Saisonabbruch im niedersächsischen Fußball

Corona-Krise beschert Tuspo Gimte dreimal den Klassenerhalt 

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Weiter Kreisligist: Noah Krüger (links) und der Tuspo Weser Gimte bekommen erneut eine Chance in der höchsten Klasse auf Kreisebene.

Wenn man im Rahmen der Corona-Krise überhaupt von einem Gewinner sprechen kann, gehört im Altkreis Münden der TuSpo Weser Gimte ganz sicher dazu.

Mit dem Kreisliga-Team im Abstiegskampf sowie der U23 (2. Kreisklasse Süd) und den A-Junioren (Bezirksliga) jeweils abgeschlagen am Tabellenende dürfen sich gleich drei Mannschaften über die vorzeitige Rettung freuen, nachdem der Landesverband NFV angekündigt hat, diesmal auf Absteiger verzichten zu wollen.

Das Aufatmen träfe eigentlich auch auf die Kreisligamannschaft des DSC Dransfeld zu, die auf dem drittletzten Tabellenplatz lag und nun ebenfalls gerettet wäre. Doch DSC-Geschäftsführer Friedel Rehkop hörte sich nach der NFV-Mitteilung in der vergangenen Woche keineswegs euphorisch an. Statt Freude über den Kreisliga-Klassenerhalt überwiegen die Gedanken an eine geordnete Zukunft der Mannschaft. Von Spielertrainer Christopher Worbs wurde sich bereits getrennt, ein Nachfolger steht noch aus und außerdem haben mehrere Spieler ihren Abschied angekündigt. „Deshalb geht bei uns die Tendenz in Richtung Zukunft in der 1. Kreisklasse“, sagt Rehkop auf Nachfrage. Eine Liga tiefer träfe der DSC dann auf den FC Niemetal und neuerdings auch auf den Bonaforther SV, der als Aufsteiger gilt.

Gimtes Kreisliga-Trainer Dzevad Gracic ist froh über die NFV-Empfehlung: „Das ist die einzig richtige Entscheidung.“ Die ursprüngliche Idee, die aktuelle Saison im Herbst weiterzuspielen und die Saison 20/21 womöglich ausfallen zu lassen, habe er – wie die meisten anderen im Verein auch – für „kompletten Schwachsinn“ gehalten. „Zumal ich mir gar nicht so sicher bin, ob im Herbst überhaupt wieder gespielt werden kann“, sagt er. Gracic sehe eine große Gefahr, dass es nach den Sommerferien und den damit verbundenen Lockerungen eine zweite Corona-Welle geben wird und neuerliche Einschränkungen unausweichlich werden könnten. „Ich finde es schade, dass der Verband so lange gebraucht hat, um sich auf die jetzige Lösung festzulegen, denn schließlich müssen die Vereine ja für die kommende Saison planen – egal ob sie gespielt werden kann oder nicht.“

Was den Klassenerhalt des TuSpo in der Kreisliga angeht, sei Gracic „schon einigermaßen erleichtert“. Allerdings sei er sich nach der guten Vorbereitung und den ersten beiden Punktspielen „sehr sicher“ gewesen, es aus eigener Kraft zu packen. „Insgesamt bin ich mit der Entscheidung zufrieden“, sagt Gracic. „Nicht nur für uns, sondern für alle Beteiligten.“

Zufrieden ist auch Frank Bockfeld, Trainer der Gimter U23. „Das ist die fairste und damit auch beste Lösung“, sagt er. Mit nur einem Punkt aus zehn Spielen ganz am Tabellenende stehend, hätte Bockfeld auch den Abstieg akzeptiert. „Allerdings bin ich mir sicher, dass wir ohne unsere großen personellen Probleme gar nicht erst so tief da unten reingerutscht wären“, sagt er. Da die Situation diesbezüglich für die Rückrunde „deutlich besser“ aussah, hätte er sich durchaus noch etwas ausgerechnet. „So aber haben wir jetzt Sicherheit und können in Ruhe für die nächste Saison planen“, sagt Bockfeld.

Einer der größten Nutznießer des „Saisonabbruchs ohne Absteiger“ ist aus Altkreissicht ohne Zweifel die Bezirksliga-A-Jugend des TuSpo, die aus neun Spielen keinen einzigen Zähler holte. Dass beim Team von Trainer Dennis Becker der ganz große Jubel dennoch ausbleibt, liegt an den eher trüben Aussichten. „Wenn sich personell nicht noch Entscheidendes bei uns tut, werden wir unser Team in der kommenden Saison wohl nur für die Kreisliga melden“, sagt Becker. „Noch eine Null-Punkte-Saison zu spielen, würde niemandem Spaß machen.“ Genau das drohe aber mit den Spielern, die man aktuell zur Verfügung habe. Auch wenn die Entscheidung des NFV also für die Gimter vermutlich keine negativen Auswirkung haben wird, hält Becker sie für den besten Weg. „Auch wenn es keine Lösung gibt, mit der alle zufrieden sein werden“, sagt er. 

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