmals in seiner Karriere auch zahlreiche Spiele nur als Bankdrücker.

Glückwunsch zum Aufstieg. Wo waren Sie als sie davon erfahren haben?

Ich war bei meinem Teamkollegen Luis Allmeroth in der WG und wir haben Fußball im Fernsehen geschaut. Dann bekam er diese Nachricht aufs Handy. Dann war die Freude groß und wir haben auch ein wenig gefeiert.

Kann man sich über einen Aufstieg am Grünen Tisch überhaupt richtig freuen?

Klar ist es ein komisches Gefühl per Handy aufzusteigen, sportlich wäre es natürlich schöner gewesen. Aber wir hatten vor dem Saisonabbruch im März einen Lauf, daher glaube ich, dass wir den Aufstieg auch sportlich geschafft hätten, zumal Meister Stadtallendorf zu diesem Zeitpunkt etwas schwächelte. Aber das lässt sich jetzt natürlich leicht sagen.

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Fehlende Einsatzgarantie als wichtige Erfahrung

Ihre Mannschaft und Sie hatten in dieser verkürzten Spielzeit eines gemeinsam: schwankende Leistung. Wie bewerten Sie Ihren Saisonverlauf?

Das stimmt für die Mannschaft, und für mich war es eine schwierige Saison. Bisher hatte ich immer von Beginn an gespielt, dann nicht mehr. Anfangs war ich bei dem neuen Trainer Dietmar Hirsch auch Stammspieler, aber es lief nicht so gut für uns. Dann kam meine Kniescheiben-Verletzung, und als ich wieder fit war, wurde der Trainer gewechselt. Beim neuen Coach Tobias Damm musste ich mich erst wieder rankämpfen, habe daher auch wenig gespielt, aber mit ihm kam der Erfolg zurück. Ich konnte verstehen, dass er nach dem Motto ‘Never chance a winning team’ agierte, aber ich war anfangs dann leider nur noch sporadisch dabei. Dennoch waren das wichtige Erfahrungen für mich.

Welche sind das?

Bisher war es so, wenn ich fit war, habe ich ich auch gespielt. Das war plötzlich nicht mehr so. Das war neu für mich. Diese Situation ist anfangs schwierig, man ist frustriert und enttäuscht, aber ich denke, dass solche Phasen zum Fußball dazugehören. Sie sind wichtig für einen Spieler, weil sie ihn stärker machen können.

Welche Stärken oder Lehren haben Sie daraus gezogen?

Wenn man immer spielt, kann es sein, dass man irgendwann unbewusst ein paar Prozent weniger im Training macht. Das war bei mir auch so, aber ich weiß jetzt für die kommende Saison, dass ich mehr Gas geben und auch zu Hause noch mehr tun muss, besonders dann, wenn ich nicht oder nur wenig spiele. Solch eine Lage ist auch eine Chance, mehr an sich selbst zu arbeiten.

Warum hatte die Mannschaft in der vergangenen Saison so viele Schwankungen in ihrem Spiel?

Ja, das war wirklich auffällig bei uns. Dietmar Hirsch hatte gute Ideen für unser Spiel, aber er hat es nicht geschafft, Ruhe in die Mannschaft zu bringen. Wir hatten an jedem Spieltag eine andere Aufstellung und durch die Punktverluste gegen Teams, die unten in der Tabelle standen, haben wir auch bemerkt, dass wir als Mannschaft kein Selbstvertrauen hatten. Damm hat dann gar nicht so viel verändert, aber er schaffte es, Ruhe hineinzubringen, und dann hatten wir auch einen Lauf.

Pläne laufen aufs Bleiben hinaus

Bleiben Sie dem KSV Hessen Kassel in der kommenden Saison auch in der Regionalliga erhalten?

Das weiß ich jetzt noch nicht, wir führen derzeit Gespräche. Da ich weiterhin in Kassel studiere, ist es wahrscheinlich, dass ich beim KSV bleiben werde.

Sie haben ja schon Regionalliga-Erfahrung gesammelt: Halten sie die Mannschaft gut genug für diese Spielklasse? Der Vorstand des KSV hat ja schon angedeutet, dass er keine neuen Spieler holen möchte.

Ich denke schon, dass diese Mannschaft in der Regionalliga bestehen kann, wenn sie so zusammenbleibt. Wir haben vor allem einen breiten Kader, den wir auch brauchen werden, denn die Liga soll ja aus 22 Mannschaften bestehen.

Hessen Kassel ist ein Traditionsverein und hat immer noch einen guten Namen in Nordhessen, da kann er noch so oft pleite gehen. Bekommen Sie mit, wie wichtig dieser Verein vielen in der Region ist?

Ja, schon. Wir sehen ja auch immer die große Zahl der Fans im Stadion. Aber auch in den Sozialen Medien, etwa bei Facebook, kann man das erkennen an der Vielzahl von Gratulanten zum Aufstieg.

Und an der Uni?

Nein, da eher nicht.

Da die Aufstiegsfeier diesmal ausfallen musste, können Sie die ja im kommenden Jahr als Klassenerhaltsfeier in der Regionalliga nachholen.

Ja, das wäre gut. Ich denke, wir hätten dann auch eine gute Saison gespielt.

Zur Person

Brian Schwechel (21) spielt seit zwei Jahren für die Senioren des KSV Hessen Kassel. Er hat bei den „Löwen“ auch schon in der Jugend gespielt. Er wuchs in Freienhagen auf, baute sein Abitur an der Alten Landesschule in Korbach und studiert derzeit in Kassel Wirtschaftswissenschaft.

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