Warum im Nordstadtstadion zwangsläufig auf Kunstrasen gespielt werden muss

Mittagsruhe sorgt für Ärger

Flutlicht im Nordstadtstadion: Was die Kunstrasenplätze hier haben, fehlt dem Rasenplatz. Archivfoto: nh

Kassel. Jetzt, da die dunkle Jahreszeit längst angebrochen ist, kommt es Woche für Woche zu einer Kuriosität – Ärger inklusive. Im Fokus steht dabei das Kasseler Nordstadtstadion, das 2007 für 2,9 Millionen Euro zu einer multifunktionalen Sportstätte umgestaltet wurde. Nun ist das Gelände so multifunktional, dass es schon wieder arg kompliziert wird.

Im Nordstadtstadion gibt es nämlich zwei Kunstrasenplätze und einen Rasenplatz. Der jedoch hat – anders als die Kunstrasenplätze – kein Flutlicht. Das bedeutet für die Heimspiele der Fußball-Gruppenligisten Türkgücü Kassel und FC Bosporus sowie die des Kreisligisten Hermannia, dass sie eigentlich früher als um 15 Uhr angepfiffen werden müssten – um auf dem beliebteren Rasenplatz antreten zu können. Sonst würde es dort in der zweiten Halbzeit zappenduster. Problem: Zwischen 13 und 15 Uhr herrscht im Nordstadtstadion Mittagsruhe – ganz offiziell, verordnet von der Stadt. Die Folge: Die Vereine müssen auf die Kunstrasenplätze ausweichen.

Das sorgt für Kopfschütteln bei den Betroffenen. „Wir müssen das hinnehmen, aber es ist ärgerlich für uns alle“, sagt Türkgücü-Trainer Hüseyin Üstün. „Fußballer spielen nun mal lieber auf echtem Rasen.“ Und außerdem: „Unsere dritte Mannschaft muss wegen der Mittagspause schon um 11 Uhr ran, die zweite Mannschaft spielt zeitgleich mit der ersten. Da fällt es auch schwer, Eintritt zu nehmen, weil keiner genau weiß, welcher Zuschauer bei welchem Spiel zuschaut“, sagt Üstün, der anfügt: „Ich bin seit sechs Jahren hier dabei, aber ich habe noch nie gehört, dass ein Anwohner geklagt hat.“

Auch bei Tuncay Aral stößt die besondere Situation des Nordstadtstadions auf Unverständnis. Er hat eine weitere Kuriosität ausgemacht: „Eigentlich dürften wir uns ja noch nicht einmal vor den Spielen warmmachen. Aber da wird ein Auge zugedrückt.“

Die Stadt Kassel verweist bei diesem Thema auf die Verordnung zur Durchführung des Immissionsschutzgesetzes, in der die Ruhezeiten für Sportanlagen geregelt sind. Das städtische Amt für Stadtplanung und Bauaufsicht habe dann 2007 die Betriebszeiten verbindlich festgelegt, erklärt Stadtsprecher Ingo Happel-Emrich. Seit der Eröffnung der Anlage gilt somit: An Sonn- und Feiertagen darf im Nordstadtstadion zwischen 13 und 15 Uhr kein Sport getrieben werden. Happel-Emrich: „Wir sind an die Einhaltung der Verordnung gebunden und an einem Konsens zwischen Nutzern der Sportanlage und Anwohnern interessiert.“ Bisher habe es keine Beschwerden gegeben – weder von Anwohnern noch von Vereinen. Die melden sich nun aber zu Wort.

Bliebe noch eine andere Frage. Warum hat das Nordstadtstadion eigentlich nur vier Kabinen, obwohl drei Plätze zur Verfügung stehen? Aber die Frage muss im Winter nicht beantwortet werden: Hier spielen eh maximal nur vier Teams zeitgleich – der Mittagsruhe sei Dank.

Von Florian Hagemann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.