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Fehlendes Foto kostet SG Rhoden/ Schmillinghausen den Sieg

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Von: Gerhard Menkel

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Torjubel bei der SG Rhoden/Schmillinghausen
Torjubel bei der SG Rhoden/Schmillinghausen: Der A-Ligist hatte in dieser Saison schon oft Gelegenheit dazu. Das Urteil empfindet sie als Schlag. © malafo

Das fehlende Lichtbild eines eingewechselten Spielers kostet die SG Rhoden/Schmillinghausen drei Punkte. Der A-Liga-Zweite bekam den 3:1-Erfolg über die SG Neukirchen/Sachsenberg aberkannt.

Korbach - Das Sportgericht des Fußballkreises Waldeck wertete die Partie vom 10. September für den Gegner, weil die Gastgeber für den eingewechselten Fußballer weder ein Foto im DFBnet hinterlegt noch den sie auf andere Weise ausgewiesen hatte. „Es gibt gar keine andere Möglichkeit“, sagte Gerd Rinninsland, der Vorsitzende des Kreissportgerichts, zum Urteil nach einer Verhandlung am Montagabend in Meineringhausen. Das sehe nicht nur das Sportgericht so, sondern auch der Hessische Fußball-Verband (HFV).

In Frankfurt nachgefragt hatte bereits der für die Staffel zuständige Einzelrichter, der den Punktabzug und eine geringe Geldstrafe (15 Euro) in erster Instanz verhängt hatte. Gegen seinen Bescheid hatte die Spielgemeinschaft Widerspruch eingelegt, den das Sportgericht nun abwies. Die SG Rhoden/Schmillinghausen kann gegen das Urteil Berufung einlegen.

Ob sie den Weg nach Grünberg gehen wird, ist offen. Man sei schon nach Meineringhausen nicht mit der Erwartung gefahren, „dass sich großartig was ändert“, sagte Stefan Bangert, der erste Vorsitzende des TV Rhoden: „Die Sachlage war ja kla““.

Das Strafmaß und die Rolle des Schiedsrichters

Die Beweggründe waren andere: Die SG habe einmal das Thema an sich zur Sprache bringen wollen. „Das Strafmaß ist schon heftig“, sagte Bangert: „Die volle Breitseite für einen kleinen Regelverstoß.“

Zum anderen habe man bei der SG leise gehofft, das Sportgericht werde sehen, „dass der Verein nicht komplett alleine schuld ist“. Der Schiedsrichter der Partie habe ja sein Häkchen gesetzt und damit für die SG angezeigt: alles in Ordnung. „Er hat nicht die Möglichkeit gezogen, uns zu sagen, da fehlt ein Bild.“

Der eingewechselte Spieler hätte sich mit Personalausweis oder Führerschein ausweisen können. Auch hätte die SG an Ort und Stelle ein schnellgeschossenes Handy-Foto hochladen können. Weil niemand daran dachte, ist der Fall „unstreitig“, wie Gerd Rinninsland sagte..

Auch der Sportgerichts-Vorsitzende ging auf die Rolle des Unparteiischen ein, der am Montag ein Statement abgab. „Der Punkt ist. dass der Schiedsrichter das nicht gemerkt oder übersehen hat.“ Zur Überprüfung sei er zwar verpflichtet, sie zu unterlassen wirke sich aber nicht darauf aus, „ob der Spieler eine Spielerberechtigung hat“. Dies ist Sache des Vereins.

Regeln zum Digital-Pass gelten seit Saisonbeginn

Eingeführt wurde der digitale Spielerpass in Waldeck zur Saison 2019/20 im Rahmen eines Pilotprojekts. Danach ließ der Verband über zwei Spielzeiten die Vereine bei der Einführung des Online-Nachweis der Spielberechtigung an der langen Leine – sie wurden bei den Terminsitzungen regelmäßig ermahnt.

Im September vergangenen Jahres beschloss der Verbandstag dann die seit Beginn der laufenden Saison gültigen Vorschriften; sie sind in Paragraf 39 der Spielordnung festgehalten. Die Konsequenzen bei Verstößen regelt die Strafordnung – der Paragraf 31 ist da eindeutig: Das, wie es heißt, „fahrlässige Spielenlassen eines nicht spiel- oder einsatzberechtigten Spielers“ werde mit Geldstrafe geahndet, bei Verbandsspielen trete „außerdem Spielverlust ein“.

Weitere Verstöße in der Kreisliga C

Die Strafe verringern konnte die Kammer laut Rinninsland nicht, weil der Einzelrichter bereits die niedrigste Geldbuße angesetzt hatte. Auch die Einstellung des Verfahrens wegen geringer Schuld kam nicht infrage.

Auf eine entsprechende Anfrage beim HFV habe er die Antwort erhalten: Das sei grundsätzlich möglich, Voraussetzung aber immer, ob ein sportliches Interesse an einer Bestrafung bestehe. Rinninsland: „Und das sportliche Interesse besteht immer, wenn sich das Ganze auf die Meisterschaft auswirken kann.“ Rhoden/Schmillinghausen ist Zweiter der A-Liga-Tabelle; wenn die drei Punkte abgezogen sind, verliert die SG einen Platz.

Überprüft werden die Online-Spielberichte jeweils von den Klassenleitern. Wenn sie Verstöße sähen, müssten sie sie vorlegen, sagte Rinninsland. Er bestätigte auf Nachfrage auch, dass womöglich weitere Waldecker Vereine Spieler ohne den vorgeschriebenen Bildnachweis eingesetzt haben. Nach Auskunft von Klassenleiter Dirk Emmert ist das in der C-Liga der Fall. Um welche Mannschaften es geht, sagte er nicht: „Es handelt sich um schwebende Verfahren.“

Den Punktabzug gegen die Fußballer der SG Rhoden/Schmillinghausen zu bestätigen, hat sich das Kreissportgericht nicht leicht gemacht. Darauf hat der Vorsitzende Rinninsland hingewiesen. „Wenn wir die Möglichkeit gehabt hätten, ihnen zu helfen, hätten wir es auch gemacht.“

Bangert: Wir beschweren uns nicht

Stefan Bangert glaubt ihm. Er habe es so empfunden, dass die Sportrichter „auch gerne anders entschieden hätten, aufgrund der Paragrafen aber nicht anders konnten“, sagte der Vorsitzende des TV Rhoden. Die Verantwortung der SG für den fehlenden Fotonachweis wollte er nicht relativieren. „Wir haben ja dieses Bild definitiv nicht in das Portal eingefügt und von uns aus nicht den Ausweis vorgezeigt.“

Bangert erhob keine Beschwerden gegen die Offiziellen, die am Vorgang beteiligt waren: „Es hat alles seinen richtigen Gang genommen.“ Auch dem Schiedsrichter, der nicht auf das fehlende Foto aufmerksam gemacht hatte, wolle er nichts groß vorwerfen. „Es ist ihm auch durchgegangen.“

Und doch: Bitterkeit hinterlässt das Urteil bei der SG. Bangert empfindet es als nicht verhältnismäßig – einmal im Vergleich zum Profifußball. So sei es für den FC Bayern ohne Konsequenzen geblieben, dass er zwölf Spieler auf dem Platz hatte. „Wir haben keinem wehgetan, keinen Schiedsrichter über den Platz gejagt“, sagte Bangert. Es fehle lediglich ein kleines Bildchen – und doch kriege man jetzt „so eine Breitseite“.

Für Bangert erzwingen die Paragrafen der Verbands-Spielordnung in diesem Fall nicht nur ein zu hartes Urteil, sie stellen auch die personellen Möglichkeiten ländlicher Vereine nicht in Rechnung „So was kommt eben mal vor, wenn du einen herbeiholst, der über 40 Jahre ist, damit du 13 Leute hast“, sagte er zum vergessenen Foto. Der Viehmarkt in Rhoden am selben Wochenende, dazu der überraschende Erfolg über Neukirchen/Sachsenberg; „Da hast du alles im Kopf, nur nicht, dass du noch einen Pass vorlegen musst. Das ist Amateurfußball.“

Ironie am Rande: Die SG war vom damaligen mittlerweile verstorbenen Kreisadministrator Ewald Wollert gelobt worden, weil sie früh schon die Anforderungen für den digitalen Spielerpass erledigt hatte – Bangert selbst hatte sich gekümmert.

„Vielleicht rüttelt das Urteil andere ein bisschen wach“

Die Berufung ist wohl keine Option, deutete Bangert an. Ein Verbandsgericht werde nicht gegen die Statuten des HFV urteilen. „Dann nehmen wir lieber das Geld und kaufen für die Kinder Trikots.“ Allerdings habe er das nicht allein zu entscheiden.

Als einen Rückschlag empfindet Bangert das Urteil für die Mannschaft und Trainer Markus Steinbock – sie spielt nach dem schwierigen vergangenen Spieljahr eine bessere Rolle als gedacht. „So wie sich die Jungs verkaufen, ist das für mich gerade überragend.“ Deshalb sei der Punktabzug „doppelt ärgerlich“ – und unabhängig von allen Saisonzielen zu sehen.

Zumindest ein Gutes könnte das Urteil für den Vorsitzenden des TV Germania nach sich ziehen: „Vielleicht rüttelt das jetzt ein bisschen wach und sensibilisiert“, sagte er. Die meisten anderen Vereine seien ja in der gleichen Lage wie die SG.

Sein Wort geht womöglich auch an die Adresse der Unparteiischen. Früher sei der Schiri mit der Passmappe in die Kabine gekommen, habe „Guten Tag“ gesagt und bei fehlenden Pässen nachgefragt. „Heute sagt er manchmal nicht mal mehr Guten Tag.“

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