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Erinnerung an die Vorbildfunktion: Der Trainerpass kommt nach der Winterpause

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So sieht er aus der Trainerpass, der den Coaches im Amateurfußball nach der Winterpause um den Hals hängen wird.
So sieht er aus der Trainerpass, der den Coaches im Amateurfußball nach der Winterpause um den Hals hängen wird. © pr

Trainerpass. Das ist kein Zuspiel des Coaches, sondern ein in Folie eingeschweißtes Papier mit Lichtbild, das sich ein Fußballtrainer in den Amateurligen nach der Winterpause sichtbar um den Hals hängen soll.

Korbach – Für den Erwerb dieses Papiers muss man an einem etwa zweistündigen Seminar teilnehmen, was jährlich wiederholt werden soll. Hier wird dem Coach vor allem seine Vorbildfunktion noch einmal verdeutlicht.

Die Pflicht diesen Pass künftig während des Spiels zu tragen gilt bisher nur für Männer. Es seien aber schon einige Frauentrainer bei der Schulung gewesen und die Coaches für den Kinder- und Jugendfußball werden vermutlich bald folgen, sagte Dirk Emmert, stellvertretender Kreisfußballwart in Waldeck. Wer den Pass nicht trage, müsse in der laufenden Spielzeit noch keine Sanktionen, wie etwa Geldstrafen, befürchten. Die sollten aber in der kommenden Saison eingeführt werden.

Trainer kein verkappter Platzordner

Mit diesem Ausweis will der Verband den Übungsleiter aber nicht zu einem verkappten Platzordner oder Schiedsrichterbetreuer machen. „Auf einen Trainer kommen durch den Pass keine grundsätzlich neuen Aufgaben zu“, betont Dirk Emmert, stellvertretender Kreisfußballwart in Waldeck. „Für Zuschauer, die aus der Rolle fallen, ist weiterhin der Platzordner zuständig, aber ein Trainer sollte während des Spiels seine Leute auf der Bank im Griff haben.“ So sollte er auch darauf achten, dass dort nur Spieler und Betreuer säßen, die auf dem Spielbericht stünden, betont Emmert. „Hier sehen wir auch immer wieder Zuschauer oder verletzte Spieler. Das ist bereits seit dieser Saison nicht mehr gewollt.“

Der Pass sei außerdem für eine leichtere Kontaktaufnahme gedacht, ergänzt Michael Paulus, Pressewart im Fußballkreis Frankenberg. Das gelte sowohl für die Begegnung und Begrüßung vor dem Spiel mit dem Schiedsrichter, aber auch mit dem Trainerkollegen des Gegners. Paulus hat die Seminare in beiden Fußballkreisen geleitet. Ein weiteres soll im Frühjahr folgen.

Kritik am Hessischen Fußballverband: Schlecht vorbereitet

Paulus macht aber keinen Hehl daraus, dass er den Trainerpass für die hiesige ländliche Fußballwelt für überflüssig hält. „Der Pass wurde vor drei Jahren im Kreis Offenbach eingeführt, weil es dort einige Probleme im Fußball gab, auch viel Gewalt gegen Schiedsrichter. Bei uns kennt doch fast jeder jeden und die Gewalt auf dem Fußballplatz hält sich hier noch in Grenzen.“ Paulus verbindet mit diesem Pass auch schon viel Ärger im Vorfeld: „Der Hessische Fußballverband hat diese Aktion ganz schlecht vorbereitet und die Fußballkreise damit allein gelassen, etwa mit zu kurzfristig angesetzten Seminarterminen.“

Trotz dieser eher negativen Meinung leitet Paulus diese Seminare, weil ihm durchaus Situationen einfallen, in denen dieser Pass auch hierzulande hilfreich sein kann, etwa für Schiedsrichter, die aus anderen Fußballkreisen kommen oder einfach als zusätzliche vorbeugende Maßnahme gegen Häme, Rassismus und Gewalt. Die Kreisfußballwarte Gottfried Henkelmann (Waldeck) und Jürgen Schicke (Frankenberg), aber auch Dirk Emmert stehen dem Trainerpass positiver gegenüber. Während im Kreis Frankenberg alles Vereine mindestens einen Vertreter zu dem Seminar geschickt haben, waren es in Waldeck bisher 91 Teilnehmer von 46 verschiedenen Vereinen. Der Pass ist personalisiert, kann also nicht an eine ander e Person weitergereicht werden.

Jährliches Treffen der Trainer

Sie betonen aber alle, dass einem Trainer mit diesem Pass kein Maulkorb verpasst werden solle und er seine Emotionen während des Spiels weiterhin ausleben dürfe. „Der Ton macht aber auch hier die Musik“, sagt Emmert. Natürlich dürfe ein Trainer Entscheidungen des Schiedsrichters weiterhin kritisieren, aber respektvoll und nicht provozierend oder gar beleidigend.

Allerdings bleibt hier eine Grauzone, denn jeder Schiedsrichter zieht seine eigene Grenze, wo für ihn der Respekt aufhört und die Beleidigung anfängt. Der Trainerpass soll aber auch dem Schiedsrichter eine Hilfe sein. „Wenn etwa ein böses Wort von der Bank gefallen ist und der Schiedsrichter nicht zuordnen kann, von wem es kam, kann er den Trainer auffordern, er möge auf der Bank für Ruhe sorgen“, sagt Emmert.

Die vier Fußballkreis-Vorstandsmitglieder sehen durch den Pass noch einen weiteren Vorteil, der außerhalb des Platzes liegt. „Da das Seminar jährlich wiederholt wird, sehen sich die Trainer in einer anderen Situation. „Sie lernen sich besser kennen und schauen sich in die Augen“, sagt Emmert.

Hoffnung auf eine empathische Wirkung

Der ein oder andere Coach werde dadurch vermutlich auch empathischer, wenn er seinen Kollegen dann auf dem Platz sehe. Die Hoffnung der Funktionäre geht dahin: Wenn mal eine Situation droht zu eskalieren, dann reicht zur Deeskalation vielleicht schon dieser eine Satz: „Kollege, erinnere dich mal und schau mal was du um den Hals trägst.“ Das gleiche gelte für den Umgang mit dem Unparteiischen: „Wir müssen immer wieder unsere Sinne dafür schärfen, dass wir den Schiedsrichter gut behandeln wollen. Er gehört zum Spiel“, betont Emmert.

Er weiß, dass er einige Trainer von diesem „Halsband“ noch überzeugen muss. So habe ein Trainer zu ihm gesagt: „Alles schön und gut, ich habe das Ding jetzt um den Hals, aber ich werde mich auf meine alten Tage nicht mehr ändern. Emmert entgegnet diesen Zweiflern: „Wir wollen mit dem Pass keinen verändern, aber jemanden schon dazu bringen, dass er in heiklen Situationen mal kurz über sich selbst nachdenkt und den kleinen Taschenspiegel rausholt…“

Meinungen zwischen verzichtbar und starkes Signal

Wenn einer etwas tun soll, was er sowieso schon immer getan hat, der fühlt sich dann als jemand, der nicht gesehen wird. Dieses Gefühl trägt vermutlich die Mehrheit der heimischen Fußballlehrer beim Thema Trainerpass in sich. Viele finden das Tragen dieses Papiers mit Foto als unnötig.

Die Zahl der Schwarzen Schafe in der Trainergilde mag in den hiesigen zwei Fußballkreisen gering sein, aber wenn nur ein Coach durch den Pass sich selbst und seine Spieler besser unter Kontrolle hätte, würde sich das Papier schon lohnen. Gleiches gilt für den Schiedsrichter, wenn der Pass auch nur einem Referee dabei hilft, dass er sich bei seinem Hobby auf dem Platz wohler und sicherer fühlt, hat sich dieses Umhängsel bereits gelohnt.

Wir baten vier Coaches um ihre Meinung zu diesem Pass.

Michael Mohr (SG Röddenau/Bromskirchen II): Ich sehe diesen Pass in Kreisligen als nicht so sinnvoll an, weil jeder jeden kennt, in den höheren Klassen sieht das schon anders aus. Den Pass finde ich nur dann sinnvoll, wenn man sich untereinander nicht so gut kennt, damit ein Ansprechpartner sichtbar wird. Es geht dabei ja auch, um die Vorbildfunktion des Trainers und ich bezweifle, dass dafür ein Passnotwendig ist. Ein Trainer soll mithelfen, dass es auf dem Platz keinen Ärger gibt, aber das macht man ja von sich aus, dafür muss ich keinen Pass haben. Ich bin auch kein leiser Trainer, aber es muss alles im Rahmen bleiben, das sollte auch jeder Trainer ohne Pass wissen.

Uwe Schäfer (SV Freienhagen/Sachsenhausen): Ich bin über den Nutzen dieses Passes hin- und hergerissen. Bei uns auf dem Land ist er nicht notwendig. Klar, ist es gut, dass der Schiedsrichter auf dem Platz eine Kontaktperson hat, aber die kann man auch eine Armbinde tragen. Ich finde es auch übertrieben, dass nur die Leute auf der Bank sitzen dürfen, die auch auf dem Spielbericht stehen. Wenn es der Pass allerdings schaffen sollte, Trainer, die während des Spiels öfter über die Strenge schlagen, zu beruhigen, dann hat der Pass durchaus seine Berechtigung.

Daniel Bamberger (SG Geismar/Ellershausen): Ich halte den Trainerpass bei uns auf dem Land nicht für notwendig, in Ballungszentren vielleicht schon eher. Denn ich habe mich schon vor dem Pass beim Schiedsrichter vorgestellt. Ich muss auch, wenn irgendwo Unstimmigkeiten sind, aber dafür dazu sagen, dass ich bis vor kurzem noch selbst Schiedsrichter war.

Ich glaube, auch, dass jene Trainerkollegen, die sich bisher nicht beim Schiri vorstellen, das auch mit dem Pass nicht machen werden. Und auch im Spiel glaube ich nicht, dass ein Trainer, der verärgert und aufgebracht ist, durch den Pass wieder runterkommt.
Also, ich hänge mir das Ding um, wenn ich es muss, aber begeistert bin davon nicht. Ich finde es auch nicht gut, dass man in der kommenden Saison bestraft werden soll, wenn man den Pass nicht dabei hat. Vielleicht lasse ich ihn mir dann doch besser tätowieren (er lacht). Was ich gut finde, sind die geplanten jährlichen Treffen mit den Trainern und es wäre wünschenwert, wenn auch Schiedsrichter zum Austausch dazu kommen würden.

Martin Wagner (SG Höringhausen/Meineringhausen): Ich finde den Trainerpass sehr sinnvoll, weil er ein starkes Signal nach außen ist. Ich habe aber auch Erwartungen an dieses Papier, denn für mich ist es wünschenswert, dass ich mit diesem Pass, diesem Signal, auch mehr die Möglichkeit haben werde, mit dem Schiedsrichter zu sprechen.

Dieser Dialog kommt mir in der ein oder anderen Situation noch zu kurz. Was auf den Sportplätzen passiert ist nicht immer einfach für die Schiedsrichter und ich hoffe, dass dieser Pass auch für die Schiedsrichter eine Hilfestellung sein kann. Ein geplantes jährliches Treffen und der Austausch mit Kollegen und den Schiedsrichtern fände ich auch gut. Vielleicht hilft der Pass auch jenen Trainern, die verbal über das Ziel hinausschießen, sie an mehr Gelassenheit zu erinnern. Da zähle ich mich auch zu. (rsm)

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