Neuzugang bei der SV Freienhagen/Sachsenhausen:

Der Strukturgeber – Norayr Jalilyan will Trainer etwas zurückgeben

Außen vor: Neuzugang Norayr Jalilyan musste beim Saisonauftakt der SV Freienhagen/Sachsenhausen wegen einer Rotsperre noch zuschauen.
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Außen vor: Neuzugang Norayr Jalilyan musste beim Saisonauftakt der SV Freienhagen/Sachsenhausen wegen einer Rotsperre noch pausieren.

Der Fußball kann Türen öffnen. Norayr Jalilyan (23) gibt zu, dass sein gutes Ballgefühl ihm schon den einen oder anderen Job beschert hat.

Der gebürtige Armenier war drei Jahre alt, als er 2001 mit seinen Eltern nach Deutschland kam. Es folgten die Fußballstationen VfL Kassel, TSV/FC Korbach, KSV Baunatal II und zuletzt der westfälische Landesligist SPVG Beckum.

Er hat als Kind mit seinen Eltern auch in Bad Wildungen gewohnt. „Wir sind damals oft umgezogen, immer dem beruflichen Stationen meines Vater hinterher“, erzählt der 23-Jährige, dessen Eltern mittlerweile in Ahlen (NRW) wohnen. Nun schließt sich für ihn wieder der Kreis, denn Jalilyan wohnt wieder in der Badestadt.

Postmann und Barmann

„Es war für mich wie nach Hause kommen, denn ich hatte zuvor auch ein wenig Heimweh“, gibt er zu, „zwar nicht direkt zu der Stadt, mehr zu meinen Freunden.“

Warum kickt er nicht für die Wildunger SG, sondern für den Gruppenligakonkurrenten SV Freienhagen/Sachsenhausen? Das habe nichts mit Geld zu tun, betont der 23-Jährige, sondern es hat wieder etwas mit einem guten Gefühl zu tun. Jalilyan ist diesen Schritt auch wegen des neuen SV-Trainers Angelo Micino gegangen.

„Er hat mir einmal geholfen, als ich Probleme hatte und es mir nicht so gut ging. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar und über den Fußball möchte ihm nun etwas zurückgeben.“

Der Coach habe dem Neuling im SV-Dress auch einen Job bei der Post vermittelt, sagt Jalilyan.

„Das ist quasi mein Zweitjob, denn ich betreibe seit drei Monaten eine Shisha-Bar in Ahlen.“ Der 23-Jährige ist froh, dass er nun Unternehmer ist. „Ich mag es mehr, wenn ich die Entscheidungen treffen kann.“ Das gilt auch für seine Aufgaben auf dem Fußballplatz.

Regent im zentralen Mittelfeld

Seine Trainer erwarten von ihm, dass er das Zepter im zentralen Mittelfeld übernimmt und mit seiner höherklassigen Erfahrung seine Teamkameraden auf dem Feld führen soll.

Ein große Aufgabe für einen 23 Jahren alten Neuling. Doch Jalilyan hat ein großes fußballerisches Selbstvertrauen. Diese Aufgaben könne er erfüllen, betont er. Sein Wechsel sieht auf den ersten Blick wie ein sportlicher Abstieg aus, aber das sieht Jalilyan anders. „Es ist nicht schlimm, wenn man mal eine Klasse nach unten geht. Wenn du dort ständig spielst, bringt das mehr als in einer höheren Klasse auf der Bank zu sitzen.“

Daher ist der Weg zum SV für ihn auch noch kein Zeichen dafür, dass es mit ihm fußballerisch schon bergab geht. „Ich will weiter nach oben und mindestens noch Oberliga spielen.“

Mit der SV Freienhagen/Sachsenhausen wird ihm das nicht gelingen. Dennoch ist er von seiner Mannschaft recht angetan. „Sie hat wirklich Potenzial, einige Teamkollegen haben zwar noch spielerische und taktische Defizite, aber diese Truppe ist zielstrebig und kämpft um jeden Ball. Das gefällt mir sehr an dieser Mannschaft.“ Hat sie das Zeug für die Gruppenliga? „Ja, ich denke, wir werden am Ende im Mittelfeld landen.“

Leider kann Jalilyan zum Saisonstart nicht dabei sein, weil er die rote Karte im Kreispokal gegen den TSV Korbach gesehen hat. Er beschreibt sich selbst als einen sehr ruhigen Vertreter. Aber gilt das auch auf dem Platz? Eigentlich schon, aber die Pöbeleien seiner ehemaligen Teamkollegen hätten ihn schon aufgeregt. „Ich lasse meinen Emotionen auf dem Platz freien Lauf.“

Die Gruppenliga-Spiele

Freienhagen/Sachsenhausen - Neuental/Jesberg (So., 15 Uhr). Das 0:5 beim Saisonauftakt gegen den TuSpo Mengeringhausen war eine Standortbestimmung der unguten Art für die SV Freienhagen/Sachsenhausen, die zum Aufsteiger SG Neuental/Jesberg fährt.

„Wir haben viele Schwachstellen entdeckt und dürfen gegen Neuental nicht noch einmal so auftreten“, erklärt Trainer Andreas Josefiak. Der Coach beklagt ebenfalls, dass seine Mannschaft zu wenig Druck auf Ball und Gegner ausgeübt habe und in der zweiten Halbzeit seien seine Spieler zu wenig und meistens nur hinterher gelaufen.

„Wir werden das im Training ansprechen und versuchen es möglichst schnell abzustellen“, betont Josefiak. Er nimmt hier bewusst sich selbst und seinen Trainerkollegen Angelo Micino bei der Aufbauarbeit in die Pflicht.

„Wir müssen im Moment nur auf uns schauen“, erspart sich Josefiak Einschätzungen über Stärken und Schwächen des nächsten Gegners. Die SG Neuental hat in der Vorbereitung nur gegen KOL-Aufsteiger SG Englis gewonnen. ah

Mengsberg – Mengeringhausen (Sa., 18 Uhr). Erster Dreier eingetütet, keine Probleme mit den Hygieneauflagen: Das erste Heimspiel der frischen Saison kann der TuSpo Mengeringhausen als wunschgemäß betrachten. Das 5:0 gegen die SV Freienhagen/Sachsenhausen hat die Spieler für die Mühen der Vorbereitung entlohnt. Dieser Sieg wird sie aber nicht zu überheblicher Euphorie verführen, darauf achtet das Trainerduo André Gutmann/Oliver Hintschich. „Wir werden weiterhin unsere Defizite nicht aus den Augen verlieren“, sagt Hintschich.

Sein Team deutete in Sachen taktische Flexibilität aber schon an, was es kann: Viel Rotation auf Außen und in der Zentrale, Tore nicht nur vom Goalgetter, sondern auch vom Verteidiger. Mehr Zutrauen in die eigenen Stärken wird der TuSpo auch brauchen, wenn er auf größere Kaliber trifft.

Wie groß das Kaliber TSV Mengsberg ist, ist schwer einzuschätzen. Der Liga-„Dino“ gilt als heimstark, kassierte aber zum Auftakt eine 2:3-Heimpleite gegen Hertingshausen. „Wir schauen nur auf uns“, sagt Hintschich, der personell aus dem Vollen schöpfen kann.

Melsunger FV – Altenlotheim (So., 15 Uhr). Starker Auftritt in Baunatal, der aber nichts Zählbares brachte. Nun geht es für den TSV Altenlotheim nach Melsungen: Ein schweres Auftaktprogramm für den Aufsteiger. Melsungen hatte sich freiwillig aus der Verbandsliga verabschiedet. Trainer Peter Wefringhaus erklärt die Beweggründe: Die relativ junge Mannschaft könne sich besser in der Gruppenliga entwickeln. Trotz der unglücklichen 1:3-Niederlage in Baunatal kann Altenlotheim Positives aus dieser Partie mitnehmen. Gegen einen Titelaspiranten konnte das Team von Spielertrainer Robin Wissemann lange mithalten.

Ihm werden Patrick Wissemann (Knie), Tim Backhaus (Zerrung) und Markus Dippel (erst nächste Woche spielberechtigt) und die Langzeitverletzten Yannik Leisner und Nils Backhaus fehlen.

Kirchberg/Lohne/Haddamar – Bad Wildungen/Friedrichstein (So., 15 Uhr). „Wir freuen uns alle, dass es wieder losgeht – hoffentlich bleibt das auch so bis zum Jahresende“, appelliert der Wildunger Trainer Jörg Schäfer an alle Kicker. Ob es ein Vor- oder Nachteil ist, dass Kirchberg schon am Mittwoch antreten musste, bleibt abzuwarten. „Gegen Wabern gab es für sie vermutlich wenig Möglichkeiten, sich einzuspielen, da gilt es gut zu verteidigen. Gegen uns wird es ein anderes Spiel“, erwartet Schäfer: Nach der langen Pause wisse keiner so richtig, wo er stehe.

Kirchberg war für die Wildunger immer ein unbequemer Gegner, meist waren es kampfbetonte, enge Spiele mit Derby-Charakter.

Schäfer: „Das wird auch diesmal so sein, wer mehr Biss zeigt, wird vermutlich gewinnen.“ Die Gastgeber hätten mit Paul Graf in der Offensive ihre Stärken, defensiv aber ihre Schwächen. Mit Marvin Diehl und Thomas Vollmer habe der Verein an Qualität verloren.

Ob die Neuzugänge von der SG Edertal, Alessandro Schmidt und Pascal Beyer, diese Verluste ersetzen können? „Wir wollen mindestens einen Punkt“, sagt Schäfer, der nur um den Einsatz von Tim Krollpfeiffer bangen muss. dv/schä/bb/ahi

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