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Clubberater Fabian Seck: „Wünsche mir viel mehr Anfragen“

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Von: Gerhard Menkel

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Clubberater Fabian Seck bei der Spielanalyse
Mann mit Fußball-Sachverstand: Clubberater Fabian Seck bei der Spielanalyse. © pr

Seit viereinhalb Jahren Jahren beschäftigt der Hessische Fußball-Verband sogenannte Clubberater. Fabian Seck ist einer von ihnen und neu für den Fußballkreis Waldeck zuständig. Was er macht und was er sich wünscht, erzählt er im interview.

Korbach - Seck betreut Waldeck als Nachfolger von Anika Höhn, dir ihr Amt aus privaten Gründen aufgegeben hat. Der Riebelsdorfer, seit Mai 2021 im Amt, ist zudem für Frankenberg und Schwalm-Eder zuständig ist.

Sie sind schon eine ganze Weile Clubberater für die Vereine: Mit welchen Themen mussten Sie sich vor allem befassen?

Einmal die finanzielle Förderung von Maßnahmen der Sportinfrastruktur, also: Wie bekommt man als Verein Fördergelder für ein neues Flutlicht oder den Kunstrasen. Auch Nachwuchsprobleme oder Gewinnung von Ehrenamtlichen sind bei den Vereinen Themen, die ziemlich hoch angesiedelt sind. Es mangelt ja immer an Ehrenamtlichen. Dazu findet am 28. September auch ein Vorstandstreff für den Fußballkreis Waldeck statt.

Was passiert da?

Der Hessische Fußball-Verband organisiert schon seit einigen Jahren Treffen für Vertreter der jeweiligen Vereine eines Fußballkreises. Da kann man miteinander ins Gespräch kommen, wie bei einem Runden Tisch. Gefragt bin ich auch bei der Organisation von Jubiläen oder Vereinsfesten. Schließlich unterstütze ich die Verbandsmitarbeiter bei neuen Entwicklungen wie Gehfußball oder alternativen Spielformen im Kinderfußball, damit sie diese Themen bei den Vereinen platzieren.

Wie häufig wird Ihre Expertise nachgefragt – haben Sie reichlich zu tun oder könnten es ruhig ein paar Anfragen mehr sein?

Ich bin ehrlich: Ich bin noch nicht ins richtige Arbeiten gekommen und würde mir schon mehr Anrufe von Vereinen wünschen. Häufig bin ich mit kleineren Dingen konfrontiert, kriege mal eine Mail oder führe ein kurzes Gespräch. Ich sehe da noch eine gewisse Zurückhaltung bei den Vereinen, dabei komme ich sehr gern zu ihnen. Vereinsbesuche vor Ort sind eigentlich mein Hauptaufgabengebiet. Dabei muss es gar nicht immer um große Probleme gehen. Man kann einfach miteinander ins Gespräch kommen. Ich kann die Vereine mit vielen Tipps und Hinweisen versorgen, die die Verantwortlichen vielleicht nicht alle auf dem Schirm haben, weil ich vom Verband die Informationen aus erster Hand bekomme.

Ansprechpartner in 14 Fußballkreisen

Seit 1. Januar 2018 beschäftigt der Hessische Fußball-Verband (HFV) im Rahmen eines Pilotprojekts sechs Club-Berater, die zunächst Vereinsservice-Assistenten hießen. Diese HFV-Mitarbeiter auf Minijob-Basis stehen den Vereinen in 14 ausgewählten Fußballkreisen als zentrale Ansprechpartner für alle Fragen außerhalb des Spielbetriebs zur Verfügung.

Sie sollen als Soforthilfemaßnahme fungieren, um den Vereinen Informationen über Themen wie Ausbildung und Qualifizierung, Vereinsmanagement, Fairplay und Soziales, Ehrenamt, Veranstaltungen, DFB-Net und Schulfußball zu geben. Auch die Koordination kreisübergreifender Angebote und die Unterstützung bei Veranstaltungen der Kreisfußballausschüsse liegen in ihrem Aufgabengebiet. Zur Vorbereitung auf ihren Job wurden die Club-Berater von verschiedenen Referenten in deren jeweiligen Spezialgebiet geschult.

Kann es sein, dass die Vereine den Bedarf an Beratung nicht so haben?

Ich bin in dieser Frage noch unschlüssig. Auf der einen Seite bin ich überzeugt, dass die Beratung ein hilfreiches Tool ist und den Vereinen neue Einblicke geben kann – in einer Umfrage des Verbands befürworteten viele Verantwortliche das Projekt als sinnvoll. Aber ich glaube auch, dass viele Vereine gerade irgendwie noch durchkommen – es gibt immer einen, der sich auskennt, auch wenn er nicht die ganz breite Expertise hat. Vielleicht wurschtelt man sich ein bisschen durch.

Kennen die Vereine Sie denn?

Ich habe mich bei den Vereinsvertretersitzungen in Frankenberg und im Schwalm-Eder-Kreis vorgestellt und mitgeteilt: Ich komme gern zu euch. Natürlich sind auch online Gespräche möglich. In Waldeck konnte ich mich noch nicht persönlich vorstellen, das will ich beim Vorstandstreff nachholen. Die Vereine haben aber alle eine Mail von mir erhalten.

Besteht da nicht eine gewisse Diskrepanz? Auf der einen Seite die Klagen über zu viel Bürokratie oder viel Arbeit auf wenigen Schultern, dort eine ausgesprochene Zurückhaltung, sich wenigstens beraten zu lassen.

Der Mensch ist meist ein Gewohnheitstier und passt sich an neue Dinge erst langsam an. Die Probleme lösen sich aber nicht von allein und werden mit der Zeit eher größer. Vielleicht gibt es auch die Scheu, das Vereinsinnenleben offen zu legen. Aber ich bin neutral und die Gespräche sind natürlich vertraulich.

Zur Person

Fabian Seck (28) ist in Neukirchen-Riebelsdorf (Schwalm-Eder-Kreis) zuhause, will aber demnächst nach Kassel umziehen. Er befindet sich sozusagen im Endspurt seines Studiums zum Gymnasiallehrer. Erworben hat er bereits einen Master of Arts im Sportmanagement. Neben seiner Tätigkeit als Clubberater ist er beim Regionalligisten KSV Hessen Kassel Co-Trainer und für die Spielanalyse zuständig, dazu trainiert er die Regionalauswahlen der Junioren U13 bis U15. 

Corona war ein großes Thema, die Energiekrise ist ein großes Thema. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat zum Beispiel beschlossen, dass in seinen Hallen die Duschen kalt bleiben. Bei den Fußballklubs besteht die Sorge, dass sie etwa das Flutlicht seltener anschalten dürfen, um Strom zu sparen. War die Energiekrise schon Thema in Ihren Gesprächen?

Ich befasse mich schon längere Zeit damit, weil ich in der Verbandskommission Sportinfrastruktur sitze, in der das Thema heiß diskutiert wird. Von Vereinsseite ist noch niemand auf mich zugekommen, aber wir haben proaktiv Empfehlungen des Deutschen Olympischen Sportbunds an die Kreisfußballausschüsse weitergeleitet.

Da geht es um die praktischen Dinge, wie man zum Beispiel weniger Wasser verbraucht.

Genau. Bei allem Weiteren sind wir als Verband von politischen Vorgaben abhängig. Wir würden zum Beispiel von uns aus nicht empfehlen. die Plätze nicht mehr zu bewässern. Das könnte zur Folge haben, dass der Rasen vertrocknet und ein wirtschaftlicher Schaden entsteht. Am Ende kann auf dem Platz womöglich kein Fußball mehr gespielt werden. Das kann nicht in unserem Sinne sein – auch wenn ich grundsätzlich Verständnis dafür habe, dass zum Wassersparen aufgerufen wird. Wenn das Bewässern von der Politik verboten würde, könnten wir nur auf die Schäden hinweisen.

Nehmen wir das Beispiel Flutlicht: Käme die Ansage, dass die Lichter ausgehen oder seltener angedreht werden dürfen. was könnte der Verband tun?

Wir haben auch hier Empfehlungen für den bedarfsgerechten Betrieb von Flutlichtanlagen, zum Beispiel die Optimierung der Platznutzung, herausgegeben. Wenn es zu einem Flutlicht-Verbot kommen würde, müssten die Spielpläne geändert werden Ganz einfach wäre das nicht, weil es eben viele Amateurspiele gibt und die Plätze oft von mehreren Mannschaften benutzt werden.

Sie bringen viel Fußballwissen mit, haben in der letzten Saison Hessenliga in Stadtallendorf gespielt und gehören mittlerweile dem Trainerteam des KSV Hessen Kassel an und sind für die Spielanalyse zuständig. Stellt man Ihnen auch zu diesem Komplex Fragen?

Bei den meisten Fußball-spezifischen Fragen muss ich meistens an Klassenleiter oder Ansetzer verweisen; für alles, was den Spielbetrieb betrifft, bin ich nicht zuständig. Aber wenn mal ein Trainer wissen will, wie er eine bestimmte Taktik im Training einstudieren oder seine Mannschaft verbessern kann, bin ich schon bereit, mein Wissen zu teilen. Das würde ich unabhängig von meiner Tätigkeit als Clubberater machen. Ich möchte aber gleich darauf hinweisen, dass eine Spielanalyse im Amateurbereich nur Sinn ergibt, wenn die Mannschaften die nötige Trainingszeit haben, um bestimmte Dinge einzuüben.

Was wäre denn sinnvoll?

Ich finde es nicht verkehrt, mal ein Spiel zu filmen und den Spielern anhand des Videos bestimmte Fehler aufzuzeigen oder grob taktische Dinge mit auf den Weg zu geben. Visuell können sich vielleicht Spieler besser orientieren und dem Trainer fällt es leichter, etwas zu vermitteln.

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