Serie Waldecker Landesliga-Vereine

Aufstieg des TSV Sachsenhausen vor 21 Jahren war kein Zufall

Mannschaftsfoto des TSV Sachsenhausen in der Saison 1999/2000
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Der Meisterkader in drei Reihen: Spieler, Trainer und Verantwortliche des TSV Sachsenhausen in der Aufstiegssaison 1999/2000.

Vor 21 Jahren reihte sich ein fünfter Verein aus dem Fußballkreis Waldeck in der Landesliga ein. Der TSV Sachsenhausen stieg erstmals in seiner Geschichte in die damals noch fünfthöchste Spielklasse auf.

Sachsenhausen – Als Franz Höss im April 1999 seinen Abschied beim SV Hillershausen und seinen Wechsel zum TSV Sachsenhausen bekannt gab, folgten für die beteiligten Bezirksoberliga-Vereine denkbar gegensätzliche Entwicklungen. Hillershausen zog in die B-Liga zurück, Sachsenhausen das große Los. Jedenfalls stand am Ende der ersten Höss-Saison der erste und einzige Aufstieg der Fußballer des Traditionsvereins in die (damalige) Landesliga Nord.

Höss hatte vor der Spielzeit in der Gruppe I der BOL Kassel zwar nicht direkt den Sprung in die höhere Klasse zum Ziel erklärt, aber den Ehrgeiz dazu mitgebracht. „Wir haben vor, mit diesem Kader möglichst weit oben mitzuspielen“, sagte der Usselner, ein ehemaliger Zweitliga-Spieler von Waldhof Mannheim. Dafür hatte ihn der TSV geholt.

Deutlich wurde auch Torwart Thomas Wegener: „Ich möchte gerne einmal in meinem Leben einen Aufstieg feiern! Ich werde den Verein zum Ende der nächsten Saison verlassen“, sagte er vor der Spielzeit 1999/2000. Auch der damalige Abteilungsleiter Wilfried Paul liebäugelte unverhohlen mit dem Aufstieg: „Ich möchte gern zu den Auswärtsspielen über die Autobahn fahren.“ Unter seinem Vorsitz traf sich der Spartenvorstand fast wöchentlich, um die Saison akribisch zu planen.

Mannschaft gezielt verstärkt

„Wir hatten eine tolle Mannschaft“, erinnert sich Torjäger Oliver Dephilipp. Es sei Wilfried Pauls großes Verdienst gewesen, sie als gute Mischung aus Neuzugängen und Eigengewächsen zusammenzustellen. Die Stammbesetzung, die unter Ertan Calisir (der als Trainer nach Bad Wildungen ging) viel Erfahrung in der BOL gesammelt hatte, führte Kapitän Roland Volke an, der sich nach langer Verletzung wieder in die Mannschaft zurückkämpft hatte.

Volkes schnelle Brüder Harald und Wilfried auf der linken Seite, Mittelfeldmann Frank Sach, den Trainer Höss zu einem überragenden Libero umfunktionierte, Sacha Lehmann als Flankengott, „Motor“ Karsten Braune, Lars Eigenbrodt, der vom SC Willingen zurückkehrte und Dephilipp sowie den Torhütern Thomas Wegener, einer der besten im ganzen Bezirk, Marco Greunke und Michael Merhof war der Verein bereits prima besetzt.

Mit Miguel Lopez-Röhle – mit 20 Jahren der Jüngste im Team – heuerte ein Spieler der Zukunft an, Blerim Bajraktaraj kam als Mann für die Abwehr aus Hillershausen, die Brüder Stefan und „Bomber“ Andreas Hetzler holte der TSV vom FSV Wolfhagen. Auch sie waren ebenso Glücksfälle für die Mannschaft wie der torgefährliche Mentor Berisha aus Korbach. Im Winter stieß außerdem Erland Faust zum Kader, ebenfalls erst 20 Jahre alt, und wurde zu einem nicht mehr zu ersetzenden Eckpfeiler der Elf. „Es hat sich alles zum Positiven ergänzt“, stellte Wilfried Paul damals fest.

37 Tore von Oliver Dephilipp in der Aufstiegssaison

Mit zehn Spielen ohne Niederlage startete Sachsenhausen perfekt in die Saison. Und was alle nur gehofft hatten, trat ein: der TSV war Tabellenführer. Auch nach dem letzten Spieltag und einem 7;1-Erfolg in Rengershausen. Nach 30 Spielen standen nur drei Niederlagen, 71 Punkte und ein Torverhältnis von 93:32 zu Buche.

„Für den Verein war das der größte Erfolg der Geschichte. Eine Riesensache“, sagt Oliver Dephilipp und erinnert sich noch genau an die Schlagzeile in der WLZ: „Ein Dorfverein erobert die Landesliga“. Dabei besitzt Sachsenhausen seit über 750 Jahren Stadtrechte.

Dephilipp avancierte mit 37 Toren zum Top-Torjäger der Klasse. „Für mich war es das beste Jahr meiner Karriere“, sag der heutige Trainer der SG Waldeck/Netze, der in diesem Zusammenhang auch die Arbeit von Höss lobt: „Ich hatte immer ein tolles Verhältnis zu ihm.“ 29 Treffer erzielte im Aufstiegsjahr Mentor Berisha, er komplettierte das „Traumduo“ des TSV im Angriff.

Die Begeisterung war groß, als Sachsenhausen das Kapitel Landesliga in der Saison 2000/01 startete. Fast 300 Zuschauer säumten den Platz am Eichholz, als die Neulinge ihr Auftaktmatch gegen Germania Fulda mit 4:2 gewannen. „Die Fans waren vollkommen euphorisiert“, erinnert sich Oliver Dephilipp.

Rückhalt erfuhr die Mannschaft nicht nur in ihren Heim-, sondern auch bei ihren Gastspielen. Mitunter seien mehr Zuschauer aus Sachsenhausen als vom Gegner da gewesen, erzählt der frühere Stürmer. Dephilipp und Co. bekamen das höhere taktische und spielerische Niveau der Landesliga aber bald zu spüren. Sie spielten nicht schlecht, verloren aber dennoch viermal hintereinander.

„Das Highlight unserer Karriere“

Trainer Höss hatte die Aufstiegsmannschaft neu formieren müssen. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere hatten Roland Volke und Frank Sach ihre Laufbahn beendet. Mentor Berisha und Marco Greunke hatten den Verein verlassen. Mit Siegen gegen den VfL Kassel und den TSV Lehnerz holte sich das Team wieder Selbstvertrauen.

Höhepunkt war das Derby gegen den SC Willingen. 500 Zuschauer wollten sich die Partie (2:2) nicht entgehen lassen. Dephilipp erinnert sich mit gemischten Gefühlen, denn er habe die Riesenchance zur 3:1-Führung vergeben.

Am Ende reichte es knapp nicht für den Aufsteiger, nach einem 0:3 gegen den TuSpo Guxhagen ging es wieder abwärts. Bitter, sagt Dephilipp, weil es am Ende der Saison zu vermehrtem Abstieg kam. „Mit unseren 37 Punkten hätten wir in anderen Jahren die Klasse gehalten.“ So fehlten drei Zähler zu Relegationsplatz 13, vier bis zum direkten Bleiberecht.

Dephilipp möchte das Landesliga-Jahr dennoch nicht missen. Er nennt es eine wertvolle Erfahrung, und mit dieser Einschätzung sei er nicht allein. „Es war für viele von uns das Highlight ihrer Karriere.“ (mha/ mn)

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