Fußballerin spielte 32 Jahre lang für den TSV Ellenberg – Marathon als nächstes Ziel

Jetzt macht Netti Schluss

Will ihre Schuhe nicht mehr schnüren: Annette Krug hat ihre Karriere für den TSV Ellenberg beendet. Foto: Schmidt

Ellenberg. 32 Jahre lang im Verein Fußball spielen – das gelingt einigen. 32 Jahre lang einem Verein treu bleiben – das ist eine Seltenheit. 32 Jahre lang unumstritten Stammspielerin bleiben – das ist die Geschichte von Annette Krug aus Ellenberg.

Als Kind wollten Annette und ihre zwei Jahre ältere Schwester Martina Fußball spielen. Das war aber bis 1970 in Deutschland für Frauen verboten und danach lange verpönt. 1984 durften sie sie bei der Sportwoche in Ellenberg bei einem Jux-Turnier kicken. Das war der Beginn ihrer Mannschaft. Als Trainer fand sich Vater Helmut Krug – und nach einem Jahr Training begann das Team in der B-Liga.

„Damals gab es im Verein zwei Männer-Mannschaften und eine Jugend. Als Frauen hatten wir da einen schweren Stand“, sagt Krug. Das trieb die Schwestern und ihre Mitspielerinnen zu noch mehr Ehrgeiz an. Mit der Folge, dass der TSV Ellenberg nach zwei Aufstiegen in Serie 1988 ein Bezirksligist war. „Dann hat sich unsere Torfrau die Hand gebrochen, zwei Mädels sind zum Studium weg und wir haben ein Jahr jedes Spiel hoch verloren“, blickt die Mittelfeldspielerin zurück.

Auch in der Serie danach hagelte es Niederlagen. Und wer weiß, wenn im Winter 1990 nicht drei Neuzugänge gekommen wäre, vielleicht hätten die Ellenbergerinnen die Lust verloren. Doch das Trio sorgte für frischen Wind. Allerdings nur eine kurze Zeit, dann zog es alle drei weg und sie gründeten eine eigene Abteilung beim TSV Obermelsungen.

Was blieb, war ein familiär geführter Verein in Ellenberg. Schwester Martina Krug (heute Röhrig) zog als Abteilungsleiterin die Strippen und spielte lange selbst. Trainiert wurde das Team immer von Freunden oder Verwandten der Spielerinnen. Mit der Nummer zehn war Annette Krug stets Herz und Lunge des Teams in Personalunion. Als dann Talente wie Katrin Kilian und Nicole Schmidt nachrückten, ging es weiter bergauf.

Ein Höhepunkt war der letzte Spieltag 1999. Auswärtsspiel in Mehlen am Edersee. Die Gastgeberinnen brauchten nur einen Punkt zum Aufstieg, hatten Sekt kaltgestellt. Doch der TSV gewann. Als dann ein Fotograf nach dem Abpfiff fragte, wo die Meistermannschaft sei, lachten die Gäste: „Nicht hier“. Davon profitierte Anraff und stieg auf. Als Belohnung gab’s eine Kiste Bier. Die schmeckte besonders gut. Fast so lecker wie das Radler, das sich „Netti“ nach dem Training gönnt.

Kleiner Kader, großes Herz

Ihre stärkste Runde hatten die Ellenbergerinnen 2005. Sie qualifierten sich als Meister für die Landesliga. „Kleiner Kader, großes Herz“ titelte die HNA. Eben jener kleiner Kader war der Grund, warum der TSV auf diesen Sprung verzichtete. Bereut haben sie das in dem Guxhagener Ortsteil nicht. „Bei uns hat immer gezählt, dass wir zusammen schnuddeln, uns um alleinerziehende Mütter kümmern konnten und einfach als Team zusammengehalten haben“, betont die Dauerbrennerin. Ihren Nachfolgerinnen der SG Ellenberg/Gudensberg will sie als Fan treu bleiben. Ebenso wichtig sind die Treffen mit den langjährigen Kickerinnen, den „Golden Girls“.

Ganz ohne Sport wird es Annette Krug auch in Zukunft nicht geben. Die Bürokauffrau, die in Calden arbeitet, trainiert für den Kassel-Marathon. Zunächst für die halbe Strecke. 2018 soll es die volle Distanz werden. Klar, eine Kurzstrecke wäre auch irgendwie unpassend gewesen.

Von Sebastian Schmidt

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