Pauline Bremer im Interview: „Mein nächstes Ziel ist Olympia“

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Triple-Siegerin mit Olympique Lyon: Die Göttingerin Pauline Bremer hofft, für Olympa nominiert zu werden. 

Göttingen. Nach dem Gewinn der Champions League mit Olympique Lyon spannte die Göttinger Fußball-Nationalspielerin Pauline Bremer (20) zwei Wochen bei ihren Eltern in ihrer südniedersächsischen Heimat aus.

Im HNA-Interview spricht sie über ihre erste Saison bei dem französischen Topklub, über private Aktivitäten und ihre Ziele.

Wie ist es überhaupt zum Wechsel von Potsdam nach Lyon gekommen?

Pauline Bremer: „Das ist über den Kontakt zu meinem Berater zustande gekommen. Die Entscheidung wurde sehr schnell noch vor der letzten WM getroffen. Dann habe ich mit dem Trainer und dem Präsidenten gesprochen.“

Wie haben Sie sich eingelebt, wie häufig trainieren Sie in der Woche?

Bremer: „Ich habe mich super eingelebt. Auch weil ich durch die Schule schon französisch sprechen konnte. Die Stadt ist super schön, ich fühle mich sehr wohl.“

Wie sind Sie von Olympique Lyon aufgenommen worden?

Bremer: „Sehr gut. Ich kannte ja Ada Hegerberg schon aus Potsdam. Da konnte man gleich gut kommunizieren.“

Wie viele Nationalitäten spielen bei Olympique? In welcher Sprache verständigt man sich?

Bremer: „Hauptsächlich Französinnen. Wir haben eine Schwedin, eine Norwegerin. Wir haben auch einen französischen Trainer. Daher wird auch so gut wie kein Wort englisch sondern nur französisch.“

Sie haben im ersten Jahr in Lyon alle drei Vereinstitel gewonnen. Was geht da eigentlich noch?

Bremer: „Dieses Jahr war einfach unglaublich. Wir haben konstant gespielt, gut gearbeitet.“

Wie haben Sie den Champions League-Titel erlebt? Ihre Eltern waren ja gegen den VfL Wolfsburg auch da...

Bremer: „Ja, mit mit meiner kleinen Schwester (Viola-Sophie, d. Red.). Das war DAS Spiel der Saison. Gegen eine deutsche Mannschaft, das war für mich auch etwas Besonderes, ich kenne ja auch viele vom VfL über die Nationalmannschaft. Wir haben das Spiel unnötig nochmal spannend gemacht durch den späten Ausgleich des VfL. Im Elfmeterschießen war es sehr emotional.“

Müssen Sie sich noch häufig kneifen, um zu begreifen, was in diesem ersten Jahr in Lyon alles passiert ist?

Bremer: „Man muss nochmal runterkommen, alles Revue passieren lassen, man braucht Zeit, bis man das alles realisiert.“

Sie absolvieren ein Fernstudium in Betriebswirtschaftslehre an der Privaten Fachhochschule in Göttingen... 

Bremer: „Ja, stimmt, geht super. Ich habe im April angefangen, läuft sehr gut bisher. Beruflich lege ich jetzt zehn Jahre Priorität auf Fußball. Aber wichtig ist, dass man auch nebenbei etwas macht. Das BWL-Studium ist erstmal ’ne Grundlage. In welche Richtung ich mich spezialisiere, weiß ich noch nicht.“

Können Sie den Unterschied zwischen Turbine Potsdam und Olympique Lyon und den Unterschied zwischen dem französischen und dem deutschen Frauenfußball beschreiben?

Bremer: „Zwischen Potsdam und Lyon ist der Unterschied groß, in Potsdam gab es mehr Training, was auch mit Trainer Bernd Schröder zusammenhing. Die größte Umstellung gab es im technischen Bereich. Das Niveau im Training in Lyon ist deutlich höher. Die Spielformen werden mit hohem Tempo ausgeführt. In Potsdam wurde mehr mit langen Bällen gespielt. Die erste deutsche Liga ist in der Breite stärker. In Frankreich haben wir nur mit Paris, Montpellier und Versier gute Gegner. Nach hinten fällt es doch merklich ab. In Deutschland musst du in jedem Spiel 100 Prozent geben. Das deutsche Pokalfinale hat gezeigt, dass auch kleine Mannschaften wie Sand große ärgern können. Das ist in Frankreich sehr selten.“

Wie lange läuft Ihr Vertrag in Lyon?

Bremer: Noch zwei Jahre bis 2018. Im Moment habe ich nicht den Drang, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Kann aber in zwei Jahren auch anders aussehen.“

Wie verfolgen Sie die derzeitige Fußball-EM in Frankreich, wer sind Ihre Favoriten und zu wem halten Sie?

Bremer: „Natürlich schaue ich auch Spiele im TV. Deutschland ist auf alle Fälle auch wieder ein Titelfavorit. Italien zeigte eine gute Teamleistung, Frankreich ist zuhause auch sehr stark. Ich halte natürlich zu Deutschland, falls es im Finale gegen Frankreich stehen würde.“

Was sind Ihre nächsten sportlichen Ziele?

Bremer: „Kurzfristig Olympia, der endgültige Kader steht noch nicht fest. Nächste Woche starten wir in die Vorbereitung mit 26 Spielerinnen aber nur 18 werden letztlich mitfahren.“

Was reizt Sie an Olympia?

Bremer: „Es wären meine ersten Spiele. Auch der Kontakt mit anderen Sportlern. Schade nur, dass wir nur ins Olympische Dorf kommen, wenn wir das Finale erreichen. Sonst sind wir in anderen Städten, das erste Spiel ist in Sao Paulo, dann reisen wir herum. Unsere Gegner sind Kanada, Australien und Simbabwe. Australien hat neben Kanada eine gute Mannschaft.“

Was geht noch über Olympia hinaus?

Bremer: „Die nächste EM ist 2017 in Niederlande, dafür sind wir schon qualifiziert. 2019 ist die WM in Frankreich. Da möchte natürlich auch hin.“

Sie waren zuletzt verletzt...

Bremer: „Ja, ich hatte diese längere Verletzung am Oberschenkel, aber zuletzt habe ich verletzungsfrei gespielt und fühle mich fit. Ich habe keine Probleme mehr.“

Zuletzt haben Sie mehr in der Defensive gespielt...

Bremer: „Ich war gewohnt, weiter offensiv zu spielen. Für mich persönlich war das ganz gut, ich habe dadurch viel gelernt. Wenn ich hinten spielen soll, mache ich das natürlich. Ich würde mich freuen, auch wieder weiter vorn zu spielen.“

Demnächst sind Sie noch in Barsinghausen.

Bremer: Ja, vom 3. bis zum 8. Juli beim zweiten Vorbereitungslehrgang der Nationalmannschaft. Da wird der Grundstein gelegt, die nächsten Monate sind wir ja in der Vorbereitung. Jetzt geht’s Schlag auf Schlag, Ende Juli geht’s dann nach Brasilien.“

In den vergangenen Tagen waren sie in Ihrer alten Heimat.

Bremer: Ja, ein bisschen entspannen bei meiner Familie in Göttingen. Das ist immer wieder schön.“ 

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