Über Indien, einen möglichen Aufstieg und seine Rolle

Waberns neuer Trainer Kim Sippel im Interview

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Gibt jetzt in Wabern die Richtung vor: Kim Sippel, der beim TSV von 2015 bis 2017 bereits spielender Co-Trainer war.

Wabern. Junge Trainer sind im Schwalm-Eder-Kreis bei den höherklassigen Vereinen angesagt. Auch der TSV Wabern hat sich in der Winterpause verjüngt. 

Beim Tabellenzweiten der Fußball-Gruppenliga hat Kim Sippel die Nachfolge von Dirk Langhans angetreten. Einen Co-Trainer gibt’s für den Inhaber der DFB-Elite-Jugend-Lizenz nicht, dafür sieht er sich als Team mit Reserve-Coach Felix Georgi und forciert die Zusammenarbeit zwischen den Senioren- und Jugendteams am Reiherwald. Auf Wunsch von Sippel führen wir das Interview per Du.


Servus Kim, hast Du mal Deinen Namen gegoogelt?

Kim Sippel: Nein, warum? Was kommt dann?

Baunatal, Indien, Wabern und Architekt sind die ersten Schlagwörter. Fangen wir mit Baunatal an. Warum warst Du dort ab Oktober 2016 nur ein Dreivierteljahr Sportmanager?

Kim: Offiziell hatte die Tätigkeit 20 Stunden. Aber ich war praktisch nur noch für den Verein da. Mir hat Unterstützung gefehlt. Ich musste die Reißlinie ziehen, sonst hätte mein Privatleben nicht mehr funktioniert.

Kommen wir zu Indien. Da warst Du vor zwei Jahren als Scout für die TSG Hoffenheim. Was ist da hängen geblieben?

Kim: Vor allem, welchen Luxus wir in Deutschland haben. Wenn wir uns hier über schlechte Plätze unterhalten, muss ich schmunzeln. In Indien haben wir auf einem Parkplatz den Boden mit einer Spitzhacke eingerissen, um kicken zu können.

Wie viele Kontakte hast Du noch nach Indien?

Kim: Zu den indischen Managern regelmäßig. Das geht am besten per Facebook. Am meisten freut mich, dass die Jungs, die wir dort trainiert haben, noch fleißig schreiben und nach Tipps fragen. Und ich habe gemerkt, wie klein die Welt ist.

Warum?

Kim: 2012 habe ich mit Baunatal in der Oberliga gegen Waldgirmes gespielt. Masih Saighani und ich kassierten dabei eine Rote Karte und mussten nach Grünberg zur Verhandlung. Da haben wir uns super verstanden. Jetzt spielt er in Indien in der 1. Liga für Aizawl FC, wo ich als Scout die schönste Zeit erlebt habe. Schon verrückt.

Nun zu Wabern. Auch wenn der Architekt ein Mann in New York ist, bist Du jetzt als Trainer quasi Architekt des neuen TSV. Wie ist der erste Eindruck?

Kim: Überragend. Der Kontakt ist über die Monate geblieben und ich habe in der Hinrunde auch Spiele gesehen. Ich merke eine Aufbruchstimmung und einen Umbruch im Verein.

Das heißt konkret?

Kim: Der Kontakt zur Gemeinde wird bewusst gesucht. Wir wollen uns zeigen und hoffen, dass dadurch größeres Interesse am Verein entsteht. Identifikation mit dem TSV ist uns ganz wichtig. Die Jungs wollen etwa in den Bereichen Umfeld, Social Media und Events etwas bewegen. Zudem engagieren sich zum Beispiel Flo Korell und Andi Schluckebier in der Vorstandsarbeit.

Seit dem 31. Oktober hatte das Team kein Pflichtspiel. Wie heiß ist die Mannschaft, wieder spielen zu dürfen?

Kim: Die Jungs haben total Bock, sich endlich wieder beweisen zu dürfen. Deswegen haben wir schon am 3. Januar mit der Vorbereitung losgelegt. Highlights waren bisher ein Orientierungslauf durch knietiefes Wasser, ein Teamlauf mit Autoreifen und Sandsäcken und das Tragen eines Großtors nach Niedermöllrich. Die Beteiligung ist immer sehr groß.

Wabern stellt den zweitbesten Angriff und die drittbeste Abwehr. Wo setzt Du taktisch den Hebel an?

Kim: Wir wollen Fußball spielen. Also auch unter Druck spielerische Lösungen suchen. Ich will weniger lange Bälle sehen. Das ist natürlich ein Prozess, der dauern kann. Aber ich bin überzeugt, dass wir unsere gute Ausgangslage verbessern können.

Gibt es neben dem Abgang von Nico Langhans Änderungen beim Personal?

Kim: Fabian Korell ist wieder im Mannschaftstraining. Ich baue ihn behutsam auf. Wenn er im ersten Pflichtspiel einen Kurzeinsatz fliegen könnte, wäre das super. Dazu zeigen sich in der Vorbereitung sechs A-Jugendliche und auch die Jungs aus der Zweiten bieten sich an. Leider fiel uns Gavin Grünhäuser bisher mit einem Bänderriss aus.

Seit sieben Jahren spielt der TSV in der Gruppenliga oben mit. Was fehlt noch zur Verbandsliga?

Kim: Der unbedingte Wille. In meinem ersten Jahr mit Christian Leck, haben wir auch eine Zeit gebraucht. Die Rückrunde war dann überragend und wir hätten es fast noch in die Relegation geschafft. Aufsteigen ist was Geiles. Mittelfristig will ich den Jungs zeigen, wie sich das anfühlt.

In Fürstenhagen hast Du in der Gruppenliga im Feld gespielt. Willst Du in Wabern auch die Schuhe schnüren?

Kim: Stand jetzt konzentriere ich mich voll auf die Trainerrolle. Ich mache aber Extra-Einheiten, um mich fit zu halten. Ich lebe vor, was ich von den Jungs erwarte. Wenn unsere Keeper es aber schleifen lassen, ich bei der Zweiten im Feld gebraucht werde oder die Bälle aufpumpen muss, mache ich das. Wichtig ist der Verein.

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