Shkodran Mustafi ist über Hamburg und Everton in Genua gelandet – und jetzt für einige Tage in Bebra

Entspannen im Rückzugsgebiet

Shkodran Mustafi ist wieder in Bebra. Eine Woche hat er frei bekommen zwischen den Jahren. Am Samstag noch war der 20-jährige Profikicker für seinen Arbeitgeber Sampdoria Genua in der italienischen Serie A im Einsatz, gegen Lazio Rom gab es eine 0:1-Niederlage

Mustafi ist zurück im Kreis seiner Familie. Sie gibt ihm Halt und Heimat, sie ist ein Rückzugsgebiet. Auch wenn Weihnachten weniger Bedeutung hat für ihn. „Ich bin Moslem“, sagt der Kicker mit albanischen Wurzeln. „Trotzdem ist es schön, nach Hause zu kommen. So lange war ich noch nie in meinem Leben von hier weg. Zuletzt war ich im Sommer in Bebra.“

Turbulente Tage

An seinen freien Tagen sich mal so richtig gehen zu lassen oder die Ernährung nicht so ernst zu nehmen, daran darf Mustafi keinen Gedanken verschwenden. „Ich muss joggen gehen und mich fit halten, damit ich nicht untergehe.“ Schon am 6. Januar geht der harte Kampf um den Klassenerhalt bei Spitzenreiter Juve weiter.

Als 14-Jähriger zog Mustafi aus in die große weite Fußballwelt. Hamburg war seine erste Station, die Nachwuchsabteilung des dortigen Bundesligisten HSV sein Sprungbrett. Der Bebranerwar da längst deutscher Nationalspieler. Mit der U 17 wurde er Europameister.

Sprung auf die Insel

Danach wagte Mustafi den Sprung in die raue Welt des englischen Fußballs. Liverpool war sein Ziel, der FC Everton die Adresse. Abgehärtet zu werden, nicht aufzugeben, sich durchzubeißen, sich eine Perspektive zu erarbeiten - die Zeit auf der Insel hat zu seiner Mentalität gepasst.

„Ich bin so aufgewachsen“, bemerkt Mustafi, „mein Opa ist nach Deutschland gekommen, um Geld zu verdienen. Ich habe von klein auf an immer ein bisschen mehr gekämpft als andere.“ Vor drei Jahren starb sein Opa – vier Tage, nachdem er nach Everton ging. Der Vater flog nach England, um seinem 17-jährigen Sohn die Nachricht persönlich zu überbringen.

„Ich habe von klein auf an immer ein bisschen mehr gekämpft als andere“

SHKODRAN mustafi

Acht Spiele nur hat Mustafi dort absolviert in zweieinhalb Jahren – aber er hat Positives mitgenommen: „Ich hab’ mich ans höhere Spieltempo gewöhnt, körperlich und persönlich weiterentwickelt, bin erwachsener geworden.“

Die Perspektive in England schwand, Mustafi aber verfolgte sein Ziel Profifußballer hartnäckig. „Jetzt muss der nächste Schritt kommen“, war er sich im Klaren. Neue Angebote hatte er zur Genüge, er entschied sich für das von Sampdoria Genua. Hier spürte er den Rückhalt. Sportdirektor Pasquale Sensibili war überzeugt: „Er ist einer, der’s schaffen kann.“ Der damals 19-Jährige unterschrieb Anfang Januar 2012 einen Viereinhalb-Jahresvertrag.

Die ersten sechs Monate waren dazu da, sich einzuleben, „ab Sommer sollte ich darum kämpfen, meine Spiele zu machen“. Fünf sind’s bisher, sie liefen ordentlich, auch von einer Roten Karte aus dem Spiel in Florenz ließ er sich nicht irritieren. „Das war in der letzten Minute, daraus habe ich gelernt.“ Mustafi hat seinen Platz gefunden in der jungen und talentierten Mannschaft. Seinen ersten Einsatz hatte er am 11. November beim Kick in Palermo. Als Rechtsverteidiger. „Ich war froh, auf den Platz zu kommen.“

Noch gleicht Sampdorias Weg einer Berg- und Talfahrt. Einem guten Saisonstart folgten sieben Niederlagen am Stück, dann wieder sieben Punkte aus drei Spielen, denen sich drei Niederlagen anschlossen. Fünfzehnter ist das Team, drei Punkte vor einem Abstiegsplatz. Vor wenigen Tagen erst kam ein neuer Sportdirektor, Delio Rossi löste zudem Ciro Ferrara als Coach ab.

Wie in Albanien

Auch mit dem Leben abseits des Fußballs hat er sich eingerichtet. „Die Menschen in Italien ähneln in ihrer Denkweise und Persönlichkeit meinen Landsleuten in Albanien. Sie sind sehr offen. Das Leben ist nicht so strikt und geregelt wie in Deutschland.“

Die Sprache steht ihm nicht im Weg. „Ich verstehe alles und kann mich verständigen.“ Anfangs half ihm Mitspieler Roberto Sorriani, ein gebürtiger Italiener, der einst in Darmstadt kickte. Shkodran Mustafi will indessen das tun, was er immer getan hat: sich durchbeißen. Doch erst einmal will er seine freien Tage in Bebra genießen.   einwurf

Von Walter Kell

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