Fußball

DFB-Chef Koch in Bovenden: Unentschieden nach 120 Minuten

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Einige Impulse, aber wenig Konkretes: DFB-Interimspräsident Rainer Koch (links) bei der Diskussion im Bovender Gesundheitssport-Zentrum. Fritz Güntzler (vorne von rechts) und Alexander Schneehain hören zu. 

„Unterstützung, Entlastung, Personal und Kunden“ – so klar fasste Alexander Schneehain, Vorsitzender des Bovender SV, die Problemfelder des Amateurfußballs.

Die Antworten, die DFB-Interimspräsident Rainer Koch bei einer Podiumsdiskussion im Bovender Zentrum für Gesundheitssport darauf gab, waren indes nicht immer so eindeutig, sondern eher unentschieden. Zu der 120-Minuten-Veranstaltung der Reihe „Fritz im Dialog“ hatte der Göttinger Bundestagsabgeordnete Fritz Güntzler geladen – auf Drängen von Schneehain. 

„Wir wollten einfach mal kontrovers mit dem DFB-Präsidenten über die Probleme des Amateurfußballs diskutieren“, so der BSV-Vorsitzende. Mit auf dem Podium saßen auch Nils Leunig, A-Jugend-Trainer bei Göttingen 05, und Christian Rahlfs, Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses.

Als „Kunden“ versteht Schneehain die Vereinsmitglieder. Er wünscht sich mehr Unterstützung bei der Werbung von jungen Mitgliedern und verwies auf den Basketball, wo es eine intensive, vom Verband geförderte Zusammenarbeit zwischen Schulen und Vereinen gibt.

Für Koch ist das aber nicht Sache des DFB, sondern der Landesverbände. Darauf verweist der Vizepräsident des Dachverbandes, der gleichzeitig Vorsitzender des bayrischen Fußballverbandes ist, immer wieder. Teilweise erweckte Koch den Eindruck, als habe der DFB keine Entscheidungshoheit, so oft wie er die Verantwortlichkeit der Landes- und Kreisverbände oder der Schiedsrichterausschüsse betonte.

Immerhin: Bei der Trainerausbildung sieht der DFB-Vize Handlungsbedarf. Die Problematik, die Schneehain unter dem Punkt „Personal“ zusammenfasste, bestätigte Koch: Gerade im Jugendbereich schreckt die zeitintensive Ausbildung potenzielle Trainer ab. 120 Stunden dauere es etwa, einen C-Schein zu machen, sagte Leunig. „Wir müssen Kurzschulungsformen für die Trainerausbildung finden“, meinte Koch. Auch das Online-Angebot müsse ausgebaut werden.

Ein großes Problem für die Vereine ist die Gesetzgebung zur geringfügigen Beschäftigung – Stichwort „Entlastung“: „Dieses Gesetz bedeutet einen unfassbaren Verwaltungsaufwand für den Verein. Wir haben einen starken Verband, der Druck auf die Politik machen muss“, so Schneehain. Er als Vorsitzender des Vereins steht trotz ehrenamtlicher Tätigkeit in persönlicher Haftung. Koch, der ähnlichen Haftungsregeln ausgesetzt ist, ist das Problem bewusst, verwies aber auf die Zuständigkeit der Politik.

Unter dem Schlagwort „Unterstützung“ thematisierte Schneehain vor allem unkalkulierbare Gebühren, etwa für Spielverlegungen im untersten Jugendbereich. Für Koch ist das aber wiederum Sache der Landesverbände.

Und auch bei den Erfahrungen, die Schiedsrichter und Obmann Christian Rahlfs schilderte, wies der DFB-Vizepräsident immer wieder die Verantwortlichkeit zurück.

Dass Koch seinen Posten beim DFB mit Leidenschaft ausführt, nimmt man ihm tatsächlich ab. Und er stellte sich allen Fragen – auch im Anschluss der Diskussionsrunde bei Bratwurst und Bier. Nur seine Antworten waren eben nicht immer befriedigend. Schneehain sprach das an: „Ich erwarte vom DFB, dass er seine Mitglieder aktiv vertritt und nicht immer alles ablegt auf andere Verantwortlichkeiten. Wir als Sportverein sehen uns als Dienstleister, und wir sehen den Verband auch als Dienstleister für uns.“  ana

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