1998: FC Schalke zu Gast in Hann. Münden

Als Rudi einfach mal die Kosten senkte

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Blau-Weiß gegen Gelb-Rot: Schalkes Markus Kaya spielt den Ball an Mündens Keeper Mark Bödefeld vorbei. Die Tribüne ist vollbesetzt. 

Am 11. Juli 1998 erlebte der Mündener Rattwerder einen bis heute gültigen Zuschauerrekord: 4000 Fußballfans wollten Bundesligist Schalke 04 in einem Freundschaftsspiel gegen die TSG Münden sehen.

Wir blicken zurück und klären nachträglich auf, wie Schalke-Manager Rudi Assauer nach dem 9:0 (3:0)-Sieg seiner Truppe die Gastgeber vor einem Minus in der Kasse bewahrte.

Der erste Versuch, die Schalker nach Münden zu lotsen, ging 1997 schief. Der damalige Uefa-Cup-Sieger war einfach zu begehrt. Doch ein Jahr später klappte es. Rudi Assauer sagt nach der schriftlichen Anfrage des damaligen TSG-Spartenleiters Hans-Jürgen Lotz zu. 50 000 Mark plus Steuern sollte das Gastspiel kosten, doch die TSG war sicher, genügend zahlende Kundschaft anlocken zu können. Der Sportplatz wurde aufgehübscht. Unter anderem wurden zusätzliche Tribünen errichtet. „Das hatten die Bundeswehr-Pioniere im Rahmen einer Übung erledigt“, erinnert sich Lotz. So konnten schon mal zusätzliche Kosten vermieden werden. Sogar seinen unterhaltsam moderierenden Stadionsprecher Dirk Oberschulte-Beckmann brachte Schalke mit. Der heute 51-Jährige hat diesen Job übrigens noch immer inne. Die Fans an der Tageskasse zahlten für den Stehplatz 15 Mark; im VIP-Raum kostete das Ticket inklusive Verpflegung stolze 75 Mark.

Die zahlreichen Schalkeanhänger aus Südniedersachsen und Nordhessen ließen die TSG Münden trotz wenig sommerlicher Temperaturen und Regengüssen nicht im Stich. Sie wollten unter anderem Spieler wie Büskens, Latal, Nemec, Martin Max sowie Trainer Huub Stevens sehen. Während diese gegen das Team der TSG unter Trainer Manfred Ude einen klaren Sieg verbuchten, machten es sich bekannte Namen wie  Youri Mulder und Torhüter Oliver Reck auf der Tribüne bequem. Beste Mündener Akteure waren laut HNA-Bericht die Torhüter Meyer und Bödefeld sowie Abwehrspieler Peter Trapp. Und in der Schlussphase kam auch noch Schalkefan Matthias Dockenfuß zu einem Einsatz. Der Mündener ist seit 1994 Schalke-Mitglied, hat viele persönliche Kontakte und wurde 2019 sogar zur Beerdigung von Rudi Assauer eingeladen. Letztlich konnte aber auch er kein Mündener Tor erzielen.

Nach dem Spiel wollte Hans-Jürgen Lotz die Schalker zum Hotel nach Gimte leiten und stieg in den Mannschaftsbus ein. Doch damit hatte er gegen eiserne Gesetze des Bundesligisten verstoßen. Fremde durften die Dienste des Busfahrers nicht in Anspruch nehmen; kurzerhand wurde Lotz aus dem Vehikel hinauskomplimentiert. Letztlich übernahm die Polizei die Lotsendienste.

Das Hotel Freizeit Auefeld war Veltins-Partner und die Biermarke warb damals auf dem Schalker Trikot. Die Hotelleitung erklärte sich bereit, die Profis zum Essen einzuladen (zusammen mit der Brauerei). Jetzt kamen auch die Kosten für den Schalke-Besuch noch einmal auf den Tisch. Beim Abendessen fragte Assauer seinen Mündener Gegenüber Hans-Jürgen Lotz, ob der seine Kosten gedeckt habe. Im Vorfeld hatte sich Schalke über die TSG erkundigt und festgestellt, dass der Verein finanzkräftig war. Somit mussten die Mündener nicht in Vorkasse treten. Als Assauer nach der Kostendeckung fragte, erklärte Lotz, dass der anhaltende Regen der TSG wohl einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht habe. Neben rund 500 fehlenden Zuschauern dürfte auch der Bierdurst der Fans an den Verkaufsständen geringer ausgefallen sein.

„Assauer fragte, ob ich die offizielle Rechnung dabei hätte, nahm sie und half völlig unerwartet“, erinnert sich Lotz. Der Schalke-Manager strich die auf der Rechnung genannten 50 000 Mark durch und schrieb stattdessen nur 30 000 auf das Papier. „Das habe ich ihm hoch angerechnet“, so Lotz. „Dadurch sind wir plus/minus null herausgekommen.“

TSG Münden: Meyer (46. Bödefeld) – Ripke (46. Förster), Trapp, Blechschmidt – Andjelkovic (76. Jeschik), Marx (76. Urlaub), Bartel (46. Spöhr), Presa, Dernbach – Öczan, Gobrecht (76. Mund). Gastspieler: M. Dockenfuß.

Tore: Max (2), Eijkelkamp (2), Hami, O. Held, Pereira, Klyuyev (2).

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