Regionalsportgericht verhandelt Spielabbruch in Weidenhausen

Nach Spielabbruch: Drastische Strafen für Türkgücü

Der Moment, als der Referee die Rote Karte zückte: Vier Türkgücü-Spieler bedrängen Schiedsrichter Tobias Lecke, der wegen der Tumulte die Partie kurz danach abbrach.

Weidenhausen. Auf dem Platz heftige Auseinandersetzungen, neben dem Platz ebenso. Ein Spiel des SV Türkgücü hatte Ende März für Wirbel gesorgt. Nun gibt es drakonische Strafen.

Die Urteile hatten es in sich: Mit drastischen Strafen belegte das Regionalsportgericht unter Harald Kulle, der den verhinderten Gebhard Neurath vertrat, und dessen Beisitzern Dirk Spengler und Volker Mihr den SV Türkgücü Kassel. Bis zu 20 Pflichtspiele Sperre müssen vier Spieler des Fußball-Gruppenligisten absitzen. Trainer Hayri Karahan darf sein Amt bis zum 5. Juli nicht bekleiden. Zudem werden dem Nordstadtklub zehn Punkte abgezogen. Verhältnismäßig glimpflich kam der SV Weidenhausen davon (siehe Hintergrund).

Erst um 1.30 Uhr am frühen Dienstagmorgen verlas Kulle die Urteile. Nötig war die Verhandlung, weil Schiedsrichter Tobias Lecke (Gilfershausen) das Spiel der Fußball-Gruppenliga 2 zwischen dem SV Weidenhausen II und Türkgücü am Ostermontag in der 70. Minute beim Stand von 1:0 abbrach und es danach zu tätlichen Auseinandersetzungen kam. Die Polizei wurde gerufen, einige Personen mussten in ärztliche Behandlung. Zwei Anzeigen wegen Körperverletzung sind erstattet.

Weil die Aussagen von Angeklagten und Zeugen selten übereinstimmten, sah sich das Gericht vor eine schwierige Aufgabe gestellt. Selbst die von Augenzeugen aufgenommenen und dem Gremium zur Verfügung stehenden Videoaufnahmen per Handy sorgten nicht immer für Eindeutigkeit.

Artikel wurde aktualisiert um 18.40 Uhr

Wo die einen im Handgemenge einen Schlag erkannt haben wollten, blieb dieser den anderen verborgen. Und so drehte sich vieles während der eindringlichen Vernehmungen um Fragen wie diese: Wurde geschlagen, geschubst oder geschlichtet, mit Handfläche oder Faust, gab es einen Hieb oder nur eine Berührung beim Losreißen? Unstrittig ist, dass sich der Unparteiische nach einem Elfmeterpfiff und einer Roten Karte gegen Türkgücü von dessen Spielern bedroht fühlte und vorzeitig abpfiff. Zu Handgreiflichkeiten kam es zwischen zahlreichen Beteiligten beider Seiten danach auf dem Platz am Chattenloh und wenig später daneben.

Strittig blieb die Frage, wer als Ordner tätig und ob er wegen eventuell fehlender Binde erkennbar war. Als die Polizei eintraf, musste sie nicht mehr schlichten. Die Gemüter hatten sich abgekühlt.

Während Spieler und Offizielle von Türkgücü angaben, während der Partie von Weidenhäuser Seite diskriminiert und beleidigt worden zu sein, wiesen die Gastgeber diesen Vorwurf zurück. Auch der Unparteiische gab an, keine entsprechenden Äußerungen vernommen zu haben.

Beiden Parteien warten das schriftliche Urteil ab und überlegen dann, ob sie in Revision gehen. Versöhnlich gaben sich die Vorsitzenden. „Wir sollten auf dem Sportplatz fair und tolerant miteinander umgehen und die Kultur des anderen akzeptieren“, appellierte Weidenhausens Sven Schäfer. „Es tut uns leid, dass es so weit gekommen ist“, betonte der just am Tag des Spiels zum neuen Türkgücü-Vorsitzenden gewählte Oktay Karakaya. „Vielleicht hat das Schicksal mitgespielt. Wir wollten ohnehin einen Neuanfang einleiten. Mit dem Punktabzug steigen wir sicher ab. Wer weiß, wozu das alles gut ist“, fügt er hinzu.

So urteilte das Sportgericht

Folgende Sperren verhängte das Regionalsportgericht gegen den SV Türkgücü: Ibrahim Gül (16 Pflichtspiele ab dem 29.3. wegen Tätlichkeit), Mehmet Gül (18 Pflichtspiele ab dem 29.3. wegen Tätlichkeit und unsportlichen Verhaltens), Akif Erdogan (20 Pflichtspiele ab dem 29.3. wegen unsportlichen Verhaltens), Halil Karci (4 Pflichtspiele ab dem 29.3. wegen unsportlichen Verhaltens), Trainer Hayri Karahan (Platz- und Ausübungsverbot bis zum 5. Juli wegen unsportlichen Verhaltens, Geldstrafe von 150 Euro). Erkan Özen erhielt als Zuschauer ein Platz- und Ausübungsverbot für sechs Wochen wegen unsportlichen Verhaltens.

Beim SV Weidenhausen bestrafte das Gericht den Spieler Florian Grede (6 Pflichtspiele wegen unsportlichen Verhaltens). Das Verfahren gegen zwei weitere Spieler wird extra verhandelt. Zudem verhängte das Gericht Strafen gegen die Vereine. Wegen Herbeiführung eines Spielabbruchs in einem leichteren Fall sowie Tätlichkeiten und Ausschreitungen seiner Spieler werden Türkgücü zehn Punkte abgezogen, hinzu kommt eine Geldstrafe von 575 Euro. Weidenhausen wurde wegen unsportlichen Verhaltens von Spielern und Mitgliedern mit einer Buße von 150 Euro belegt. Die beim Stand von 1:0 abgebrochene Partie wird mit 3:0 Toren und drei Punkten für Weidenhausen gewertet.

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