Fußball

Ein Star bei HSV und KSV: Klaus Zaczyk wird 75

Der Stratege in Aktion: Klaus Zaczyk (links) am 28. Februar 1981 in Bad Hersfeld gegen Bochum.
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Der Stratege in Aktion: Klaus Zaczyk (links) am 28. Februar 1981 in Bad Hersfeld gegen Bochum. Foto: privat/nh

Von 1978 bis 1984 war er der Mittelfeld-Stratege der Kasseler Löwen, heute wird er 75: Klaus Zaczyk. Eine schillernde Figur des Fußballs beim KSV Hessen. 

Von Günter Grabs Er war 24 Jahre alt, als sein Fußballtraum in Erfüllung ging. „In das Trikot meines Lieblingsvereins Hamburger SV zu schlüpfen, das wäre für mich das Größte“ schwärmte Klaus Zaczyk in jungen Teenager-Jahren. Und sein Wunsch ging tatsächlich 1969 in Erfüllung. In jenem Jahr wechselte der Mittelfeld-Stratege, der heute seinen 75. Geburtstag feiert und von 1978 bis 1982 beim KSV Hessen Kassel auf Punktejagd ging, vom Karlsruher SC über den 1. FC Nürnberg zum HSV. „Neben meinem Idol Uwe Seeler zu spielen - etwas Schöneres konnte es für mich nicht geben,“ blickt der Jubilar auf seine Profikarriere an der Alster noch heute begeistert zurück.

... und mit seinem Idol: Klaus Zaczyk hat 2017 sichtbar Spaß mit Uwe Seeler. Foto: PRIVAT/NH

      Ausgerechnet gegen die Hamburger hatte Zazcyk am 7. September 1963 sein Bundesliga-Debüt gegeben. Als er mit dem KSC 0:4 verlor, war er mit 18 Jahren, drei Monaten und 13 Tagen der jüngste Kicker der Liga. Erster nach dem Krieg geborener Bundesligaspieler - das klang! „Das war ein tolles Gefühl“, erinnert sich Zaczyk, „das Stadion war ausverkauft. Die Leute saßen in den Bäumen. Und abends im ZDF-Sportstudio war ich zu sehen. Ich war stolz wie Bolle.“       5000 Mark Handgeld gab es damals, 500 Mark Grundgehalt und weitere 500 Mark für einen Sieg. „Als erstes habe ich mir einen neuen Ford Taunus 12 M gekauft. Mein Mitspieler Rolf Kahn, der Vater von Olli, hatte mich mit seinem VW-Cabrio immer zum Training mitgenommen. Aber dann konnte ich selbst fahren“, sagt der gelernte Werkzeugmacher.       Und weil er beim norddeutschen Traditionsklub so viele Erfolge feierte - wie den Europapokalsieg 1977 mit dem 2:0-Triumph im Finale gegen Anderlecht - überraschte es sehr, dass der damalige Oberligist KSV Hessen sich nur ein Jahr später die Dienste Zaczyks sichern konnte. Zwar war der vorzügliche Techniker schon 33, doch trug er mit seiner Übersicht und nimmermüdem Einsatz viel dazu bei, dass die Löwen 1980 in die zweite Bundesliga aufstiegen.

„Ein Spiel gegen Hanau werde ich nie vergessen

Klaus Zaczyk

    „Ein Spiel gegen Hanau im KSV-Trikot werde ich nie vergessen. Es war im Auestadion, und wir lagen lange 0:2 zurück“, erinnert er sich. „Erst in der Schlussphase haben wir durch zwei Treffer von Greif und mein Tor noch 3:2 gewonnen und sind somit Meister geworden.“      Heute ist der in Sterzhausen bei Marburg aufgewachsene Zaczyk in Hamburg längst sesshaft geworden.       Voller Stolz erzählt er, dass er auf dem im August 2005 eingeweihten (HSV)-Walk of Fame verewigt ist: „Ich war am 5. September 2017 der 45. ehemalige HSVer, dem diese Ehre zuteilwurde. Dort bin ich in bester Gesellschaft mit Uwe Seeler, Charly Dörfel, Horst Hrubesch, Manni Kaltz, Günter Netzer, Weltmeister Jupp Posipal und anderen Größen.“        Wenn in seinem nostalgischen Rückblick auf Hamburg von Weltstars die Rede ist, darf das Spiel des HSV gegen eine Weltauswahl nicht fehlen. „Es war die Abschiedspartie 1972 für Uwe Seeler. In der Promi-Elf traten zum Beispiel die englischen Weltmeister von 1966, Torhüter Gordon Banks, Bobby Charlton, Geoff Hurst sowie Eusebio, George Best, Gerd Müller und Franz Beckenbauer an. Wir waren ziemlich chancenlos, verloren 3:7. Doch ein Treffer ging auf mein Konto.“       Stichwort: ein Treffer. Den erzielte Klaus Zaczyk auch in seinem einzigen Länderspiel beim 5:1-Sieg in Karlsruhe 1967 gegen Marokko. „Per Kopfball zum 3:1-Zwischenstand. Dabei habe ich nur alle Jubeljahre mal mit dem Kopf getroffen.“ Damals dachte er, es geht los mit der Topkarriere. „Aber denkste! Helmut Schön hat mich nie wieder geholt, obwohl ich richtig gut war. Das hat mich enttäuscht.“       Klaus Zaczyk, der noch mit 59 Jahren in der Hamburger Altliga kickte, aber durch Knorpelschäden in beiden Knien mit dem Fußballspielen aufhören musste, bleibt mit täglicher halbstündiger Gymnastik und 20 Liegestützen vor- und nachmitags in Form. „So halte ich mein Körpergewicht von 78 Kilogramm, die ich früher als Amateurspieler auch wog.“      Nach Kassel, wo er nach seinem KSV-Engagement noch drei Jahre lang Spielertrainer beim CSC 03 war und mit 40 Jahren die Vizemeisterschaft feierte, hat Zaczyk kaum noch Kontakte: „Hin und wieder telefoniere ich mit Manfred Grawunder, Bernd Lichte, Winnie Döring und Gerd Grau“, sagt er.       In diesen Corona-Zeiten hat der 75-Jährige alle Feierlichkeiten zum heutigen Geburtstag abgesagt: „ Ich habe meinen 60. und meinen 70. gefeiert. Das reicht. Und wegen eines Nachholtermins mache ich mir jetzt noch keine Gedanken.“  mit dpa

ZUR PERSON

Klaus Zaczyk, am 25. Mai 1945 in Steinbach an der Steyr (Österreich) geboren, bestritt insgesamt 400 Bundesliga-Spiele für den Karlsruher SC (104), den 1. FC Nürnberg (34) und den Hamburger SV (262). Anschließend trug er von 1978 bis 1982 in 127 Spielen das Trikot des KSV Hessen. Bis 1992 war er auch erfolgreich als Spielertrainer bei VfB Bettenhausen, SV Epterode und FC Großalmerode. Zaczyk führte eine Versicherungsagentur, betrieb eine Tennishalle mit Gastronomie, kehrte 1995 nach Hamburg zurück. Zaczyk war Vorstandsfahrer bei der Vereins- und Westbank, dann Mitarbeiter im Sicherheitsdienst des Geldinstituts. Mit seiner zweiten Frau Martina, die er 2005 geheiratet hat, lebt er in Hamburg-Poppenbüttel. Aus erster Ehe stammen eine Tochter (52) und ein Sohn (46).

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