Winterbilanz des Fußball-Gruppenligisten

TuSpo Mengeringhausen: Das rettende Ufer noch im Blick

Trainer Andre Gutmann sitzt am Spielfeldrand im Plastikstuhl.
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Ein Blick, der Frust ausdrückt: Andre Gutmann als Coach am Spielfeldrand.

Für den TuSpo Mengeringhausen war die unterbrochene Gruppenliga-Saison bisher zum Vergessen. Der Glaube an den Klassenerhalt ist dennoch lebendig - wie auch immer die Runde weitergeht.

Mengeringhausen – Haus gebaut, im September erstmals Papa geworden, Ende Oktober mit seinen Kickern das letzte Spiel bestritten und das letzte Training geleitet. Wie oft denkt Andre Gutmann überhaupt noch an Fußball? „Jeden Tag, mehrmals, definitiv ganz stark“, betont der Spielertrainer des TuSpo Mengeringhausen.

Und er hat tatsächlich noch nichts vergessen, von der unterbrochenen Gruppenliga-Saison: Nur sechs Punkte aus elf Spielen, einen Sieg geholt bei drei Unentschieden und sieben Niederlagen. Dabei war das Gefühl im TuSpo-Lager diesmal so positiv, in dieser Liga endlich mithalten zu können, zumindest so gut, dass die Mannschaft nicht wie vor drei Jahren sofort wieder zum Absteiger degradiert wird. Doch dieses gute Vorgefühl wollte sich partout nicht einstellen. Dabei war es schon ganz nah am Spielfeldrand, direkt am ersten Spieltag. Die TuSpo-Elf führte beim TSV Mengsberg verdient bis zur 92. Minute mit 2:1, dann bekam sie doch noch das Gegentor.

Gutmann und sein Trainerkollege Oliver Hintschich müssen noch oft an diesen guten Auftritt ihrer Mannschaft gegen den aktuellen Tabellenzweiten zum Auftakt denken. Dieses Spiel sollte sich auch in den Köpfen der Spieler als schlechter Wegweiser für die weitere Saison entwickeln.

Gutmann ist sich nahezu sicher, dass ein Sieg in diesem Spiel die Mannschaft auf ein ganz anderes Gleis gesetzt hätte, das nicht so extrem talwärts verlaufen wäre. Damit könnte er richtig liegen, denn was in Mengsberg passiert war, ereignete sich anschließend in fast jedem Spiel. Der TuSpo ging in Führung, konnte diese aber nicht halten. Sieben von elf Spielen hatten diesen Verlauf. Und je mehr hinzu kamen, desto haarsträubender wurden die individuellen Fehler, die dann oft zu diesen Gegentoren geführt haben. Einzige Ausnahme war der 5:0-Sieg im Derby gegen die SV Freienhagen/Sachsenhausen. Überhaupt kann sich die Torausbeute mit 25 Treffern durchaus in der Liga sehen lassen, die 32 Gegentore hingegen eher nicht.

„Und schon gehen die Köpfe runter“

Die beiden Trainer haben sich viele Gedanken über die Problemzonen der Mannschaft gemacht, aber Fehler, die nicht am Fuß, sondern eher im Kopf entstehen, sind nicht nur im Sport schwer zu beheben. Eine Vorgabe der Trainer: Sich bei einer Führung nicht verstecken, nicht hinten rein stellen und abwarten, sondern weiter den Mut haben, nach vorn zu spielen. „Doch dann fängst du dir wieder so ein Ding durch einen Standard ein und schon gehen die Köpfe runter“, erzählt Gutmann.

Er und Hintschich haben versucht, diese Situationen im Training zu simulieren. „Das Verteidigen einer Führung ist schwierig zu trainieren, genau wie das Ausmerzen von individuellen Fehlern, die meist der Aufregung geschuldet sind“, betont Gutmann. Es sei auch für einen Trainer schwer, diese Situationen ständig anzusprechen, denn man wiederhole sich, sodass es passieren könne, der Spieler höre irgendwann gar nicht mehr zu. „Daher ist es schwer, die Köpfe der Spieler wieder freizubekommen.“

Das darf doch nicht wahr sein: So oder so ähnlich dürfte TuSpo-Trainer Oliver Hintschich hier gedacht haben.

Doch ein Blick auf die Tabelle zeigt auch Zahlen, die für die TuSpo-Trainer Zuversicht signalisieren. So ist das rettende Ufer nur sechs Punkte entfernt. Dieser Sprung ist immer drin, wenn man noch 21 Spiele vor sich hat. Doch der lang anhaltende Corona-Lockdown lässt vermutlich nur noch eine Hinrunde zu.

Das bedeutet für den TuSpo: fünf Spiele. „Ich bin mir nicht mal sicher, ob wir die Hinrunde noch zu Ende spielen“, sagt Gutmann. Wenn ja, geben sich die Trainer optimistisch, denn gegen Altenlotheim, Goddelsheim/Münden, Homberg, Hertingshausen und Schwalmstadt trauen sie ihrem Team schon noch genug Zähler zu.

Bedingung für einen guten Restart ist eine gute Vorbereitung. „Klar hätten wir bevor der Schnee kam, jeweils zu zweit auf einer Platzhälfte trainieren können“, betont Andre Gutmann. „Aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass wir in Zeiten, in denen Kneipen, Hotels, Geschäfte zu sind und viele um ihren Job bangen, nicht das Licht auf dem Sportplatz anknipsen können und trainieren. Diese Außenwirkung geht gar nicht.“ Außerdem könnte dann die Jugendabteilung die gleichen Bedingungen fordern. Dann wäre solch ein Training zeitlich aber nicht mehr möglich.

Vorschlag: Saison erst 2022 zu Ende spielen

„Oliver und ich machen uns viele Gedanken, wie es weitergehen könnte, wir haben auch Plan X in der Schublade liegen.“ Noch halten sich alle TuSpo-Kicker weiterhin individuell fit. Die Trainer zeigen hier Vertrauen und lehnen Kontrolle ab. Aber sie stehen mit den Spielern in Kontakt, auch was die Planung für die nächste Saison angeht. Und wie halten die Coaches die soziale Komponente hoch, das Miteinander? Die Videokonferenz ist durch Corona salonfähig geworden. „Nein, das machen wir nicht“, betont Gutmann.

Sobald Fünfergruppen möglich sind, soll das Training wieder losgehen. Natürlich mit Hygieneregeln. „Ich sehe uns aber auch noch nicht im Mai mit 20 Leuten auf dem Platz stehen. Wer weiß, was mit diesen Mutationen noch so kommt“, sagt Gutmann. Wenn er bestimmen dürfte, wie der Fußball weitergehen sollte, würde er eine Saison nicht abbrechen, sondern sie ohne Zeitdruck durchspielen – wenn es sein müsste auch über den Sommer und Herbst hinaus.

„Ich möchte weiterhin in einer Saison gegen jede Mannschaft zweimal spielen. Dann gibt es die Saison 2021/22 eben nicht, aber wir hätten eine abgeschlossene Saison 2020/21, auch wenn wir sie erst 2022 beenden würden.“ Außerdem hätte man bei dieser Variante nicht den Druck, der im vergangenen August erzeugt worden sei. „Da hatten wir keine Zeit für Vorbereitungsspiele, weil der Waldecker- und Hessenpokal gespielt werden musste.“

Gutmann ist vor allem um den Jugendfußball besorgt. Er befürchtet nicht nur, dass einige Kinder mit dem Sport aufhören, sondern auch die Leistungsdichte zurückgehen wird. „Das wird die Qualität des Fußballs mindern.“

Und zum Abschluss noch die obligatorische Frage: Gibt es beim TuSpo Zu- oder -Abgänge? Da muss Gutmann lachen. Abgänge? Nein. Zugänge? „Wie soll das gehen, wenn man sich nicht mal treffen kann?“ Na, vielleicht telefonisch. Das lehnt der Coach ab. Viel zu unpersönlich. (Reinhard Schmidt)

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