Über seinen TSV Mardorf, Fairness und die WM

Christian Kunz als dienstältester heimischer Trainer im HNA-Interview

Trainer unter sich: Christian Kunz (links) als dienstältester heimischer Coach vom TSV Mardorf und Dirk Bauer von Liga-Rivale TSV Obermelsungen. Foto: TSV Mardorf/nh

Mardorf. Christian Kunz steht für Vereinstreue wie kaum ein Zweiter: Als aktiver Fußballer gab’s für ihn nur die SG WeWaLeCa.

Als Trainer hält er seit August 2001 den Spielerinnen des TSV Mardorf die Treue, mit denen er seit 2010 in der Gruppenliga am Ball ist. Bevor der 35-Jährige mit seinem Team die 15. Saison als dienstältester heimischer Coach angeht, spricht er über die Entwicklung beim TSV, im heimischen Frauenfußball und wagt eine Prognose für die WM in Kanada.

Antonia Freund ist als ihre derzeit jüngste Spielerin Jahrgang 1998. Fürchten Sie sich schon vor dem 2001er-Talenten?

Christian Kunz: Warum sollte ich das?

Weil bald Spielerinnen kommen, die noch nicht geboren waren, als Sie in Mardorf starteten...

Kunz: Das war mir ehrlich gesagt nicht so bewusst. Aber dann ist das halt so. Angst habe ich natürlich nicht. Ich werde ja nicht jünger. Aber es ist schon was Besonderes, dass ich jetzt zum Beispiel Antonia trainiere, die ich aus Wernswig kenne, seit sie laufen kann.

Und wie lange machen Sie noch?

Kunz: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Mir macht es Woche für Woche Spaß zum Training zu fahren. Wenn ich merke, dass die Mädels keine Lust mehr haben, sollte ich aufhören.

Kommen wir zurück zu Ihren Anfängen als Trainer: Wie sind Sie als 21-Jähriger nach Mardorf gekommen?

Kunz: Daran war eine Bekannte Schuld, die damals in Mardorf kickte. Ich habe mir einfach mal das Training angeguckt. Damals war Christian Pressler zuständig, den ich als Gegenspieler stets geschätzt habe. Ich wurde gefragt, ob ich mal das Training leiten könnte. So bin ich reingeschlittert.

Was hat sich seitdem geändert?

Kunz: Es ist in allen Bereichen mehr geworden. Jetzt haben wir 40 Spielerinnen für zwei Mannschaften, damals insgesamt 16. Im Kreis gab es auch kaum Teams, wenig Nachwuchs. Gilsa/Jesberg war die Nummer eins, dann kam Großenenglis. Jetzt ist viel mehr Qualität im Kreis vorhanden. Die Mädels fangen viel früher an mit Fußball und werden besser gefördert.

In Mardorf gibt’s allerdings seit einem Jahr keinen Mädchenfußball. Ein Nachteil?

Kunz: Höher als Gruppenliga können wir derzeit bei den Frauen nicht spielen. Großenenglis, die ich in ein, zwei Jahren in der Hessenliga sehe, und Obermelsungen, sind uns weit voraus. Mehr Unterbau würde ich mir wünschen, leider funktioniert das bei uns aktuell nicht. Dennoch kommen jetzt von den letzten B-Mädchen Sophie Fröhlich, Lea Aschenbrenner und Franziska Roth aus dem 1999er-Jahrgang heraus.

Und welche Trümpfe hat Mardorf zu bieten?

Kunz: Wir können nur im Kollektiv bestehen. 2014 haben wir zum Beispiel davon profitiert, dass die Mannschaften in Dillich und Remsfeld aufgelöst wurden. Aus Dillich kam beispielsweise Stürmerin Stefanie Viehmann, aus Remsfeld Libero Kelly Möller. Beide stehen sinnbildlich dafür, wie sich diese Mädels weiterentwickelt haben.

Dennoch hat ihr Team in den vergangenen Saisons von Jahr zu Jahr weniger Punkte geholt. Wie wollen Sie den Trend stoppen?

Kunz: Zunächst einmal muss gesagt werden, dass die Gruppenliga letzte Serie so stark wie nie war. Uns sind letzten Sommer vier Stammkräfte weggebrochen, davor hatte mit Stefanie Roth unsere Stürmerin aufgehört, die immer Tore am Fließband geschossen hat. Ich habe in der Rückrunde aber schon eine Steigerung gesehen und glaube, wir werden uns noch besser präsentieren. Zudem haben wir endlich genug Schiedsrichter und werden starten, ohne dass uns ein Abzug droht.

Ihre Mannschaft hat vergangene Runde nur elf Gelbe Karten gesehen. Fünf Teams waren sogar noch fairer. Sind Frauen auf dem Platz so viel anständiger als Männer?

Kunz: Ich sehe schon den Unterschied, dass es kaum härtere Fouls gibt. Frauen foulen in der Regel absichtlich auch nie hart. Zudem ist der Respekt vor Schiedsrichtern größer als bei den Männern. Allerdings lassen Schiris auch schon mal Karten stecken, die es bei Männern sicher gegeben hätte. Neulich gab’s zum Beispiel zwei Strafstöße nach Notbremsen, aber nicht mal eine Gelbe. Aber in den Derbys wie zuletzt gegen Ellenberg geht’s natürlich schon heiß her.

Ein Blick zur Frauen-WM: Wie sehr schauen Sie nach Kanada?

Kunz: Die Spiele Deutschlands gegen die Elfenbeinküste und Thailand habe ich gesehen. Bei der Partie gegen Norwegen musste ich arbeiten. Ich gucke das sehr gern, meine Mädels haben teilweise auch die Frauen-Trikots. Allerdings gibt es nicht so einen Hype wie bei den Männern. Ich würde mir aber mehr Spiele im Fernsehen wünschen. Jetzt traue ich unserer Nationalmannschaft zu, dass sie Weltmeister wird. Stark einschätze ich daneben die USA, Frankreich und China.

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