Lars Findler aus Volkmarsen stieg vor 25 Jahren mit Hessen Kassel in Liga zwei auf

Dieter Heckings Wasserträger

In Aktion: So berichtete die HNA am 25. November 1989 über das erste Zweitligator von Lars Findler. Repro: nh

Volkmarsen. Vor 25 Jahren hat der KSV Hessen Kassel zum bislang letzten Mal den Sprung in die 2. Fußball-Bundesliga geschafft. Mit im Kader der Löwen stand dabei auch ein Kicker aus dem Landkreis Waldeck-Frankenberg: Lars Findler.

„Es war eine schöne Zeit“, erinnert sich der heute 44-Jährige. Den gebürtigen Volkmarser zog es nach der C-Jugend („meinem damaligen Trainer Franco Anedda habe ich viel zu verdanken“) zum KSV Hessen. Dort schaffte er auch den Sprung in die erste Mannschaft und spielte fortan unter Trainer Franz Brungs mit Spielern wie Holger Brück, Terry Scott, Lothar Sippel oder Dieter Hecking zusammen. Und das erfolgreich, denn im Juni 1989 sicherte sich das Team den Aufstieg in die 2. Liga - damals wurden die Aufstgeiger noch in einer Aufstiegsrunde ermittelt. Die Kasseler Gegner damals hießen Unterhaching, Reutlingen und Edenkoben. Findler erinnert sich: „Da ging es schon ganz hoch her.“

Für den Volkmarser war das Kasseler Aufstiegsjahr sein erstes im Seniorenbereich. Er gehörte zum Kader der ersten Mannschaft, bekam dort und in der Reserve Einsatzzeiten. Die Aufstiegsspiele selber verpasste er allerdings, da er sich zuvor das Sprunggelenk gebrochen hatte. „Das entscheidende Spiel gegen Unterhaching habe ich aber auf der Ersatzbank mitverfolgt“, erinnert sich Findler. „Die Stimmung nach dem Aufstieg war dann super. Die Fans haben den Innenraum gestürmt und den Spielern die Trikots vom Leib gerissen. Damals waren die Sicherheitsvorkehrungen nicht so streng wie heute.“

In der Mannschaft wurde das Volkmarser Talent im Aufstiegsjahr gut aufgenommen. Die Führungsspieler wie Dieter Hecking oder Torwart Thomas Kneuer kümmerten sich um ihn, mit Hecking teilte er sich bei Auswärtsfahrten sogar ein Zimmer, wenn übernachtet wurde.

Zu Hecking, heute Trainer des Bundesligisten VfL Wolfsburg, hatte Findler übrigens ein ganz besonderes Verhältnis: Vor jedem Spiel brachte Findler ihm eine Flasche Volkmarser Sauerbrunnen mit – selbst abgezapft. Warum? Bei einer Oberligapartie in Haiger hatte Hecking nichts zu trinken dabei und Findler gab ihm von dem Mineralwasser aus seiner Heimatstadt. „An dem Tag hat er dann vier oder fünf Tore geschossen. Von da an wollte er immer vor den Spielen eine Flasche haben.“ Und Findler wurde so zu Heckings persönlichem Wasserträger.

Nach dem Aufstieg blieb Findler in Kassel, absolvierte zehn Zweitligaspiele und erzielte im November beim 3:2-Sieg gegen Unterhaching sein einziges Zweitligator. Trainer war da Lorenz-Günther Köstner, der den glücklosen Franz Brungs im September abgelöst hatte. Findler hatte seinen Platz in der Mannschaft gefunden, bis den Mittelfeldspieler im März eine Achillessehnenentzündung stoppte.

Überhaupt hatte der heutige Vertriebs- und Marketingleiter einer schwedischen Firma in Europa während seiner Laufbahn immer wieder mit schweren Verletzungen zu kämpfen, auch bei seinen weiteren Stationen SC Willingen (Oberliga Hessen) und SV Brakel (Oberliga Westfalen).

Karriereende mit 24

Das war auch der Grund, mit gerade 24 Jahren dem Profi-Fußball Adieu zu sagen. „Vielleicht hätte es noch einmal für die zweite Liga gereicht. Ich bin ein Mensch, der vorausschauend denkt. Deswegen habe ich die Prioritäten auf mein berufliches und familiäres Leben gelegt.“ Findler studierte Maschinenbau und später in Schweden Betriebswirtschaft. Dem Fußball blieb er bis 2003 hobbymäßig treu, zudem spielt er bis heute bei der Traditionsmannschaft des KSV Hessen und bei den Altherren des VfR Volkmarsen. „Am liebsten spiele ich aber mit meinen Kindern im Garten Fußball“, fügt er hinzu.

Seine Kinder haben Findlers Fußballgene geerbt, zwei der drei jagen mit Begeisterung dem Leder hinterher. „Meine Tochter wurde am Wochenende mit den Volkmarser D-Mädchen Waldecker Pokalsieger“, berichtet Lars Findler. Und er fügt hinzu: „Sie haben schon Talent. Das Wichtigste ist mir aber, dass sie mit Spaß bei der Sache sind.“

Von Thorsten Spohr

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