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Mit seinem Viererpack überrascht Philipp Rothe auch sich selbst

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Von: Gerhard Menkel

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Philipp Rothe (rechts) hat den Fuß am Ball, ehe sein Gegenspieler (hier der Hertingshäuser Jan Kraus) sich davonmacht.
Eher typisch für Philipp Rothe: Der Goddelsheimer (rechts) hat den Fuß am Ball, ehe sein Gegenspieler (hier der Hertingshäuser Jan Kraus) sich davonmacht. © bb

Vier Treffer in einem Gruppenliga-Spiel schießt man nicht alle Tage. Philipp Rothe ist das zum ersten Mal gelungen. Er ist weder Stürmer noch ein Mann vieler Tore - und unser Kopf der Woche. .

Münden – Beinahe hätte Jens Fresen sich, die Mannschaft und Philipp Rothe um ein seltenes Ereignis gebracht. Der Trainer der SG Goddelsheim/Münden erwog zur Pause der Partie gegen den FC Homberg, seinen Mann mit der Nummer 3 auszuwechseln. Er tat es nicht, und deshalb verzeichnet die Lichtenfelser Fußball-Historie einen Spieler mehr, der in einem Gruppenliga-Kick vier Tore erzielt hat.

Philipp Rothe und seinem Viererpack haftet, wie soll man sagen, nichts Zwangsläufiges an. Er war nicht naheliegend. Nicht überhaupt und auch nicht an diesem Sonntag. Der 25 Jahre alte Goddelsheimer geht in der Regel defensiven Aufgaben nach, meist auf der Sechs im Mittelfeld, auch schon mal außen in der Abwehr.

Philipp Rothe sagt, dieser Tag sei eher ein gebrauchter gewesen

„Ich bin mehr der dreckige Abräumer“, sagt er. Eher nicht für „technische Finesse bekannt“, was schon mal Witzeleien bei den Mitspielern im Training auslöse. Er wird dann gern zur Spaßbremse, indem er ein Zuspiel stoppt oder sich den Ball im Zweikampf holt. Das sei dann halt ein bisschen lästig für die Teamkameraden. Und Tore? „Schieß ich eigentlich eher eins die Saison.“

Dann dieser Sonntag. Rothe hätte es verstanden, wenn er bei Halbzeit den Dienst hätte quittieren müssen. „Ich hatte eher einen gebrauchten Tag“, sagt er. Die Homberg-Partie war nach drei Wochen Verletzungspause und logischem Trainingsrückstand erst wieder sein zweiter Einsatz, er nicht umfassend fit. Und nachdem er in der 29. Minute den 2:1-Pausenstand erzielt hatte, war seine Matchbilanz sowieso schon sehr ordentlich. Aber es kam viel mehr.

In weniger als einer Viertelstunde nach Wiederanpfiff stellte Philipp Rothe auf 5:1. Seine zweite „Bude“, glaubt er, traf die Homberger ins Mark. „Sonst hätten sie sich vielleicht noch mal aufgebäumt. Dann kippt ein Spiel auch schnell mal.“

Zur Person

Philipp Rothe (25) wohnt in Goddelsheim, 20 Meter weg vom Sportplatz, wie er sagt, und spielt seit seiner Kindheit für den TSV und in der SG mit dem TSV Münden. Bevorzugter Mannschaftsteil: defensives Mittelfeld. Sein Geld verdient er bei der EWF als sogenannter Business Analyst in der IT-Abteilung, berufsbegleitend studiert er Wirtschaftsinformatik. Deshalb sei es mit dem Fußball oftmals stressig, sagt er. Zusätzlich fit hält er sich mit Joggen durch Goddelsheims Wälder. (mn)

So wurde die Partie zur Feier eines Spielers, der im Regelfall seinen Job auf dem Platz eher unauffällig verrichtet. Warum es kam, wie es kam, das könne er nicht sagen, sagt Rothe. „Vermutlich aus meiner Mannschaft auch keiner. Es waren alle ein bisschen ungläubig.“

Gegönnt haben sie es ihm. Er erzählt, dass Mirco Grosche – im Team der SG der eigentliche Torjäger – ihn vor dem Strafstoß zum 6:1 gefragt habe, ob er, Rothe, nicht schießen wolle. Auch von draußen riefen sie seinen Namen. Er winkte ab. „Es ist genug.“ Ganz offenbar hatte Rothe ein Gespür für die Situation, obwohl sie neu war für ihn.

Das heißt: nicht ganz. Als A-Junior sind ihm auch schon mal vier Treffer in einer Begegnung geglückt. „Da habe ich aber auch im Sturm gespielt.“ Ausnahmsweise.

Der Goddelsheimer ist der Typ der Fußball wegen des Trainings spielt

Der „Dreier“ am Sonntag gegen Homberg war nicht nur wegen des Viererpacks von Philipp Rothe kein beliebiger, sondern auch, weil er die kleine Ergebniskrise der Lichtenfelser SG beendete. „Es war gut, dass wir gepunktet haben“, sagt Rothe.

Die Mannschaft wolle bis zur Winterpause weiter nachlegen, um sich dann früh aus dem Abstiegskampf abzumelden. Ein Selbstläufer ist das nicht. Mit Ausnahme des FSV Wolfhagen und von Eintracht Baunatal sei die Gruppenliga 1 „eine relativ offene Liga“.

Fußball ist für Rothe das Hobby. Er fühlt sich wohl im Team, hat dem TSV immer die Treue gehalten; er bedauert lediglich, dass er als Jugendlicher seine Ausflüge zum Stützpunkt zu früh aufgegeben hat. „Ich spiele hier mit vielen Freuden“, sagt er. Er sei der Typ, der den Sport fürs Training betreibe. „Ich finde, wenn das Training mit den Leuten stimmt und Spaß macht, dann ist es das Wichtigste beim Fußball.“

Auch Fair Play gehört für ihn dazu. Zu Saisonbeginn gab er trotz eines 0:1-Rückstands in Wolfershausen zu, er sei zuletzt am Ball gewesen, obwohl der Schiedsrichter auf Torabstoß entschieden hatte,

Seit er zusätzlich studiert, leidet der Fußball

Gerade leidet der Fußball ein bisschen, weil Rothe neben seiner Arbeit ein berufsbegleitendes Studium begonnen hat. Dienstagstraining oder Samstagsspiele muss er deshalb mitunter wegen einer Vorlesung absagen. Er versuche, es sich einzurichten, aber ein Studium besitze nun mal höhere Priorität als ein Hobby.

Ein typischer Vertreter der Generation Z, der man nachsagt, den Mannschaftssport eher unverbindlich zu betreiben, ist Rothe nicht. Er hat etwa vor Aufnahme seines Studiums Jugendliche trainiert und ist auch mal am Geburtstag der Freundin zum Spiel entschwunden.

Jetzt fände er es okay, wenn er die Rolle des unauffälligen, aber zuverlässigen Fußballarbeiters weiter erfüllen kann. „Es war ganz schön, aber ich weiß nicht, ob ich das jedes Wochenende bräuchte“, sagt er zum Homberg-Spiel. Etwas teurer war der Abend auch. Das nahm Rothe gern hin: „Es kommt ja nicht alle Tage vor.“

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